Börse: Löste ein Tippfehler den Crash aus?
Aktualisiert

BörseLöste ein Tippfehler den Crash aus?

Ein M wird zu einem B und der wichtigste Börsenindex stürzt ab: Ein Schreibfehler könnte den grössten Verlust in der Geschichte der Wall Street ausgelöst haben.

War es bloss ein Tippfehler?

War es bloss ein Tippfehler?

Es war möglicherweise nur ein Tippfehler und nicht vor allem die Krise in Griechenland, die am Donnerstag zu einem der turbulentesten Tage in der Geschichte der Wall Street geführt hat. Der Dow Jones Index verlor zwischenzeitlich in weniger als einer halben Stunde fast 1000 Punkte und damit fast einen Zehntel seines Werts durch computerisierte Verkäufe.

Was genau passierte, ist noch unklar. Eine Möglichkeit ist, dass ein Händler Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar statt 16 Millionen Dollar verkaufte. Im Englischen macht nur ein Buchstabe den Unterschied: Billion (Milliarden) statt Million (Millionen). Das löste dann die automatischen Verkäufe aus, die zum Sturz führten.

«Fast vom Stuhl gefallen»

Die US-Börsenaufsicht untersuchte den Fall. Die Technologiebörse Nasdaq teilte zwei Stunden nach Handelsschluss mit, dass alle offensichtlich irrtümlichen Handelsaktionen zwischen 14.40 Uhr und 15.00 Uhr rückgängig gemacht würden. Ein Grund wurde nicht genannt. Auch die Wall Street erklärte, mehrere Transaktionen im elektronischen Handel würden gestrichen.

Er sei bei der dramatischen Talfahrt des Dow Jones Index fast vom Stuhl gefallen, sagte Jack Albin von der Harris Private Bank in Chicago. «Es hat sich angefühlt, als wenn wir die Kontrolle verloren hätten.» Charlie Smith von der Fort Pitt Capital Group erklärte, offensichtlich hätten «einfach die Maschinen übernommen».

Erster Verdächtiger: Griechenland

Die Märkte waren angesichts der Finanzkrise in Griechenland aber ohnehin nervös. Der Dow verlor seit Dienstag 631 Punkte oder 5,7 Prozent. Es waren die grössten Verluste innerhalb von drei Tagen seit März 2009 zum Höhepunkt der Finanzkrise in den USA.

Händler erklärten deshalb den Absturz vom Donnerstag zunächst mit der Sorge von Investoren angesichts der griechischen Schuldenprobleme. Den grössten Ausschlag nach unten gab es nämlich just, als Händler Bilder von neuen Zusammenstössen in Athen sahen, wo das Parlament zuvor das einschneidende Sparprogramm gebilligt hatte.

Einige Wall-Street-Banker fürchten einen Rückzieher der Regierung und den Staatsbankrott Griechenlands. Selbst ohne dies wächst allgemein die Sorge, dass die griechischen Schuldenprobleme die Erholung aus der globalen Rezession stoppen könnten - nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. «Der Markt erkennt nun, dass Griechenland in den nächsten paar Jahren eine Depression durchmachen wird», sagte Peter Boockvar, ein Analyst von Miller Tabak. «Europa ist ein wichtiger Handelspartner von uns, und das bedroht die gesamte globale Wachstums-Story.»

Auch Asien und Europa im Abwärtsstrudel

Investoren hatten sich den Tag über auch enttäuscht gezeigt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) keine zusätzlichen Massnahmen ergriff, um ein Ausweiten der Schuldenkrise Griechenlands auf andere Länder zu vermeiden. Am Donnerstag wurden auch enttäuschende Einzelhandels-Zahlen veröffentlicht.

Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab um 82 Punkte auf 2319 Zähler nach. Der Ölpreis fiel in New York unterdessen auf 77,11 Dollar pro Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit Februar. Die asiatischen Börsen folgen den schlechten Vorgaben aus den USA und schlossen allesamt tiefer. Auch die europäischen Börsen gaben bei Eröffnung bis zu drei Prozent nach. (dapd)

Asiatische Börsen eröffnen mit starken Verlusten

Ob Fehler oder nicht: Nach dem drastischen Kurssturz an der New Yorker Wall Street haben die Börsen in Asien am Freitag mit deutlichen Verlusten eröffnet. In Japan verlor der Nikkei-Index 396,48 Punkte oder 3,7 Prozent auf 10.299,21. Die japanische Notenbank kündigte an, sie werde Handelsbanken zwei Billionen Yen (16,4 Milliarden Euro) für kurzfristige Kredite zur Verfügung stellen, um die Liquidität zu erhöhen. Hintergrund ist auch hier die Unsicherheit über die weitere Entwicklung angesichts der Finanzkrise in Griechenland. Der südkoreanische Index Kospi fiel um 2,9 Prozent auf 1.635,25 Punkte, der australische Leitindex verlor 2,1 Prozent.

Erneute Zusammenstösse in Athen

Die griechische Polizei ist am Donnerstagabend gegen eine Gruppe von Demonstranten vorgegangen, die vor dem Parlament in der Hauptstadt randaliert hatten. Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen einige hundert Jugendliche ein, wie Augenzeugen berichteten. Die Demonstranten hätten zuvor die Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen, hiess es. Zuvor hatten mehr als 10 000 Menschen im Zentrum der Stadt friedlich gegen das vom Parlament gebilligte Sparprogramm der Regierung demonstriert.

Die Abgeordneten hatten mehrheitlich das Gesetzespaket angenommen, das dem hoch verschuldeten Griechenland beispiellose Kredithilfen des IWF und der Euro-Länder sichern soll. (SDA)

EZB verzichtet auf zusätzliche Massnahmen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat entgegen den Erwartungen von Beobachtern keine zusätzlichen Hilfsschritte für Griechenland beschlossen. Der Zentralbankrat habe einen direkten Kauf von Staatsanleihen nicht erörtert, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der turnusmässigen Sitzung, die am Donnerstag in Lissabon stattfand. Die EZB beliess den Leitzins für den Euroraum unverändert auf dem historischen Tiefstand von 1,00 Prozent. (AP)

Deine Meinung