Negativzinsen: Lohnt sich Sparen noch?

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NegativzinsenLohnt sich Sparen noch?

Die Nationalbank hat Negativzinsen für Banken eingeführt. Zudem ist der Franken so stark wie schon lange nicht mehr. Wie trifft dies die Kleinsparer? Antworten zum Thema.

von
kwo
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Lohnt sich Sparen nach dem SNB-Entscheid zur Zinssenkung noch?

Lohnt sich Sparen nach dem SNB-Entscheid zur Zinssenkung noch?

Keystone/Alessandro Della Bella
Ja, sagen Finanzexperten. Die Geschäftsbanken werden die Negativzinsen nicht an die Kleinsparer weitergeben.

Ja, sagen Finanzexperten. Die Geschäftsbanken werden die Negativzinsen nicht an die Kleinsparer weitergeben.

Keystone/Martin Ruetschi
Und lohnt es sich, jetzt ein Haus zu bauen? Die Hypothekarzinsen steigen bereits wieder, sagt die «Schweiz am Sonntag».

Und lohnt es sich, jetzt ein Haus zu bauen? Die Hypothekarzinsen steigen bereits wieder, sagt die «Schweiz am Sonntag».

Keystone/Arno Balzarini

Auf ihre Girokonten bei der SNB müssen die Banken seit dem 22. Januar einen negativen Zinssatz von 0,75 Prozent bezahlen – also eine Art Steuer, die sie zahlen, wenn sie ihr überschüssiges Geld bei der SNB lagern. Welche Auswirkungen das auf Kleinsparer hat und welche Investitionen sich jetzt noch lohnen: die wichtigsten Antworten.

Können mich als Kleinsparer die Negativzinsen treffen?

Bisher hat einzig die Genfer Privatbank Lombard Odier für Privatkunden Negativzinsen eingeführt. Und laut SNB-Chef Thomas Jordan ist es unwahrscheinlich, dass die Banken den negativen Zins an die Kleinsparer weitergeben. Auch Karl Flubacher, Finanzexperte bei der VZ Vermögenszentrum AG, geht davon aus, dass vor allem Grosskunden wie Firmen von den Banken negative Zinsen erhalten werden. Es gilt aber auch: Die schon tiefen Zinsen werden allenfalls noch weiter fallen. Wer sein Geld vermehren will, sollte auf alternative Anlageformen wie Aktien oder Immobilien setzen.

Worauf sollen Sparer bei der Wahl der Bank achten?

Wie der Vergleichsdienst Comparis.ch anhand eines Beispielkunden berechnet hat, gilt es bei der Wahl der Bank vor allem auf deren Gebühren zu achten. Dabei geht es um die Kosten für die Zustellung von Kontoauszügen, den Bezug an Fremd-Bankomaten oder die Führung des Kontos. Bei vielen Banken übersteigen die Ausgaben durch Gebühren die Einnahmen durch Sparzinsen. Im Ranking von Comparis mit einem Beispielkunden, der 10'000 Franken auf dem Privatkonto und 20'000 Franken auf dem Sparkonto hat, lohnen sich die Postfinance, die Migros-Bank und die Raiffeisen am meisten.

Lohnt es sich, weiter auf ein Säule-3a-Vorsorgekonto einzuzahlen?

Als Reaktion auf den Entscheid der SNB haben einzelne Banken die Zinsen bei den Säulen-3a-Konti gesenkt. Laut Flubacher lohnt es sich trotzdem, sein 3a-Konto weiter zu äufnen. Der Grund: Die einbezahlten Beträge lassen sich vom steuerbaren Einkommen abziehen. Der Finanzexperte empfiehlt aber bei längerem Zeithorizont, einen Teil des Geldes in Wertschriften zu investieren.

Soll man jetzt Euros kaufen?

«Euros kaufen soll nur, wer sie bald ausgeben will.» Der Grund: Der Euro hat sich im Moment bei der Parität eingependelt und dürfte aufgrund der aktuellen Krisenlage in Europa nicht sehr bald wieder deutlich steigen. Ausserdem verliert man bei jedem Tausch die Wechselgebühren.

Soll man jetzt Aktien kaufen?

«In Aktien soll man aber nur investieren, wenn man das Geld nicht bald auszugeben gedenkt und es nicht dringend braucht», erklärt Flubacher. Denn: Die Märkte sind volatil und schwanken stark. Im Notfall muss man ein Tief aussitzen können. Am besten holt man sich diesbezüglich Informationen bei einem Berater. Ausserdem liegt zum Beispiel der SMI derzeit bei 8200 Punkten – 3000 mehr als August 2011. Vor dreieinhalb Jahren wäre also der bessere Zeitpunkt gewesen, um einzusteigen.

Soll man jetzt Wohneigentum kaufen?

Nach wie vor sind die Hypothekarzinsen relativ tief. Allerdings riefen die Banken nach dem SNB-Entscheid jetzt das Ende der billigen Hypotheken aus, wie die«Schweiz am Sonntag» berichtet. Das macht den Immobilien-Kauf weniger attraktiv. Beim Hauskauf gilt ausserdem: Er ergibt nur bei ausreichend Eigenmitteln Sinn. Längerfristig können die Zinsen ausserdem noch mehr steigen. Auch dann muss man genügend Geld auf der Seite haben oder verdienen, um sie bedienen zu können. Schliesslich sollte man ein Haus oder eine Wohnung als Privatperson nur kaufen, wenn tatsächlich Bedarf danach besteht.

Gemeinsames Vorgehen

Seit der Einführung von negativen Einlagezinsen durch die SNB wälzen Banken noch zusätzliche Kosten in unterschiedlicher Form auf Kunden ab. Inhaber von Sparkonten fragen sich, ob und wann Banken in der Schweiz einen direkten Strafzins von den Sparern verlangen. Die Online-Plattform Cash erklärt: «Geht eine Bank alleine vor und verlangt auf breiter Front Negativzinsen, drohen ihr Imageverlust und der Abfluss von Kundengeldern. Die unabhängige Vermögensverwalterin Anita Rüegsegger vermutet vor diesem Hintergrund: «Die Banken sprechen sich untereinander ab. Es wird kaum eine Bank alleine vorpreschen».» (kwo)

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