Konjunktur: Logistik-Orakel sagt Aufschwung voraus
Aktualisiert

KonjunkturLogistik-Orakel sagt Aufschwung voraus

Das Transportgeschäft zieht deutlich an. Das ist für die ganze Wirtschaft erfreulich, denn die Logistikbranche ist ein Frühindikator für die Wirtschaft.

von
Othmar Bamert

Zufriedene Gesichter heute morgen an der Medienkonferenz von Kühne&Nagel: Der Logistikkonzern konnte den Umsatz im ersten Quartal 2010 um sieben Prozent erhöhen. Die Transportvolumen in der See- wie Luftfracht nahmen deutlich zu. Positive Zeichen kommen auch vom Transport-Riesen Panalpina. Das weltweit tätige Logistik-Unternehmen befördert sämtliche Güter ausser Rohstoffen. Vor der Präsentation der offiziellen Quartalszahlen in zwei Wochen deutet Mediensprecher Martin Spohn an, dass das Geschäft wieder zulegt: «Auch wenn man sich noch lange nicht auf dem Niveau von vor drei Jahren bewegt, sind die Anzeichen viel besser als noch vor ein paar Monaten».

Investitions- wie Konsumgüter

Michael Foeth, Analyst der Bank Vontobel, bestätigt den internationalen Aufwärtstrend: «Die Frachtvolumen haben generell klar zugelegt». So stieg die weltweite Seefracht in den ersten drei Monaten 2010 um 17 Prozent, und die Luftfracht hob um satte 31 Prozent ab. Die Steigerung betreffe sowohl Investitionsgüter wie Maschinen oder Bauteile für die Petrochemie und auch Autoersatzeile, aber auch Konsumgüter wie Nahrungsmittel und Medikamente.

Das sind gute Neuigkeiten für die Konjunktur. Der Grund: Mehr Transporte bedeuten mehr Aufträge und mehr Nachfrage. Befördern die Logistikunternehmen insgesamt wieder mehr Investitionsgüter, heisst das: Weltweit fleisst wieder mehr Geld in Produktionsanlagen; die Unternehmen glauben an die zukünftige stärkere Nachfrage. Deshalb gilt die Logistikbranche als Konjunktur-Frühindikator. Wenn die Wirtschaft wieder definitiv rattert, versenden die Transporteure dann auch wieder jede Menge Konsumgüter über Wasser, Land und Luft.

«Das Blut im Kreislauf»

Dass sich zurzeit zumindest auf internationaler Ebene genau dies abzeichnet, bestätigt Logistikprofessor Wolfgang Stölzle von der Universität St. Gallen: «Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass der Warenaustausch insgesamt zunimmt.» Und dass – wie bei Kühne & Nagel – sowohl die Bereiche Investitionsgüter wie Konsumgüter beteiligt sind, sei ein äusserst positives Zeichen für die Gesamtwirtschaft, so Stölzle, denn die Logistik sei vergleichbar mit dem Blut im Kreislauf: «Wenn das Blut schneller fliesst, geht es der Wirtschaft besser.»

Vulkanausbruch stört Luftfracht-Geschäft von Kühne&Nagel

Gestört wird namentlich der Transport zwischen Asien und Europa. "Die Fracht bleibt stehen", sagte eine Konzernsprecherin. Kühne+Nagel habe wegen des «Rückstaus» bereits zusätzliche Lagerfläche in Asien mieten müssen. Das Unternehmen versuche auch, die Waren über andere Routen zu transportieren, beispielsweise via Südeuropa.

Analyst Michael Foeth von der Bank Vontobel rechnet mit einer Schmälerung des Reingewinns im 2010 um bis zu 1 Prozent.

(sda)

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