Verzicht auf Berufungsverfahren: Lockerbie-Attentäter kommt seiner Freilassung näher
Aktualisiert

Verzicht auf BerufungsverfahrenLockerbie-Attentäter kommt seiner Freilassung näher

Der todkranke Lockerbie-Attentäter hat eine Berufung gegen seinen Schuldspruch offiziell zurückgezogen. Ein Gericht in Edinburgh kam dem Wunsch des 57-jährigen Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi nach, den Fall nicht noch einmal aufzurollen.

Wegen des Terroranschlags auf eine Maschine der US- Fluggesellschaft PanAm, bei dem 1988 im schottischen Lockerbie 259 Passagiere und 11 Dorf-Bewohner starben, war der Libyer 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bis Ende August soll über ein Gnadengesuch oder eine Auslieferung des Mannes in seine Heimat entschieden werden.

Al-Megrahi leidet an Prostata-Krebs im Endstadium. Mit seinem Verzicht auf die Berufung hat er eine juristische Hürde für seine Auslieferung nach Libyen aus dem Weg geräumt.

Eine Überstellung in seine Heimat, wo er den Rest der Haft absitzen würde, wäre durch ein noch anhängendes Verfahren in Grossbritannien blockiert worden. Für eine ebenfalls mögliche Begnadigung mit anschliessender Freilassung wäre die Berufung keine Hürde gewesen.

Dass eine Berufung überhaupt möglich war, lag an dem Urteil einer Untersuchungskommission. Diese hatte Zweifel an einigen Beweisen geäussert, die 2001 zur Verurteilung Al-Megrahis geführt hatten.

USA gegen vorzeitige Entlassung

Ein Teil der Angehörigen von britischen Opfern des Terroranschlags hatte auf ein Berufungsverfahren und damit auf neue Informationen zu den Hintergründen des Verbrechen gehofft. Kritische Stimmen hatten sogar gemutmasst, dass auf Al-Megrahi Druck ausgeübt worden sein könnte, um einen neuerlichen Prozess zu verhindern.

Medien hatten zuletzt spekuliert, dass der Libyer noch vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Ende dieser Woche entlassen werden könnte. Schottlands Justizminister Kenny MacAskill hatte klargestellt, einen Entscheid bis Ende August verkünden zu wollen.

Viele Angehörige hatten auf eine mögliche vorzeitige Entlassung entsetzt reagiert. Auch US-Aussenministerin Hillary Clinton und mehrere US-Senatoren hatten gefordert, Al-Megrahi die ganze Strafe für seine Beteiligung an dem Bombenanschlag verbüssen zu lassen.

Libysches Schuldeingeständnis

Wegen seiner tödlichen Krankheit hatte der Attentäter um eine Begnadigung gebeten. Zudem hatte die Regierung Libyens eine Auslieferung des Attentäters beantragt, um ihn dort den Rest seiner Strafe absitzen zu lassen.

Libyen hatte 2003 formell die Schuld für den Tod der 270 Menschen übernommen und Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zugestimmt. Später verlautete aus allerdings Tripolis, man habe die Verantwortung nur übernommen, um ein Ende der UNO-Sanktionen zu erreichen.

(sda)

Deine Meinung