Aktualisiert 17.07.2018 16:03

«Chaos und Intransparenz»

Lohnsystem verunsichert Staatspersonal

Der Kanton St. Gallen ist dabei, ein neues Lohnmodell einzuführen. Das leistungsorientierte System sorgt für Unruhe unter den Angestellten.

Die St.Galler Kantonsverwaltung: Ein neues Lohnsystem sogt für Verunsicherung beim Staatspersonal.

Die St.Galler Kantonsverwaltung: Ein neues Lohnsystem sogt für Verunsicherung beim Staatspersonal.

«Chaos und Intransparenz: Müssen wir uns das gefallen lassen?», heisst es auf der Einladung des VPOD-Ostschweiz zu zwei Terminen für Personalversammlungen ab Mitte August. Und: «Zeigen wir unseren Unmut über das Vorgehen und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen!» Anlass ist die Einführung des neuen Lohnsystems, abgekürzt Nelo, in der Staatsverwaltung. Der Prozess dazu läuft schon länger. Seit März wissen nun alle Staatsangestellten, wie sie persönlich davon betroffen sind. Änderungen treten 2019 oder teilweise auch erst 2022 in Kraft.

Zweifel am Verfahren

Ziel des neuen Lohnsystems seien einheitliche Kriterien und mehr Gerechtigkeit, schreibt der VPOD auf der Einladung. Das Verfahren lasse aber Zweifel aufkommen. Die Zuteilung der Referenzfunktion und die Mitteilung des neuen Lohns hätten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verunsichert. Man wolle nun darüber diskutieren, «wie Betroffene zu ihrem Recht kommen».

Nelo war auch schon Thema in einem Vorstoss aus dem Parlament, eingereicht von drei SP-Kantonsrätinnen.

Die flächendeckende Einführung eines neue Lohnsystems sei «zweifellos ein personalpolitisch schwieriges Unterfangen», heisst es darin. Rückstufungen und Lohnkürzungen, aber auch neue Stellenbeschreibungen oder düstere Aussichten in Bezug auf die künftige Lohnentwicklung könnten «als verminderte Wertschätzung» angesehen zu werden. Es sei Aufgabe der Regierung, «eine angemessene Kommunikation und die notwendige Sensibilität an den Tag zu legen».

Verständliche Verunsicherung

Die Regierung hat den Vorstoss anfangs Juli beantwortet. Es sei verständlich, dass die Einführung des neuen Lohnsystems auch Verunsicherung hervorrufen könne, schreibt sie dazu. Die Umsetzung verlaufe indessen planmässig. Bisher sei eine eigenständige Personalbefragung zu Nelo nicht vorgesehen, heisst es weiter. «Dieser Aspekt» könne aber für die nächste ordentliche Personalbefragung im Herbst 2019 vorgemerkt werden.

Thema im Vorstoss waren auch die Rechtsmittel, mit denen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen eine von ihnen als ungerechtfertigt empfundene Einstufung zur Wehr setzen könnten. Die Regierung stellte klar, dass die Nelo-Zuordnungen nicht mit einem Rechtsmittel angefochten werden könnten. Auch Wiedererwägungen seien nicht möglich. Formell denkbar sei eine personalrechtliche Klage nach einem Schlichtungsverfahren, heisst es in der Antwort. (sda)

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