Aktualisiert 01.04.2020 10:02

Stress im Corona-Alltag

Lockdown überfordert Jugendliche und Eltern

Der Corona-Alltag stellt Familien vor Probleme. Bei Schweizer Sorgentelefonen laufen die Drähte heiss.

von
cho
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Jugendliche in der Schweiz leiden unter den aktuellen Massnahmen der Corona-Krise. Das sagt die Stiftung Pro Juventute.

Jugendliche in der Schweiz leiden unter den aktuellen Massnahmen der Corona-Krise. Das sagt die Stiftung Pro Juventute.

Fizkes
Die Jungen seien derzeit zu Hause und von ihrem Freundeskreis isoliert.

Die Jungen seien derzeit zu Hause und von ihrem Freundeskreis isoliert.

Katarzynabialasiewicz
Konflikten könnten sie daheim nicht mehr einfach aus dem Weg gehen.

Konflikten könnten sie daheim nicht mehr einfach aus dem Weg gehen.

Fizkes

Die Zahl der Anrufe beim Hilfsangebot 147.ch von Pro Juventute ist seit dem Lockdown deutlich angestiegen. Jugendliche würden unter der Corona-Isolation leiden, sagt 147.ch-Beraterin Petra Schneider. Zudem meldeten sich derzeit noch mehr Jugendliche mit schwerwiegenden persönlichen Problemen. «Junge, die bereits vor der Pandemie Probleme hatten, kämpfen jetzt wegen der Isolation noch mehr und fühlen sich noch mehr von der Aussenwelt abgeschnitten», sagt Schneider.

Isoliert von Freunden, Stress zu Hause, Angst vor der Zukunft: Junge leiden unter der Corona-Situation. Gehörst auch du dazu? Erzähl 20 Minuten im Kommentarfeld, was dich bedrückt.

20 Prozent Zunahme bei Eltern

Aber nicht nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist seit dem Corona-Lockdown das Informations- und Mitteilungsbedürfnis gewachsen. Schneider, die auch bei der Elternberatung tätig ist, erklärt: «Bei den Eltern verzeichnen wir eine Zunahme von 20 Prozent.» Dort gehe es meist um konkrete Probleme, etwa wer nun auf die Kinder aufpassen solle, wenn die Grosseltern nicht mehr dürfen. «Eltern sorgen sich aber auch, weil ihre Kinder sich nicht an die Massnahmen des Bundes halten und ihre Freunde weiterhin treffen.»

Weil Eltern und Kinder nun meist den ganzen Tag zu Hause verbringen, könne es zu Reibereien kommen. «Es ist normal, dass es derzeit zu etwas mehr Alltagsscherereien kommt», sagt Psychologin Schneider. Es brauche zurzeit viele Absprachen. Erwartungen etwa müssten klar kommuniziert und besprochen werden: «Auch die Tagesstruktur sollte geklärt werden. Wer steht wann auf, wann wird das Mittagessen eingenommen. Eltern sollten mit ihren Kindern prüfen, wie sie ihren Tag gestalten wollen.»

Positives aus der Krisenzeit

Auch wenn die derzeitige Lage schwer sei, könnten Familien etwas Gutes daraus mitnehmen. «Alle haben mehr Zeit füreinander. Die ganze Familie kann jetzt mehr gemeinsam reden und mehr zusammen machen», sagt Schneider. Das müsse sich anfangs etwas einpendeln, aber wenn die Struktur und die Kommunikation erst einmal funktionierten, «dann profitiert jedes einzelne Familienmitglied davon – auch in Zukunft».

Wer Probleme hat, solle sich unbedingt bei 147.ch, der Elternberatung oder sonst einer Beratungs-Hotline melden. «Wir haben für alle ein offenes Ohr», sagt Schneider. Auch Eltern sollten sich nicht genieren, um Hilfe zu bitten: «Es muss nicht alles perfekt laufen.» Die aktuelle Situation sei für alle ganz neu und eine Herausforderung.

Petra Schneider arbeitet seit fünf Jahren als Beraterin bei 147.ch.

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