Aktualisiert 22.12.2003 14:50

Loja Dschirga macht weiter

Ungeachtet eines nächtlichen Raketenangriffs hat die afghanische Loja Dschirga am Montag ihre Beratungen über eine neue Verfassung fortgesetzt.

Die rund 500 Delegierten der Versammlung kamen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Zelt auf dem Universitätsgelände in Kabul zusammen. Nur wenige Kilometer entfernt waren in der Nacht bis zu vier Raketen eingeschlagen.

In der Loja Dschirga gingen die Meinungen in einigen wichtigen Fragen nach Angaben aus Delegiertenkreisen noch weit auseinander. Umstritten sind demnach unter anderem die künftige Rolle des Präsidenten sowie die Stellung der Menschenrechte in der Verfassung.

Die zehn Themenausschüsse hatten ihre Beratungen am Sonntag abgeschlossen. Im Laufe des (heutigen) Montags, des achten Gesprächstags, sollte die so genannte Versöhnungskommission ihre Arbeit aufnahmen und die Ergebnisse der Beratungen in den Arbeitsgruppen zusammenfassen. Die Ausschüsse gehen Artikel für Artikel durch den Verfassungsentwurf und geben dem Plenum Empfehlungen ab.

Delegierte äusserten die Hoffnung, dass die Beratung bis Ende des Jahres abgeschlossen werden könnten. Im Juni 2004 könnten dann dem Zeitplan entsprechend Parlamentswahlen stattfinden. Ob dabei ein starkes Präsidialsystem nach amerikanischem Vorbild die allgemeine Zustimmung finden wird, ist noch nicht sicher. Einige Delegierte kündigten ihren Protest gegen eine allzu starke Stellung des Präsidenten an.

Eine der Raketen beschädigte in der Nacht nach Polizeiangaben das Dach und die Fenster eines Hauses in einem Wohngebiet im Norden Kabuls. Verletzt wurde offenbar niemand. Die US-Streitkräfte hatten vor Anschlägen von Taliban-Kämpfern während der Beratungen der rund 500 Delegierten gewarnt.

In der Innenstadt von Kabul waren am Montag zwei heftige Explosionen zu hören, die offenbar von der Entschärfung alter Waffen stammten. Ein Sprecher der Internationalen Friedenstruppe (ISAF), Oberstleutnant Jörg Langer, sagte, ISAF-Soldaten hätten mehrere kontrollierte Explosionen durchgeführt. Die Kabuler Polizei konnte über den Ursprung der Detonationen zunächst keine Angaben machen. (dapd)

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