Batman-Killer: «Lohnt es sich wirklich, ihn hinzurichten?»
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Batman-Killer«Lohnt es sich wirklich, ihn hinzurichten?»

James Holmes muss mit der Hinrichtung rechnen. Zu Recht, wie viele Amerikaner finden. Doch ausgerechnet der Fall des Batman-Killers stellt den Sinn der Todesstrafe infrage.

von
kri

Selbst Gegnern der Todesstrafe dürfte es schwerfallen, Gründe für mildere Bestrafung für James Holmes zu finden. Der 25-jährige Amerikaner lief im Juli 2012 Amok und erschoss in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado kaltblütig 12 Personen, die sich die Premiere des neuen Batman-Films ansahen. Reue zeigt er keine, im Gegenteil: Zum Prozessauftakt erschien er in Anlehnung an Batman-Gegenspieler «Joker» mit orange gefärbten Haaren.

Die Staatsanwaltschaft von Colorado fordert für den mutmasslichen Täter folgerichtig die Todesstrafe: «Für James Eagan Holmes bedeutet Gerechtigkeit den Tod», verkündete George Brauchler am Montag wenige Minuten nach Beginn der Anhörung. Die Justiz in Colorado ist sonst zurückhaltend, der Staat hat seit 1997 niemanden mehr hingerichtet. Doch für welche Verbrechen soll die Höchststrafe herhalten, wenn nicht für das Kino-Massaker von Aurora? Ein klarer Fall – müsste man meinen.

Jahrelanges Verfahren mit ungewissem Ausgang

Doch seit klar ist, dass Holmes mit dem Leben für sein unsägliches Verbrechen bezahlen soll, wird genau daran Kritik laut. Die «Denver Post», die grösste Zeitung der Region, lässt in einem Kommentar kein gutes Haar an dem Entscheid: Die Staatsanwaltschaft hätte auf das Angebot der Verteidigung eingehen sollen, wonach der Angeklagte sich schuldig bekannt und den Rest seines Lebens im Gefängnis ohne Aussicht auf Bewährung verbracht hätte. Im Gegenzug wäre ihm die Todesstrafe erspart geblieben.

Todesstrafe für Batman-Killer gefordert

Hätten sich die Parteien geeinigt, wäre die Sache erledigt gewesen. Holmes wäre per sofort hinter Gitter gewandert und irgendwann in Haft gestorben. Der «Joker» hätte keine öffentlichen Auftritte mehr gehabt und die grausigen Details seiner Bluttat wären nicht zum x-ten Mal aufgearbeitet worden. Die Angehörigen hätten eine Chance bekommen, «abzuschliessen», ihren Kummer zu überwinden und mit ihrem Leben fortzufahren.

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Stattdessen droht nun ein jahrelanges Verfahren. Sollte Holmes von sämtlichen Rekursmöglichkeiten Gebrauch machen, könnte sich der Prozess bis in die 2030er Jahre hinziehen. Der Ausgang wäre zudem ungewiss: Wird dem Antrag der Verteidigung stattgegeben und Holmes für unzurechnungsfähig erklärt, kann er weder hingerichtet noch ins Gefängnis gesteckt werden. Er käme in eine geschlossene psychiatrische Anstalt und hätte das Recht auf eine periodische Neubeurteilung seines Zustands. Irgendwann wäre sogar eine Entlassung denkbar.

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Vor wenigen Jahren noch undenkbar

Auch die Zeitung «The Durango Herald», traditionell kein Gegner der Todesstrafe, kritisierte den Entscheid, alles auf eine Karte zu setzen. «Für Holmes bedeute Gerechtigkeit den Tod, sagt die Staatsanwaltschaft. Das mag stimmen. Die wichtigere Frage wäre hingegen, was Gerechtigkeit für die Angehörigen und die Menschen in Colorado bedeutet», heisst es in einem Kommentar. Dem Staat fehle es an Geld für den Unterhalt von Schulen, Parks und Strassen. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob die Hinrichtung von Holmes die Kosten in Millionenhöhe rechtfertige.

Der mutmassliche Attentäter vor Gericht

Das US-Magazin «The Atlantic» glaubt, in den beiden Zeitungskommentaren eine weitere Verschiebung in der Haltung der Amerikaner zur Todesstrafe zu erkennen. Sie wären noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. Dass zwei Mainstream-Publikation sich in einem solchen Fall unmissverständlich gegen die Todesstrafe aussprechen, zeige, dass sie offenbar keine Angst haben, von Lesern und Anzeigekunden abgestraft zu werden. Die Einsicht, dass die Gesellschaft andere Prioritäten habe als «Vergeltungsjustiz», gewinne immer mehr Anhänger.

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