Österreich – Lockdown für Ungeimpfte – «Ein Verzweiflungsangriff auf die Bevölkerung»
Aktualisiert

ÖsterreichLockdown für Ungeimpfte – «Ein Verzweiflungsangriff auf die Bevölkerung»

In Österreich wurden am Freitag die Corona-Massnahmen verschärft. Unter anderem sollen Ungeimpfte in den Lockdown, wenn Intensivbetten knapp werden. Das sorgt für heftige Kritik.

von
Jonas Bucher
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Österreich kämpft mit steigenden Corona-Zahlen.

Österreich kämpft mit steigenden Corona-Zahlen.

REUTERS
Entscheidend für neue Massnahmen ist die Zahl der Intensivbetten.

Entscheidend für neue Massnahmen ist die Zahl der Intensivbetten.

20min/Marvin Ancian
Das kündigte der österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg am Freitag an.

Das kündigte der österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg am Freitag an.

Eric Herchaft/BELGA/Pool/dpa

Darum gehts

  • Österreich verschärft die Corona-Regeln für Ungeimpfte.

  • Entscheidend dafür ist die Zahl der verfügbaren Intensivbetten.

  • FPÖ-Chef Herbert Kickl kritisiert diese Pläne scharf.

«Das ist ein Verzweiflungsangriff auf die Bevölkerung» – so bezeichnet FPÖ-Obmann Herbert Kickl die Pläne der österreichischen Regierung, Ungeimpfte bei einer drohenden Knappheit der Intensivbetten in einen Lockdown zu schicken. Bundeskanzler Alexander Schallenberg hofft hingegen auf eine starke Signalwirkung dieser Pläne. «Wir sind drauf und dran, in eine Pandemie der ungeschützten Ungeimpften hineinzustolpern», so der Regierungschef am Freitagabend.

Die Regierung in Wien hat einen Stufenplan präsentiert, der für weitere Massnahmen zur Anwendung gezogen werden soll. Aktuell beträgt die Auslastung der Intensivstationen mit Corona-Patientinnen und -Patienten in Österreich mehr als 220 Betten – das sind rund elf Prozent der Gesamtkapazität.

Zahl der Intensivbetten ist für die Massnahmen entscheidend

Als Schwellenwerte für die sogenannten Stufen 4 und 5 wurden eine Auslastung der Intensivbetten von 25 Prozent (500 Betten) bzw. 30 Prozent (600 Betten) samt Verschärfungen bis hin zum Lockdown festgelegt. Sobald 500 Intensivbetten mit Corona-Patientinnen und -Patienten belegt sind, kommt in vielen Bereichen, zum Beispiel in der Gastronomie, die 2G-Regel. Ab 600 belegten Betten gibt es Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte.



«Die Bundesregierung ist mit ihrem Latein am Ende. Jetzt startet sie mit der Vorbereitung einer Schutzhaft für Ungeimpfte einen Verzweiflungsangriff auf die Bevölkerung», teilte FPÖ-Chef Kickl in einem schriftlichen Statement gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) mit. «Das ist ein Schritt, der an die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte erinnert. Mit der angedrohten Freiheitsberaubung sollen die Menschen in der Impffrage erpresst werden», lautet sein heftiger Vorwurf.

Mit Verweis auf den Korruptionsskandal, in dessen Verlauf der vorherige Kanzler Sebastian Kurz von seinem Amt zurückgetreten war, setzt Kickl noch einen drauf: «Was wir hier sehen, ist eine Regierung im Korruptionseck, die offenbar durchdreht.»

«Kickl und seine FPÖ gefährden Menschenleben»

Am Samstag holte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) schliesslich für die Regierung zum Rundumschlag aus, wie heute.at berichtet. «Bei Herbert Kickl wundert mich gar nichts mehr. Mit dem obersten Impfverweigerer des Landes kann man eine Pandemie nicht bekämpfen», wetterte die Politikerin. «Kickl und seine FPÖ sabotieren dauerhaft den Kampf gegen die Pandemie und gefährden damit Menschenleben», so Köstinger.

Aber auch die anderen Oppositionsparteien bekommen ihr Fett weg: «FPÖ, SPÖ und NEOS setzen mit ihren Wortmeldungen gegen die zusätzlichen Schutzmassnahmen die unsägliche Allianz gegen die Bundesregierung fort, für deren Umsetzung sie bereit gewesen sind, alle eigenen Prinzipien über Bord zu werfen.» Abschliessend erneuerte sie in einer direkten Botschaft an die Wähler ihren Impfappell: «Eine Impfung bietet den bestmöglichen Schutz, den man sich in einer Pandemie vorstellen kann. Sie reduziert das Risiko von schweren Verläufen und damit auch die Wahrscheinlichkeit, sich in Spitalbehandlung begeben zu müssen. Jeder, der sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen vor den gesundheitlichen Folgen dieser Pandemie.»

Lockdown bereits im November?

Aktuelle Prognosen gehen von einem deutlichen Anstieg der 7-Tages-Inzidenz aus. Dies würde sich auch auf die Auslastung der Intensivbetten auswirken. Bereits am 3. November könnte laut «Kurier» das Bundesland Niederösterreich mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, die Bundesländer Salzburg und Vorarlberg mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent und Wien mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent den Schwellenwert von 30 Prozent überschreiten.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143


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