Chaos auf Twitter: «Lockheed» stoppt Waffenlieferungen an die USA, «George Bush» vermisst das Töten von Irakern

Aktualisiert

Chaos auf Twitter«Lockheed» stoppt Waffenlieferungen an die USA, «George Bush» vermisst das Töten von Irakern

Seit der blaue Verifikationshaken für alle User zu kaufen ist, fällt es auf Twitter schwer, echte Accounts von Nachahmern zu unterscheiden. Einige Firmen fuhren dadurch bereits Milliardenverluste ein.

von
Benedikt Hollenstein
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Musk neueste Akquisition Twitter kommt derzeit nicht zur Ruhe. Grund dafür sind vor allem vom Tesla-Chef eingebrachte Änderungen, die es Fake-Accounts erlauben, sich spielend leicht als echte auszugeben.

Musk neueste Akquisition Twitter kommt derzeit nicht zur Ruhe. Grund dafür sind vor allem vom Tesla-Chef eingebrachte Änderungen, die es Fake-Accounts erlauben, sich spielend leicht als echte auszugeben.

REUTERS
So schreibt etwa ein Imitator, der sich als Ex-US-Präsident Bush ausgibt, dass er es vermisse, Iraker zu töten.

So schreibt etwa ein Imitator, der sich als Ex-US-Präsident Bush ausgibt, dass er es vermisse, Iraker zu töten.

Screenshot/Twitter
«Lockheed Martini» kündigt derweil an, wegen Bedenken bezüglich der Verletzung von Menschenrechten vorerst keine Waffen mehr an die USA, Saudiarabien und Israel zu verkaufen.

«Lockheed Martini» kündigt derweil an, wegen Bedenken bezüglich der Verletzung von Menschenrechten vorerst keine Waffen mehr an die USA, Saudiarabien und Israel zu verkaufen.

Screenshot/Twitter

Darum gehts

  • Nach der Einführung des blauen Hakens als Abo-Modell herrscht auf Twitter Chaos.

  • Unzählige Parodieaccounts, nur schwer als solche erkennbar, sorgen mit ihren Tweets für Verunsicherung.

  • Derweil warnte Elon Musk in einem Meeting, dass ein Konkurs des Kurznachrichtendienstes nicht auszuschliessen sei.

Seit der Übernahme durch Elon Musk, die Ende Oktober stattfand, durchlebt Twitter unruhige Zeiten. So sorgten zunächst die teils willkürlich wirkenden Ankündigungen des neuen Chefs intern für grosse Unruhe – Musk kündigte etwa an, mehrere Tausend Mitarbeiter zu entlassen. Auch wer nicht ins Büro zurückkehren will und lieber im Homeoffice arbeitet, soll seinen Hut nehmen müssen, obwohl das Remote-Work-Modell beim Kurznachrichtendienst laut Angaben von Insidern schon vor der Pandemie jahrelang praktiziert wurde.

Jetzt weitet sich die Unsicherheit auf die User, aber auch auf Twitters Werbekunden aus, die für das Überleben der Social-Media-Plattform so essentiell sind. Grund dafür ist ein Vorstoss von Musk. So kündigte der Multimilliardär am 1. November an, dass der blaue Verifikationshaken sofort für alle erhältlich sei – für acht Dollar pro Monat. Vor Musks Übernahme wurden Accounts von öffentlichen Behörden, Politikern und Prominenten mit dem Haken gekennzeichnet, nachdem eine manuelle Überprüfung der Identität erfolgt war.

Börsenwert von Pharmafirma um 16 Milliarden eingebrochen

Mit dem blauen Haken für acht Dollar monatlich hat Musk nun Trollen Tür und Tor geöffnet, im Namen von Unternehmen, Politikern und bekannten Persönlichkeiten kontroverse Nachrichten zu verbreiten und sich als eben jene verifizierten Accounts auszugeben. So verlor beispielsweise die Aktie des Pharmakonzerns Eli Lilly zeitweise 16 Milliarden US-Dollar an Wert, nachdem ein Fake-«Eli Lilly»-Account bekanntgegeben hatte, dass Insulin ab sofort kostenlos sei.

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Doch dies ist längst nicht der einzige Fall. So tweetete etwa der Account @LockheedMartini, der dem Account des US-Rüstungsunternehmens täuschend ähnlich sieht, am Freitag: «Wir werden alle Waffenverkäufe an Saudiarabien, Israel und die Vereinigten Staaten vorerst einstellen, bis die Resultate einer Untersuchung zu von den Ländern begangenen Menschenrechtsverletzungen vorliegen».

«Pepsi» sagt: Cola ist besser

Der Account @Roblox_US, eine Parodie des Twitter-Accounts vom Videospiel, das primär von Kindern gespielt wird, sorgt derweil mit der Ankündigung, im Spiel bald auch die Möglichkeit, Sex zu haben, zu implementieren, für Verunsicherung. @BPDeezNutzz, der sich als Firmen-Account des Ölriesen ausgibt, schreibt am Freitag: «Nur weil wir den Planeten getötet haben, heisst das nicht, dass wir ihn nicht vermissen dürfen».

Auch Privatpersonen sind nicht vor Imitatoren gefeit. So schrieb der Account @GeorgeWBushs, der sich als der ehemalige US-Präsident ausgab, dass er «das Töten von Irakern» vermisse. George Bush befahl damals den Einmarsch von US-Truppen in den Irak unter der Angabe, dass das Land über Massenvernichtungswaffen verfügen würde – ein Vorwurf, der bis heute nie bestätigt werden konnte. Nicht mal Lebensmittelproduzenten kommen unbehelligt davon. So schrieb der Account @PepiCo, der sich als Pepsi ausgab, am Freitag kurz und knapp: «Coke is better» (Coca Cola ist besser).

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