Krebs-Prävention: Löst Impfung bei Mädchen Multiple Sklerose aus?
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Krebs-PräventionLöst Impfung bei Mädchen Multiple Sklerose aus?

Die HPV-Impfung sollte eigentlich gegen Gebärmutterhalskrebs schützen. Jessica Mühlethaler ist nach der Impfung an Multiple Sklerose erkrankt. Ein Zufall?

von
vro
Glaubt wegen dem Impstoff Gardasil an Multiple Sklerose erkrankt zu sein: Jessica Mühlethaler

Glaubt wegen dem Impstoff Gardasil an Multiple Sklerose erkrankt zu sein: Jessica Mühlethaler

Gardasil ist ein Impfstoff, der Gebärmutterhalskrebs vorbeugen soll. Bereits ab elf Jahren werden Mädchen damit geimpft, das Bundesamt für Gesundheit wirbt mit einer Kampagne offensiv dafür – bisher wurde bei 200'000 Mädchen die Impfung durchgeführt. Schwere Nebenwirkungen seien sehr selten. Trotzdem wurden Swissmedic 164 Fälle von unerwünschten Nebenwirkungen in Verbindung mit Gardasil gemeldet. 62 Fälle von Nebenwirkungen wurden als schwerwiegend eingestuft, wie die «Rundschau» berichtet.

Auch Jessica Mühlethaler gehört dazu. Nach der Impfung bekam sie unerwartet Sehstörungen. Als sie im Spital ankam, war sie bereits blind. Die Ärzte diagnostizierten bei ihr Multiple Sklerose, eine unheilbare Autoimmunkrankheit. «Es ist schwierig, mit 17 Nein zu sagen. Man vertraut einfach. Im Nachhinein frage ich mich aber: Warum machte ich diese Impfung?», sagt sie im Beitrag.

Gerdasil soll nicht verboten werden

Bei Swissmedic ist Jessicas Fall bekannt. Bei Jessica bestehe zwar ein klarer zeitlicher Zusammenhang mit der Impfung, ob sie die Krankheit tatsächlich verursacht habe, müsse man aber offen lassen. «Wir haben es als möglich beurteilt», so Stoller. Verbieten will man das Medikament jedenfalls nicht. «Wenn man die Gesamtheit der Daten betrachtet, kommen wir nach wie vor zur Bewertung, dass der Nutzen die Risiken deutlich übertrifft», sagt Rudolf Stoller von Swissmedic.

Auch der zuständige Hersteller wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Multiple Sklerose-Fälle auch bei ungeimpften Mädchen dieser Altersgruppe auftreten. Ein gehäuftes Auftreten bei mit Gardasil geimpften Mädchen wurde bisher nicht beobachtet.»

Massive Kritik im Ausland

In anderen Ländern ist Gardasil ähnlich umstritten. In Japan hat das Gesundheitsministerium 2013 beschlossen, die Impfung nicht mehr zu empfehlen. Zuvor waren bei den Behörden mehrere Tausend Meldungen zu Nebenwirkungen eingegangen. In den USA sind bereits 250 Anträge auf Entschädigung eingegangen. Wegen der weltweiten Umstrittenheit des Medikaments Gardasil forderte SVP-Nationalrätin Yvette Estermann bereits im September eine Überprüfung der HPV-Impfung in der Schweiz. Der Bund müsse die möglichen Nebenwirkungen genauer unter die Lupe nehmen.

Der Münchner Kinder- und Jugendarzt Steffen Rabe steht der Impfung skeptisch gegenüber. Es gebe bisher keinen Beweis, dass weltweit auch nur ein Fall von Gebärmutterhalskrebs durch die Impfung verhindert worden wäre. Eine Untersuchung in Australien habe zwar gezeigt, dass sie wirke, jedoch nicht so, wie gedacht. «Sie wirkt, indem sie Genitalwarzen verhindert. Dafür ist sie aber nicht gemacht, nicht erfunden und nicht beworben und nicht bezahlt worden.» Der Erfolg sei deshalb sehr fragwürdig.

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