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Lieber Phil GeldLohnfortzahlung auch bei Arbeit auf Abruf?

Deborah (43) versteht die Welt nicht mehr. Sie kam dem Chef mit zusätzlichen Arbeitstagen entgegen. Bei der Berechnung der Krankheitstage stellt er sich aber stur.

Während einer Ausstellung sind Mitarbeitende oft sieben Tage ohne Unterbruch im Dienst.

Während einer Ausstellung sind Mitarbeitende oft sieben Tage ohne Unterbruch im Dienst.

Lieber Phil Geld

In der Regel arbeite ich drei bis vier Tage pro Woche. Nun sollte ich während vier Wochen im Rahmen einer Ausstellung fünf bis sieben Tage pro Woche arbeiten. Doch leider war ich in dieser Zeit krank und fehlte immer wieder ein paar Tage. Nun will mein Chef nur jene Kranheitstage anrechnen, an denen ich sowieso immer arbeiten würde. Ist das rechtens?

Liebe Debora

Angestellte, die wegen Krankheit nicht arbeiten können, haben – unabhängig von ihrem Pensum – Anspruch auf Lohnfortzahlung. Voraussetzung ist einzig, dass das Arbeitsverhältnis mindestens drei Monate gedauert hat. Das gilt also auch für die Lohnfortzahlung bei einer Arbeit auf Abruf, so wie dein Arbeitsverhältnis letztlich interpretiert werden muss.

Ein Bundesgerichtsentscheid (BGE 124 III, 249) hält fest, dass die Abrufbereitschaft zu entschädigen ist, wenn die Mitarbeitenden verpflichtet sind, dem Einsatz Folge zu leisten. Wo regelmässig auf Abruf gearbeitet wird, wird der Abrufvertrag zum normalen Teilzeitvertrag mit Anrecht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, aber auch zur Verpflichtung, das Pensum einzuhalten. Die Lohnfortzahlung dauert so lange der Arbeitseinsatz vereinbart ist. Im ersten Dienstjahr sind allerdings nur gerade drei Wochen Krankenlohn geschuldet.

Im Übrigen sind auch mündliche Arbeitsverträge gültig. Spätestens nach einem Monat sollten aber einige minimale Punkte festgehalten werden, wie die Beschreibung und der Arbeit, der Lohn und die Lohnzuschläge sowie die Wochenarbeitszeit.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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