Adobe Stock
Aktualisiert

AutoimportLohnt sich der Kauf eines Autos im Ausland?

Gute Occasionen sind derzeit ein rares Gut. Manuel fragt sich, ob ein Parallel- oder Direktimport eine Lösung wäre.

von
Markus Aegerter, AGVS
13.1.2021

Frage von Manuel ans AGVS-Expertenteam:

Ich brauche dringend ein neues Auto. Gute Occasionen sind derzeit schwierig zu finden. Nun lese ich immer wieder, dass Parallelimporte eine Lösung sein können – zumal diese Fahrzeuge oft deutlich günstiger sind als jene, die über offizielle Kanäle angeboten werden.

Antwort:

Lieber Manuel

Dass gute Occasionen derzeit sehr gefragt sind, ist ein Umstand, der auch mit der Corona-Pandemie zu tun hat. Einerseits standen zahlreiche Autofabriken im vergangenen Frühjahr während Wochen still und produzierten keine Neuwagen, andererseits hat der motorisierte Individualverkehr eine neue Popularität erfahren. Viele Menschen fühlen sich in ihrem Auto schlicht sicherer als im öffentlichen Verkehr.

Parallel- oder Direktimporte erlebten während der Eurokrise vor ziemlich genau sechs Jahren einen eigentlichen Boom. Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 entschied, die Wechselkurs-Untergrenze zum Euro aufzugeben, sackte der Euro innert weniger Stunden um 18 Prozent von 1,20 Franken auf 1,00 Franken. Entsprechend attraktiv erschienen Direktimporte aus der EU. Mittlerweile hat sich die Branche auf den tieferen Euro-Kurs eingestellt, die Importeure haben ihre Preise angepasst und Parallelimporte verloren deshalb – abgesehen von bestimmten Exoten aus Übersee, die hierzulande gar nicht angeboten werden – an Attraktivität.

Trotzdem findet man auch heute noch das eine oder andere, auf den ersten Blick interessant erscheinende Schnäppchen, dass direkt aus der EU importiert wurde. Doch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Denn das Automodell des Parallelimporteurs zu einem deutlich tieferen Preis ist bei gleichem Namen nicht zwingend das gleiche Modell wie beim offiziellen Markenhändler. Oft handelt es sich um falsch disponierte Modelle aus einem anderen Land. Diese unterscheiden sich zum Teil deutlich in der Ausstattung, der Motorisierung oder auch in Details wie Kartenmaterial des Navigationssystems.

Oft handelt es sich um falsch disponierte Modelle aus einem anderen Land.

Markus Peter, AGVS

So gibt es Marken, die in nördlicheren Märkten stärkere Heizungen und für südlichere Märkte kräftigere Klimaanlagen anbieten. Auch Batterien oder Alternatoren werden oft passend zur Region verbaut. Genau hinschauen muss man auch in Sachen Hersteller-Garantie. Denn ein Fahrzeug kann in der EU vom dortigen Händler schon einmal immatrikuliert worden sein, um beispielsweise eine Prämie vom Staat oder vom dortigen Importeur zu beziehen. Wird es danach gleich wieder de-immatrikuliert und später in die Schweiz exportiert, dann werden solche Fahrzeuge oft noch als Neuwagen bezeichnet. Das Ganze hat nur einen kleinen Haken: Die Herstellergarantie beginnt bei der Erstimmatrikulation in der EU zu laufen. Egal, wie viel Zeit der Export und schliesslich auch der Verkauf in der Schweiz in Anspruch nehmen.

Die Herstellergarantie beginnt bei der Erstimmatrikulation in der EU zu laufen.

Markus Peter, AGVS

Und zu guter Letzt sind die Zusatzkosten ein wichtiger Punkt: Zwar erhält ein privater Käufer am deutschen Zoll die Mehrwertsteuer von 19 Prozent zurückerstattet, dafür werden auf der Schweizer Seite 7,7 Prozent MWSt und 4 Prozent Automobilsteuer fällig. Und der wahre Kostenhammer droht dem privaten Importeur erst noch: Die verschärften CO2-Sanktionen können zu happigen Zusatzkosten bis in den fünfstelligen Bereich führen. Das Bundesamt für Energie führt ein Berechnungstool für private Importeure. Dort kannst du ausrechnen, wie hoch die Sanktion für dein Wunschauto ausfällt.

Fazit: Ich möchte dir von Parallel- oder Direktimporten nicht grundsätzlich abraten. Aber ich würde den Kauf über einen offiziellen Markenhändler tätigen, was dich vor bösen Überraschungen bewahren sollte.

Gute Fahrt!

Sende deine Frage(n) einfach per Mail an autoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jeden Mittwoch unter dem Vornamen des oder der Fragenden hier im Lifestyle-Channel von 20 Minuten.

Der AGVS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
52 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Sunpower

14.01.2021, 12:49

Verbrennt ihr lieber Dinosaurier Saft (Oel) 🦕 🐚 ⛽️ oder tankt ihr lieber bald mit Licht? ☀️ ☀️ 😉 SonoMotors, der Solarcar 🚗 (Sion) aus München. - 25‘000.- € 💶 - Solar charging 35 km / day ☀️ - 255 km battery range - 50 kW CCS charging - 11 kW AC bidirectional charging - 120 kW Motor - Torque 270 Nm - Tow Bar 750 kg - Trunk Volume 650 l

tom64b

14.01.2021, 06:28

Bis 50% mehr in der schweiz ist völlig ok. Das sichert im endeffekt unseren lohn.

marc b

14.01.2021, 06:21

Ich möchte ja nicht wissen, wie viele der "ich hab ja so viel gespartis" sich erst alles in der ch haben konfigurieren und zeigen lassen und dann einfach im ausland bestellten.