Aktualisiert 10.02.2010 06:32

Webrecherche

Löscht Google iPad-Fotos aus dem Index?

In China liegt der Suchmaschinenanbieter mit der Regierung wegen Hackerangriffen und zensierter Suchtreffer im Clinch. Nun gerät das Unternehmen selbst in die Kritik. Es spricht einiges dafür, dass der Marktführer den Tablet-PC des Apfel-Konzerns bewusst aus seiner Bildersuche aussperrt.

von
Henning Steier

Am 27. Januar hatte Apple-Boss Steve Jobs in San Francisco das iPad präsentiert. Auch wenn das Gerät etliche Mängel hat, wollen viele Surfer den Rechner sehen und sind daher im Netz auf der Suche nach Bildern. Doch wer versucht, mit Googles Bildersuche entsprechende Fotos vom Tablet-PC zu finden, wird scheitern, ergaben Tests 20 Minuten Online. Wie in der obigen Bilderstrecke zu sehen ist, gilt das ebenfalls, wenn man die Homepage Apples durchsucht. Auch google.com muss passen und präsentiert dem Nutzer nur Fotomontagen, welche vor der Keynote des Apple-Chefs im Netz kursierten. Diese werden auch von Googles Konkurrenten bing und Yahoo gefunden. Allerdings zeigen sie überdies bereits auf der ersten Seite PR-Bilder und solche von der Präsentation des Tablet-Computers an. Punktsieger ist dabei Yahoo, weil die Suchmaschine die meisten liefert.

Sperrt Google Apples bewusst aus? Die Frage stellt sich unter anderem, weil es seit einiger Zeit Gerüchte um einen eigenen Tablet-PC des Weltmarktführers der Suchmaschinen gibt. Im Januar kam bing laut den Analysten von Comscore in den USA auf einen Marktanteil von 10,7 Prozent, während Yahoo 17,3 Prozent erreichte und Google mit 65,7 Prozent Platz 1 belegte. «Es ist möglich, dass es bei den Resultaten der Google- Bildersuche zu solchen Vorfällen kommt, denn das Indexieren von Bildern nimmt einige Zeit in Anspruch», sagte ein Google-Sprecher 20 Minuten Online. Wer aber beispielsweise nach offiziellen Fotos der am Montag vorgestellten Digitalkamera Canon EOS 550D sucht, dem präsentiert Google bereits viele. Apple wollte sich nicht äussern.

Android Market holt auf

Apple und Google sind mittlerweile auf vielen IT-Feldern zu ernsthaften Konkurrenten geworden. Im Januar hatte Google mit dem Nexus One ein Smartphone vorgestellt, das erstmals direkt vom Suchmaschinenanbieter verkauft wird. Bislang scheint es allerdings ein Ladenhüter zu sein. Denn laut Berechnungen des US-Mobilfunkdienstleisters Flurry sollen in der ersten Woche nach dem Verkaufsstart gerade mal 20 000 Geräte über den Ladentisch gegangen sein. Hochgerechnet auf einen Monat macht dies 80 000 Stück. Im Vergleich zum iPhone oder dem Motorola Droid ein bescheidener Erfolg. In den ersten vier Wochen wurden rund 600 000 Apple- Smartphones und 525 000 Droids verkauft. Was Applikationen angeht, hat sich Google mit seinem Android Market allerdings zum bislang einzigen ernstzunehmenden Rivalen Apples aufgeschwungen. Für das freie Betriebssystem gibt es mittlerweile über 20 000 Apps. In Apples Angebot sind zwar 140 000 zu finden, die meisten Nutzer dürften aber mit maximal 100 Anwendungen auskommen. So war beispielsweise in einer Studie der Analysten von Appsfire zu lesen, dass 1200 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Nutzer im Durchschnitt 65 Applikationen installiert hatten.

Auge um Auge

Die Türen von Apples App Store blieben für Googles Ortungsdienst Latitude im Sommer 2009 allerdings verschlossen. Google liess allerdings nicht lange auf sich warten und veröffentlichte seinen neuen Service kurzerhand als Web-Anwendung. Google Latitude zeigt Anwendern an, wo sich Freunde und Bekannte gerade befinden. Der Suchmaschinenanbieter teilte mit, Apple habe beim Einstellen der Applikation verlangt, daraus einen Web-Service zu machen. Die Anwender würden den Dienst sonst mit der mitgelieferten Karten-Anwendung - die ebenfalls auf Google Maps basiert - verwechseln.

Laut der Webseite patentlyapple.com hat Apple mittlerweile ein Patent eingereicht, das an Google Latitude erinnert, denn dem Konzept zufolge können Nutzer auch mit diesem Tool anderen Usern mitteilen, wo sie sich gerade befinden. Passenderweise hatte es im Oktober Berichte gegeben, dass Apple bereits im Juli den Kartenanbieter PlaceBase übernommen hatte. Firmengründer Jaron Waldman wurde Chef eines Geo-Teams bei Apple. Computerworld-Blogger Seth Weintraub vermutete schon damals, dass Apple sich dank des Kartenmaterials von PlaceBase von Google Maps befreien will, welches das Unternehmen auf iPhone und iPod touch nutzt. Apple hat sich bislang nicht öffentlich zum Thema geäussert.

Googles Chef verliess Apples Aufsichtsrat

Ende Juli 2009 war bekannt geworden, dass Apple überdies die Applikation für Google Voice aus dem App Store entfernt hatte. Das Angebot ist in der Schweiz noch nicht verfügbar. US-Nutzer können über den webbasierten Dienst bereits unter anderem Gratis-SMS versenden und günstigere Gespräche führen als über etablierte Mobilfunkprovider. Ausserdem ist man über eine Nummer auf mehreren Geräten erreichbar. Apple begründete den Rauswurf damit, dass die Anwendung nur Funktionen biete, welche das iPhone längst habe. Daraufhin hatte Google-Chef Eric Schmidt Anfang August nach knapp drei Jahren Apples Aufsichtsrat verlassen. Schmidt würde sich aus vielen Teilen von Aufsichtsratssitzungen heraushalten müssen, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden. «Darum haben wir gemeinsam entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Eric ist, sein Amt im Apple-Verwaltungsrat niederzulegen», liess sich Apple-Chef Steve Jobs in einer Medienmitteilung zitieren.

iPad mit Mängeln

Mit dem Tablet-PC will der IT-Konzern aus Cupertino nach eigenen Angaben die Lücke zwischen iPhone und MacBook schliessen. Doch der tastaturlose Rechner hat einige Mängel, die bis zum Marktstart der ersten Version, welche im März und ohne 3G zum Kunden kommt, wohl nicht mehr behoben werden dürften:

- Flash wird nicht unterstützt, was unter anderem das Anschauen zahlreicher Videos und animierter Seiten im Browser unmöglich macht.

- Es ist keine Kamera an Bord.

- Das iPad ist nicht multitaskingfähig. Man kann also beispielsweise nicht den Browser im Hintergrund geöffnet lassen, während man eine E-Mail schreibt.

- Das Display hat ein 16:11-Format. Wer viele Web-Videos und Filme schaut, hätte sicherlich gern die 16:9-Variante.

- Das iPad hat lediglich 64 Gigabyte Speicher.

Weitere Informationen rund um das iPad und mögliche Schwachstellen finden Sie hier.

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