Aktualisiert 19.11.2007 20:32

Lohnstreit: Man redet wieder miteinander

In den Lohnstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL kommt wieder Bewegung. Konzernchef Hartmut Mehdorn und der GDL-Vorsitzende Manfred Schell trafen sich mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee.

Die Gespräche zwischen beiden Seiten seien damit wieder in Gang gekommen, und sollen an diesem Dienstag fortgesetzt werden, sagte Tiefensee am Montagabend. Mehdorn habe zugesagt, bei dem Treffen an einem geheimen Ort ein neues Angebot vorzulegen.

Ziel sei, eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen, die es der GDL ermögliche, weitere Streiks auszusetzen. Er sei «sehr, sehr vorsichtig optimistisch», dass es möglich sein könnte, eine solide Basis für den Beginn von Verhandlungen zu finden, sagte Tiefensee.

Grundlage der Gespräche sei das Kompromisspapier der Vermittler Heiner Geissler und Kurt Biedenkopf, das einen Rahmen für einen eigenen Tarifvertrag innerhalb eines einheitlichen Tarifwerkes im Konzern vorzeichne. Zudem dürften die Konditionen für alle Beschäftigten auf den Prüfstand kommen.

Zugeständnisse von beiden Seiten nötig

Tiefensee fügte hinzu: «Herr Schell ist gebeten, das Gefüge insgesamt zu sehen.» Mehdorn sei aufgefordert, ein tragfähiges Angebot zu machen, sagte der Minister, der am Gespräch am Dienstag nicht teilnimmt.

Beide Seiten müssten sich bewegen, forderte Tiefensee. Ein endgültiges Ergebnis sei am Dienstag noch nicht zu erwarten.

Mehdorn und Schell hatten sich zuvor schon auf das Spitzentreffen verständigt. Der GDL-Vorsitzende sagte: «Unser Ziel ist es, den Tarifkonflikt zu befrieden.» Klar sei aber, dass es auf Basis des bisherigen Angebots keine Verhandlungen geben könne. Ein neuer Streik sei bis einschliesslich Dienstag ausgeschlossen.

Andere Gewerkschaften wollen mitreden

Die Bahn wollte nicht näher Stellung nehmen. Nicht an den Gesprächen teilnehmen wird die grösste Bahngewerkschaft Transnet. Transnet-Chef Norbert Hansen sagte, das Ergebnis für die Lokführer werde bei den übrigen Beschäftigten eine Erwartungshaltung hervorrufen.

Transnet und die Gewerkschaft GDBA regten zugleich ein gemeinsames Vorgehen mit der GDL an. Sie schlugen vor, dass die GDL das von Transnet und GDBA mit der Bahn bereits im Sommer vereinbarte Einkommensplus von 4,5 Prozent übernehmen könnte.

Für die GDL folge daraus bis zum 29. Februar 2008 eine Friedenspflicht, die Streiks verbietet. Bis dahin sollen alle drei Gewerkschaften mit der Bahn über ein besseres Lohnsystem verhandeln. Bisher verlangt die GDL einen eigenen Gesamtarbeitsverstrag und mindestens 10 Prozent mehr Lohn.

Die GDL hatte in der vergangenen Woche mit den grössten Streiks in der Geschichte der Deutschen Bahn grosse Teile des Güter-, Personen- und Nahverkehrs stillgelegt. Der Ausstand von Mittwochmittag bis Samstagmorgen verursachte einen Millionenschaden. Die Gewerkschaft drohte zudem mit unbefristeten Streiks.

(sda)

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