Swiss: «Lohnerhöhung für Piloten ist eine Frechheit – die haben so viele Spesen»

Aktualisiert

Swiss«Lohnerhöhung für Piloten ist eine Frechheit – die haben so viele Spesen»

Dass Pilotinnen und Piloten der Swiss ab nächstem Jahr mehr verdienen, kommt nicht bei allen Lesern und Leserinnen gut an.

von
Deborah Gonzalez
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Pilotinnen und Piloten, die bei Swiss arbeiten, erhalten nächstes Jahr zwei Prozent Teuerungsausgleich und 2,3 Prozent mehr Lohn. Ihr Salär steigt damit 2023 um 4,3 Prozent.

Pilotinnen und Piloten, die bei Swiss arbeiten, erhalten nächstes Jahr zwei Prozent Teuerungsausgleich und 2,3 Prozent mehr Lohn. Ihr Salär steigt damit 2023 um 4,3 Prozent.

20min/Celia Nogler
Mit dem neuen Gesamtarbeitsvertrag hat es die Fluggesellschaft geschafft, einen Streik zu verhindern. Dafür mussten beide Parteien Kompromisse eingehen.

Mit dem neuen Gesamtarbeitsvertrag hat es die Fluggesellschaft geschafft, einen Streik zu verhindern. Dafür mussten beide Parteien Kompromisse eingehen.

20min/Celia Nogler
Vor nicht mal einem Monat demonstrierten die Pilotinnen und Piloten noch für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn.

Vor nicht mal einem Monat demonstrierten die Pilotinnen und Piloten noch für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn.

20min/Anna Bila

Darum gehts

Die grösste Angst von Urlaubern und Urlauberinnen ist, dass Arbeitende einer Fluggesellschaft spontan Streik ausrufen. Auch diesmal war das Personal der Swiss kurz davor. Doch das konnte in diesem speziellen Fall verhindert werden, weil die Lohnverhandlungen der Piloten und Pilotinnen mit Swiss Früchte getragen haben: Sie verdienen ab nächstem Jahr 4,3 Prozent mehr. Eine Entscheidung, die bei der 20-Minuten-Community für viel Gesprächsstoff sorgt. Die einen finden die Lohnerhöhung mehr als gerechtfertigt, andere viel zu übertrieben.

«Ich möchte die Verantwortung nicht haben»

Leser 5tron5 schreibt, dass es ihn nicht störe, wenn Piloten gut bezahlt würden, weil es genug Berufe gebe, «bei denen man weniger leisten muss und mehr verdient». Ausserdem: «Für die Verantwortung, die sie tragen, ist das nicht unbedingt viel. Wenn ich das mit einem Anwaltsgehalt vergleiche, ist das ein Hungerlohn.» 

Ähnlich sieht es DerFachmann: «Für die Verantwortung, die Piloten haben, ist das klar zu wenig.» Azbinden hingegen findet: «Dass die Piloten jetzt mehr verdienen, ist super, denn die Verantwortung, die sie für so viele Fluggäste haben, ist hoch. Ich möchte sie nicht tragen.»

«Piloten müssen für ihre Verantwortung bezahlt werden»

Auch Nico-laus weist auf die Verantwortung der Piloten und Pilotinnen hin: «Wenn sie nicht nur für deren Arbeit, sondern auch für die Verantwortung bezahlt werden sollten, dann wäre ein Anfangslohn von 10’000 Franken gerechtfertigt. Immerhin verantworten sie in dem Moment das Leben von 200 bis 300 Passagieren und ein Fluggerät, welches weit über 100 Millionen kostet.»

Ein weiterer Leser, der angibt, mal Pilot gewesen zu sein, schreibt: «Ich war einfach froh, überhaupt einen Job zu bekommen, weil es viele Piloten gibt. Ich war bei einer anderen Airline und im Vergleich zur Swiss hatte ich einen Hungerlohn.» Weiter fordert er: «Piloten sollten mindestens 500k im Jahr verdienen. Auch weil man sehr schnell untauglich wird. Kaum hat man Probleme mit den Augen, ist man arbeitslos – das kann sehr schnell gehen.»

Findest du die Lohnerhöhung gerechtfertigt?

Hustinettenbär nennt das Geld als Motivation: «Wenn ich als Passagier 10'000 Meter in der Luft bin, habe ich lieber einen motivierten, konzentrierten Piloten, der selber mitdenkt, als einen, der sich genervt mit seinem Co-Piloten über niedrige Löhne unterhält. Deshalb ist es richtig, dass Piloten mehr verdienen!»

«Was ist mit den Spesen?»

Doch nicht alle finden die Lohnerhöhung berechtigt. Pegku etwa fragt sich: «Die Piloten haben sowieso mehr als den halben Monat frei, was wollen die denn noch alles?» Ähnlich argumentiert Peterliweissauchnochwas: «Was ist mit den hohen Spesen bei Aufenthalten?» Der gleichen Meinung ist auch Sue-A: «Bei den ganzen Lohnsummen gehen die sehr hohen Spesen ganz vergessen. Die machen bis zu einem Drittel zusätzlich zur Lohnsumme aus.»

DerNarristderMasstabderWeisen geht noch weiter: «Das ist Jammern auf hohem Niveau.» Er schreibt: «Flugzeuge waren noch nie so einfach zu fliegen verglichen zu früher. Da war Fliegen noch Handwerkskunst – heute ist es eine fliegende Playstation.» Er sei sich nicht sicher, ob ein Pilot heute ohne GPS den Weg wirklich finden würde.

«Man honoriert nur das Risiko eines Absturzes»

Auch MarkisMark spricht über den «leichten Job», den Piloten seiner Meinung nach, heute haben: «Sie müssen eigentlich kaum noch was machen. Der PC übernimmt alles und im Notfall gibt es konkrete Vorgaben, was zu tun ist.» Und weiter: «Eigentlich honoriert man nur noch das Risiko eines Absturzes, aber statistisch gesehen, ist Fliegen viel sicherer als Autofahren.»

Ein weiterer Leser nennt dieselben Gründe wie MarkisMark und nennt die Lohnerhöhung eine «Frechheit». Bani2022 spricht von einer «unfairen Entscheidung» und vergleicht den Beruf mit einem anderen: «Ein Busfahrer hat genauso viel Verantwortung und verdient sehr viel weniger.»

«Die Flugpreise müssten erhöht werden»

Es gibt aber auch Leser und Leserinnen in der Community, die das Problem wo anders sehen. So auch Bergpur: «Das Fliegen ist viel zu billig. Wenn eine Familie mit vier Kindern in den Urlaub fliegen kann, sagt das schon alles.» Sein Lösungsvorschlag: «Man müsste die Flugpreise um 10-15 Prozent erhöhen. Das Flugpersonal kann damit anständig entlohnt werden und die Riesenschlangen an den Eincheckschaltern werden spürbar kleiner.»

Auch Bennyvs weist auf ein weiteres Problem hin: «Ich mache mir mehr Sorgen wegen der Arbeitszeiten. Ich frage mich, ob man sicher fliegen kann, wenn man als Pilot schon fünf Tage im Dauereinsatz ist…»

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