19.11.2020 04:53

Überforderte HundehalterLockdown erschuf verzogene Hunde-Generation – Hundetrainer ausgebucht

Während des Lockdown im Frühling waren die Hundeschulen geschlossen, worunter vor allem die Entwicklung und die Erziehung der jungen Vierbeiner litt. Jetzt sind viele Hundebesitzer überfordert – und suchen sich Hilfe.

von
Lara Hofer

Hundeschulen werden seit ihrer Wiedereröffnung von überforderten Hundebesitzern mit Anfragen überschüttet.

Lara Hofer

Darum gehts

  • Die Corona-Pandemie erhöhte die Nachfrage nach einem neuen Haustier drastisch – so auch die nach Hunden.

  • Doch gerade Hunde brauchen eine korrekte Erziehung und Sozialisierung.

  • Da die Hundeschulen während des Lockdown geschlossen waren, sind nun viele Hundebesitzer überfordert.

  • Hundeschulen und Hundetrainer werden mit Anfragen überschüttet.

Einen treuen Begleiter auf vier Beinen wünschte sich während des Lockdown so manch einer. Während es schwierig war, den sozialen Kontakt mit seinen Mitmenschen aufrechtzuerhalten, durfte sorglos mit dem Vierbeiner gekuschelt werden. Dies führte dazu, dass die Nachfrage nach Hunden während der Corona-Krise rasant angestiegen ist. Doch im Frühling wurden auf Anordnung des Bundes alle Hundeschulen geschlossen – die neuen Hundebesitzer waren auf sich allein gestellt. Dies hatte Folgen für Herrchen und Hund.

Rückstand in Entwicklung und Erziehung

«Besonders für die jungen Hunde war der Lockdown gar nicht gut», sagt Susanne Hirschi. Sie ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und leitet die Sitz-Platz-Hundeschule in Seeberg BE. «Ich habe sehr viel zu tun», erzählt die 53-Jährige. Da die Hundeschulen während des Lockdown geschlossen werden mussten, sei die Nachfrage umso grösser: «Es gilt jetzt, den Rückstand der Hunde in ihrer Entwicklung und Erziehung aufzuholen.»

Die Sozialisierung sei dabei ein zentraler Aspekt. Während des Lockdown waren Läden und Restaurants geschlossen – die Hundebesitzer sind mit ihren Welpen vermehrt zu Hause geblieben. Das zeige sich jetzt: «Die Hunde konnten sich in ihrer ersten Entwicklungsphase nie wirklich an ihre Umwelt gewöhnen. Es kann sie deshalb nun überfordern, mitten im Geschehen zu sein», so Hirschi.

Nur noch Einzellektionen erlaubt

Auch der Kontakt zu anderen Hunden sei den Welpen während des Lockdown entzogen worden, bedauert Hirschi. Es durften keine Gruppenaktivitäten stattfinden – nur Einzellektionen auf Anordnung des Tierarztes waren erlaubt: «Einen Junghund in einer Einzellektion zu sozialisieren, ist natürlich schwierig.» Der soziale Kontakt zu Artgenossen müsse deshalb jetzt Schritt für Schritt nachgeholt werden: «Wir sind jetzt gefordert, die Hunde mit viel Geduld und Zeit nachträglich zu sozialisieren.»

Wie fest darf zugebissen werden?

Der fehlende Kontakt zu anderen Hunden könne gefährliche Folgen haben: «Beim Spielen mit Artgenossen merken die Welpen beispielsweise, wie fest sie zubeissen dürfen, bis der Spielpartner aufjault und es wehtut. Ohne diese Erfahrungen weiss der Hund später auch beim Menschen nicht, wie fest er zubeissen darf», erklärt Ernst Krüsi, Hundetrainer und tierpsychologischer Berater aus Zürich.

Ein ähnliches Phänomen gebe es beim Umgang mit Macht zu beobachten: «Kann der Welpe keine Machtspiele mit Artgenossen ausüben, wird er es irgendwann mit dem Menschen tun», sagt Krüsi. Gerade wenn die Hundebesitzer plötzlich aus dem Homeoffice zurückkehren – und der Hunde vermehrt auf sich allein gestellt ist –, werde er versuchen, die Alphaposition einzunehmen. «So kann die Sozialstruktur einer Familie auf den Kopf gestellt werden.»

Überforderte Hundebesitzer

Er als langjähriger Hundetrainer merke die gewaltige Auswirkung der Corona-Krise auf die Hundeschulen ebenfalls. «Viele der Hunde wurden aus Langweile angeschafft. Doch irgendwann stellt ein Hund seine Ansprüche», so Krüsi. Nun seien die Hundebesitzer überfordert – und würden sich verzweifelt an einen Hundetrainer wenden. Oder aber sie wollten ihre Hunde wieder zurückgeben – etwa an ihre Züchter oder ein Tierheim.

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60 Kommentare
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TierRobby

19.11.2020, 08:53

Es ist ausnahmsweise nicht der Beer Bug oder ein Tier, die Gesellschaft oder irgend jemand anderes schuld, sonder ausschliesslich ungeeignete Menschen, die nicht mit sich selbst und schon gleich gar nicht mit dem Tier klar kommen.

Grebu

19.11.2020, 08:50

Insbesondere die Welpenerziehung während des Lockdowns im Frühling kam oftmals zu kurz. Zu sehen an etlichen überforderten Junghunden und Hundehaltern. Eine Hundeschule, die Erziehung und kontrollierte Hundekontakte anbietet ist sehr hilfreich und prägt Hunde und Menschen !

Martina

19.11.2020, 08:42

Bei diesem Thema bräuchte es endlich mal ein klares Gesetzt für die Halter und zum Wohl des Tieres. Vorschulen, Tests mit Fähigkeitsausweis für den Halter, damit man ein Hund halten kann und darf. Alles andere sollte verboten werden. Ebenso gibt es Züchter, die Verantwortungslos Welpen in die Welt setzten nur wegen dem Geld. Auch ein wichtiger Punkt: Hunde Schmuggel, meistens aus dem Osten, aber auch Italien ist ein heisses Pflaster. Lasst die Finger davon, wir haben genug Hunde die Hilfe und wirkliche Liebe brauchen und geben können.