Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn: Lokführer wehren sich gegen Arbeitgeber BLS
Aktualisiert

Bern-Lötschberg-Simplon-BahnLokführer wehren sich gegen Arbeitgeber BLS

Insider berichten von untragbaren Arbeitsbedingungen bei der BLS. Fünf Lokführer gehen bis vor Gericht.

von
Jennifer Furer
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Insider berichten von schlechten Arbeitsbedingungen bei der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS).

Insider berichten von schlechten Arbeitsbedingungen bei der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS).

Keystone/Christian Beutler
Zum einen betrifft das eine Weisung, die seit 2009 in Kraft ist. Lokführer haben in ihrem Monatsarbeitsplan offene Tage, an denen sie arbeiten müssen, aber nicht wissen, wann. Laut der Weisung, die 20 Minuten vorliegt, sollen Lokführer nach einem arbeitsfreien Tag oder nach einer Abwesenheit sich am Vortag selber nach dem Dienst erkundigen.

Zum einen betrifft das eine Weisung, die seit 2009 in Kraft ist. Lokführer haben in ihrem Monatsarbeitsplan offene Tage, an denen sie arbeiten müssen, aber nicht wissen, wann. Laut der Weisung, die 20 Minuten vorliegt, sollen Lokführer nach einem arbeitsfreien Tag oder nach einer Abwesenheit sich am Vortag selber nach dem Dienst erkundigen.

Keystone/Christian Beutler
Als untragbar beschreiben Insider diese Situation. «Wenn beispielsweise ein Lokführer am Vortag erfährt, dass er am nächsten Tag um 4.30 Uhr auf der Matte stehen muss, stellt das die ganze Freizeitplanung auf den Kopf», sagt einer, «zumal die Auskunft erst nach 18 Uhr verbindlich ist.»

Als untragbar beschreiben Insider diese Situation. «Wenn beispielsweise ein Lokführer am Vortag erfährt, dass er am nächsten Tag um 4.30 Uhr auf der Matte stehen muss, stellt das die ganze Freizeitplanung auf den Kopf», sagt einer, «zumal die Auskunft erst nach 18 Uhr verbindlich ist.»

Keystone/Christian Beutler

Im Streit um die Konzessionen für die meisten Fernverkehrslinien im Schweizer Eisenbahnnetz mischt die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn mit, will der SBB Linien streitig machen und sich im Verkehrsnetz ausbreiten. Nun treten Insider an die Öffentlichkeit und kritisieren, dass bei der BLS unhaltbare Arbeitsbedingungen herrschen.

Zum einen betrifft das eine Weisung, die seit 2009 in Kraft ist. Lokführer haben in ihrem Monatsarbeitsplan offene Tage, an denen sie arbeiten müssen, aber nicht wissen, wann. Laut der Weisung, die 20 Minuten vorliegt, sollen Lokführer nach einem arbeitsfreien Tag oder nach einer Abwesenheit sich am Vortag selber nach dem Dienst erkundigen.

BAV beurteilt Vorgehen als unangemessen

Als untragbar beschreiben Insider diese Situation. «Wenn beispielsweise ein Lokführer am Vortag erfährt, dass er am nächsten Tag um 4.30 Uhr auf der Matte stehen muss, stellt das die ganze Freizeitplanung auf den Kopf», sagt einer, «zumal die Auskunft erst nach 18 Uhr verbindlich ist.»

Auch das Bundesamt für Verkehr (BAV) beurteilte das Verfahren als «unangemessen». In einem Brief an eine Gewerkschaft schreibt das Amt, dass dies insbesondere gilt, wenn es Einfluss auf die Freizeit der Mitarbeiter hat. Als Beispiele führt das BAV den Genuss von alkoholischen Getränken an oder ein vom Dienstort entfernter Aufenthalt, der einen Schichtantritt verunmögliche.

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Änderung der Weisung an drei Standorten übernommen

Auf Anfrage sagt BAV-Sprecherin Florence Pictet, dass die kurzfristige Bekanntgabe von Diensten aber zumutbar sei: «Das BAV hat aufgezeigt, dass Reserve-Tage, bei denen die genauen Arbeitszeiten erst kurzfristig bekannt gegeben werden, jedoch entsprechend zu bezeichnen sind.» Seither seien dem Amt keine entsprechenden Probleme bei der BLS bekannt. «Nur wenn das BAV erfährt, dass das Unternehmen das beanstandete Verhalten fortsetzt, hat das BAV Anlass, weitergehende aufsichtsrechtliche Massnahmen zu ergreifen», so Pictet. Ein solches gestuftes Vorgehen entspreche dem Verhältnismässigkeitsgebot.

Laut Insidern bestehen die Probleme weiterhin. Zwar habe das Lokpersonal und die Personaleinteilung eine Arbeitsgruppe gebildet und eine Änderung der Weisung ausgearbeitet. Das Pilotprojekt sei aber zuerst nur an einem Standort durchgeführt worden. Dieses sieht vor, dass die Lokführer in ihrem Monatsplan sehen, in welchem von drei möglichen Zeitfenstern sie an ihren offenen Tagen arbeiten müssen. «Wann genau ihr Dienst an jenen Tagen beginnt, ist weiterhin erst am Vortag, der eben auch ein freier Tag sein kann, ab 18 Uhr verbindlich bekannt», sagt ein Insider. Das System sei bisher lediglich auf drei weitere Standorte übertragen worden.

«Rückmeldungen einzelner Lokführer ernstgenommen»

Die BLS verteidigt sich: «Die Flexibilität offener Tage ist wichtig, damit wir kurzfristig reagieren können, wenn zum Beispiel ein Lokführer krankheitshalber ausfällt, wenn Bauarbeiten Änderungen des Bahnbetriebs erfordern oder um kurzfristig Wünschen der Lokführenden entsprechen zu können», sagt Sprecher Matthias Abplanalp.

Die Weisung sei mit den Personalvertretern abgesprochen gewesen. Trotzdem habe sie die negative Rückmeldungen einzelner Lokführer ernst genommen und überarbeite die Weisung derzeit. «Wir testen die Änderungen zuerst in kleinem Rahmen, um Erfahrungen zu sammeln und die neue Weisung optimal abzustimmen. Erst danach wird sie für alle Lokführenden ausgerollt», sagt Abplanalp.

Abgrenzung Frei- und Arbeitszeit bei BLS ein «Dauerthema»

Michael Buletti, Sekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), heisst das Vorgehen der BLS nicht gut: «Jahres- und Monatseinteilungen und die Zuteilung der Dienste müssen frühzeitig verbindlich kommuniziert werden.» Die Abgrenzung von Frei- und Arbeitszeit sei bei der BLS aber ein Dauerthema, weshalb die SEV regelmässig Gespräche und Verhandlungen mit dem Unternehmen führe. Kritik übt Buletti aber auch am BAV: «Wir würden uns wünschen, wenn das BAV vermehrt bei allen Unternehmungen des öffentlichen Verkehrs die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes kontrollieren würde»

Insider prangern aber auch an, dass Lokführer in ihrer Freizeit Sprachkurse absolvieren müssen. Würden sie das nicht machen, könnten die Lokführer Teile von Strecken nicht mehr befahren. Eine Folge davon könnte sein, dass sie versetzt würden. Fünf Lokführer seien deswegen letzte Woche an das Berner Amtsgericht getreten.

«Es geht nicht um fachliche Bildung»

Die SEV hat den betroffenen Mitgliedern einen Berufsrechtsschutz gestellt. Sekretär Buletti: «Grundsätzlich vertreten wir die Haltung, dass sämtliche Aus- und Weiterbildungen, die das Lokpersonal zur Ausübung des Berufes benötigt, in der Arbeitszeit zu absolvieren und entsprechend als Arbeitszeit anzurechnen ist.» Aufgrund des laufenden Verfahrens und weil der SEV nicht Partei darin ist, könne die Gewerkschaft inhaltlich keine Stellung dazu nehmen.

Bei der BLS heisst es, dass es bei dem Schlichtungsverfahren nicht um die fachliche Bildung gehe, sondern um den Erwerb von Fremdsprachen. Dieser sei nicht Teil des Stellenbeschriebs der Lokführer.

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