Pokerverbot: Löst Polizei auch legale Poker-Turniere auf?
Aktualisiert

PokerverbotLöst Polizei auch legale Poker-Turniere auf?

Am Wochenende stürmte die Polizei in Herisau ein Poker-Turnier – zum grossen Erstaunen der Veranstalter. Denn laut Bund ist ein Turnier ohne Einsatz legal.

von
Lukas Mäder
Gegen 30 Polizisten stürmten am Freitag ein sogenanntes Freeroll-Pokerturnier, das laut Spielbankenkommission gar nicht illegal sein soll: Polizeifahrzeuge vor dem Pokerlokal am Ortsrand von Herisau (AR).

Gegen 30 Polizisten stürmten am Freitag ein sogenanntes Freeroll-Pokerturnier, das laut Spielbankenkommission gar nicht illegal sein soll: Polizeifahrzeuge vor dem Pokerlokal am Ortsrand von Herisau (AR).

Am Freitag hat die Spielbankenkommission wieder zugeschlagen: In ihrem Auftrag stürmte die Polizei Appenzell-Ausserrhodens etwa um 20.40 Uhr mit gegen 30 Beamten ein Pokerturnier in Herisau. 41 Personen sassen an vier Tischen, wie der Veranstalter Stefan Allemann gegenüber 20 Minuten Online erzählt. Sie wurden alle fotografiert und befragt – obwohl ihnen keine Strafe droht. Die Teilnahme an Pokerturnieren ist nicht strafbar.

Anders sieht das für die Veranstalter aus. Gegen Stefan Allemann und sein Bruder sei ein Strafverfahren eröffnet worden, wie Polizei-Sprecher Ueli Frischknecht sagt. Denn die Organisation von Pokerturnieren ausserhalb des Familien- und Freundeskreises ist strafbar. Dies wissen auch die Gebrüder Allemann. Sie haben vor zwei Jahren begonnen, in ihrer Freizeit den Pokerclub Gling aufzubauen – ohne damit Gewinn zu machen. Nachdem das Bundesgericht im letzten Mai gewerbsmässige Pokerturniere verboten hatte, konnten die Allemanns das gemietete Lokal nicht mehr finanzieren. Sie haben auf Ende Januar gekündigt und wollten ein letztes Mal pokern – die Polizei machte diesem Vorhaben ein Strich durch die Rechnung.

Hauptpreis für 59 Franken

Das Abschiedsturnier wollten die Veranstalter keineswegs in illegaler Weise durchführen. Sie veranstalteten ein sogenanntes Freeroll-Turnier, bei dem die Pokerspieler keine Teilnahmegebühr bezahlen müssen. Zu gewinnen gab es in Herisau nur Sachpreise – ohne grossen Wert. Der Hauptpreis war ein iPod Shuffle im Wert von 59 Franken. Daneben gab es T-Shirts oder Badetücher zu gewinnen, welche lokale Firmen zur Verfügung gestellt hatten. Der Trick bei solchen Freeroll-Turnieren: Das Gratisspiel gibt es nur im Stehen. Wer sitzen will, bezahlt eine Stuhlgebühr von 20 Franken. Dies kann als verdeckter Turnierbeitrag interpretiert werden, was die Beamten vor Ort offensichtlich taten. Sie beschlagnahmten die Stuhlgebühr von total 780 Franken sowie die Sachpreise.

Doch die Veranstalter konnten nicht davon ausgehen, dass sie etwas Illegales tun. Die Spielbankenkommission ESBK gibt nämlich in einer E-Mail, die 20 Minuten Online vorliegt, grünes Licht für Freeroll-Turniere mit Stuhlgebühr. «Die von Ihnen beschriebenen Freeroll-Pokerturniere (...) stellen in der dargestellten Weise Unterhaltungsspiele dar, weshalb diesbezüglich (...) keine rechtlichen Bedenken bestehen», schrieb Andrea Wolfer, Chefin der Abteilung Untersuchungen bei der ESBK, am 26. November an Marc Horisberger. Vorbehalten seien einzig anderslautende kantonale Bestimmungen. Horisberger veranstaltet im Zürcher Poker Palace ebenfalls solche Turniere, weshalb er bei der ESBK um die entsprechende Rechtsauskunft ersuchte.

«Unsäglich, dass Rechtsunsicherheit bleibt»

Allemann ist vom Vorgehen der Spielbankenkommission erstaunt: «Wir hatten offiziell ein Freeroll ausgeschrieben.» Offensichtlich habe die ESBK schlecht recherchiert, sagt Allemann. «Ich finde das Vorgehen völlig unverhältnismässig.» Unzufrieden ist auch Horisberger. «Warum können die Beamten der ESBK nicht einfach vorbeikommen und sagen, was noch legal ist?», fragt er. Schliesslich wisse die ESBK im Voraus davon. «Ich würde ihnen auch einen Kaffee bezahlen.» Ein solches präventives Vorgehen wäre viel einfacher, sagt Horisberger. «Aber stattdessen bleibt die Rechtsunsicherheit im Raum stehen, das ist unsäglich.» Die Verantwortlichen der Spielbankenkommission waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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