Aktualisiert 24.01.2008 13:39

Lohn ohne Anwesenheit

Die Freundin des wegen der VW-Affäre angeklagten Ex-Managers Klaus-Joachim Gebauer ist offenbar auf dessen Betreiben hin bei der VW-Repräsentanz in Berlin angestellt worden, dort aber niemals zur Arbeit erschienen.

Das sagten am Donnerstag Zeugen im Prozess gegen Gebauer und den Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert vor dem Landgericht Braunschweig aus.

Die Anklage wertet die Anstellung der aus der Ukraine stammenden Frau als Scheinarbeitsverhältnis und wirft Gebauer Anstiftung zum Betrug vor. Gebauers Partnerin wurden den Aussagen zufolge Mitte 2003 von Skoda Deutschland in der Berliner Konzernrepräsentanz von VW angestellt. Ein Kripobeamter berichtete aus der Vernehmung des Ex-Skoda-Personalvorstandes Helmuth Schuster, dass Gebauer Schuster seinerzeit um eine Anstellung seiner Freundin gebeten habe. Die Ukrainerin habe Schuster zufolge seinerzeit Probleme mit ihrer Aufenthaltsgenehmigung gehabt, erklärte der Zeuge.

Nach Aussage des ehemaligen Geschäftsführers von Skoda Deutschland erhielt Gebauers Freundin gut eineinhalb Jahre lang als Halbtagskraft ein Entgelt von 1.900 Euro. Die Staatsanwaltschaft Berlin stellte ein Ermittlungsverfahren wegen angeblicher Zahlungen ohne Arbeitsleistung zwar Ende vergangenen Jahres ein. Nach Angaben eines Gerichtssprechers ist diese Entscheidung für das Braunschweiger Gericht jedoch nicht bindend.

Ihren Schlüssel für die Berliner Konzernrepräsentanz habe die neue Skoda-Angestellte drei Monaten nach ihrer Anstellung wieder abgegeben, berichtete die Leiterin der Berliner Volkswagen-Repräsentanz. Man habe seinerzeit täglich auf das Eintreffen der neuen Mitarbeiterin gewartet, sie aber nie gesehen, sagte die Zeugin.

Keine Vernehmung der Oberstaatsanwältin

Die Wirtschaftsstrafkammer lehnte am zehnten Verhandlungstag einen Antrag der Verteidigung von Ex-Betriebsratschefs Volkert auf Vernehmung der ermittelnden Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff ab. Eine Vernehmung von Wolff zu deren Kontakten mit der Presse sei «aus tatsächlichen Gründen ohne Bedeutung», sagte die Kammervorsitzende Gerstin Dreyer. Zwar könne eine öffentliche Vorverurteilung des Angeklagten für die Strafzumessung von Bedeutung sein. Die Kammer sei sich aber ohnehin klar, «dass solche Dinge zu berücksichtigen sind».

Volkert ist wegen Anstiftung zur Untreue in insgesamt 48 Fällen und Verstössen gegen das Betriebsverfassungsgesetz angeklagt. Der ehemaligen Personalmanager Gebauer steht wegen Untreue in 40 Fällen und Anstiftung zum Betrug vor Gericht. (dapd)

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