Aktualisiert 23.05.2020 10:57

Dominic Cummings

Lockdown-Regeln gebrochen? Johnson-Berater droht Rauswurf

Boris Johnsons Berater Dominic Cummings soll trotz Lockdown seine Eltern besucht haben. Er war zu dieser Zeit nach Regierungsangaben selbst mit dem Coronavirus infiziert.

von
Katja Fässler
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Domminic Cummings hatte nach Angaben der Regierung Covid-19.

Domminic Cummings hatte nach Angaben der Regierung Covid-19.

keystone-sda.ch
Trotzdem besuchte er Ende März seine Eltern in der nordostenglischen Grafschaft Durham.

Trotzdem besuchte er Ende März seine Eltern in der nordostenglischen Grafschaft Durham.

REUTERS
Nur rund eine Woche vorher hatte die Regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Auflagen mit Blick auf die Bewegungsfreiheit erlassen.

Nur rund eine Woche vorher hatte die Regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Auflagen mit Blick auf die Bewegungsfreiheit erlassen.

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Johnsons Berater Dominic Cummings hatte Covid-19.
  • Trotz Krankheit und Lockdown soll er seine Eltern besucht haben, wie britische Medien berichten.
  • Nun werden Rufe nach dem Rauswurf des Wahlkampfstrategen laut.

Nach Berichten über einen Bruch der Lockdown-Regeln durch den wichtigsten Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, werden die Rufe nach einem Rauswurf des Wahlkampfstrategen lauter.

Wie der «Guardian» und der «Daily Mirror» am Freitagabend berichteten, reiste Cummings Ende März von London in die rund 430 Kilometer entfernte nordostenglische Grafschaft Durham zu seinen Eltern. Damals hatte er nach Angaben der Regierung selbst Symptome von Covid-19.

Nur rund eine Woche vorher hatte die Regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Auflagen mit Blick auf die Bewegungsfreiheit erlassen. Das Reisen war mit Ausnahme dringender Gründe nicht erlaubt. Wer Symptome aufweist, muss zudem sieben Tage in Selbstisolation verbringen.

Ein Regierungssprecher wollte sich zu den Berichten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht äussern. Wie die BBC-Reporterin Laura Kuenssberg aus dem Umfeld Cummings erfahren haben will, hatte sich der Regierungsberater mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn für die Selbstisolation in einem separaten Gebäude auf dem Hof seiner Eltern einquartiert. Seine Schwester habe angeboten, bei der Kinderbetreuung auszuhelfen, da sowohl Cummings selbst als auch seine Frau an Covid-19-Symptomen gelitten hätten.

«Volkommen unhaltbar»

Harsche Kritik kam von der Opposition. «Die Position Dominic Cummings' ist vollkommen unhaltbar – er muss zurücktreten oder rausfliegen», sagte der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei SNP im britischen Parlament, Ian Blackford. Der konservative Regierungschef habe nun ernste Fragen zu beantworten, so Blackford am Samstag auf Twitter.

Die Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq sagte dem «Guardian», die Regierung müsse nun rasch Erklärungen liefern. «Die britische Öffentlichkeit erwartet nicht, dass das es eine Regel für sie gibt und eine andere für Dominic Cummings», sagte die Abgeordnete.

Cummings wurde den Berichten zufolge in Durham von einem Anwohner gesehen und bei der Polizei angezeigt. Die Polizei bestätigte laut britischer Nachrichtenagentur PA, am 31. März eine entsprechende Anzeige erhalten zu haben, ohne jedoch einen Namen zu nennen. Die Besitzer der fraglichen Adresse seien von Beamten angesprochen und an die Ausgangsbeschränkungen und die Regeln zur Selbstisolation erinnert worden, hiess es.

Erst Anfang Mai hatte der renommierte Wissenschaftler Neil Ferguson vom Imperial College seinen Posten als Regierungsberater aufgeben müssen, weil er während des Lockdowns Besuch von seiner Freundin erhielt. Auch die oberste medizinische Beraterin der schottischen Regierung, Catherine Calderwood, hatte sich über die eigenen Regeln hinweggesetzt und ihren Hut genommen.

Quarantäne für Reisende aus dem Ausland

Grossbritannien führt ab dem 8. Juni eine verpflichtende 14-tägige Quarantäne für nahezu alle Reisende aus dem Ausland ein. Wer sich nicht daran halte, müsse mit einer Strafe in Höhe von 1000 Pfund rechnen, sagt Innenministerin Priti Patel. «Jetzt, da wir den Höhepunkt dieses Virus' überschritten haben, müssen wir Massnahmen ergreifen, die vor einem Wiederaufleben dieser tödlichen Krankheit durch importierte Fälle schützen.» Ausgenommen von der Quarantänevorschrift würden unter anderem Arbeiter im Frachtverkehr, medizinisches Personal, das zur Unterstützung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie einreise, und Reisende aus Irland.

(SDA)
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11 Kommentare
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Anna

24.05.2020, 09:30

Das Fragezeichen könnt ihr weglassen, er HAT sie gebrochen. Zudem ist er fröhlich rumgereist und hat Ausflüge gemacht, obwohl wer positiv auf COVID-19 getestet worden war. Die Gegend, wo er hinreiste, ist eine der ärmeren in England und das Gesundheitswesen dort ist auch zu normalen Zeiten überlastet. Was für ein egoistisches A****loch.

Urs

24.05.2020, 06:57

Die ganze Regierungsclique von Grossbritannien muss zurücktreten. Wer Blut an den Händen gehört nicht an die Spitze, in keinem Land

glaube es wer wolle

23.05.2020, 14:09

Johnson Berater? Das wundert mich nicht.. so wie BoJo sich anfangs verhielt, kein Deut besser als Trump. Doch was wissen wir als Dritte nicht alles Unwahres aus den Medien.