Lolita-Affäre schockiert Italiener
Aktualisiert

Lolita-Affäre schockiert Italiener

In Italien löst ein Gerichtsurteil eine Welle der Empörung aus: Ein 34-jähriger Mann, der Sex mit einer 13-Jährigen hatte, wurde zu einer relativ kurzen Haftstrafe verurteilt – weil es sich laut Gericht um «echte Liebe» gehandelt hat.

Antonio de Pascale, ein Metzger aus Vicenza, gab zu, mit dem Mädchen vier Monate lang eine Affäre gehabt zu haben. Sie habe ihm ständig glühende SMS zugeschickt. Seine Anwälte argumentierten, zwischen den beiden habe innige Zärtlichkeit geherrscht und ihr Mandant habe sich «Hals über Kopf» in die 13-Jährige verliebt.

Das Gericht in Vicenza folgte offenbar dieser Argumentation und verurteilte den Italiener zu 16 Monaten Gefängnis. Die Höchststrafe läge bei 12 Jahren. In Italien werden Haftstrafen von unter drei Jahren üblicherweise nicht abgesessen, so dass der Italiener für die «Lolita-Affäre» wohl nicht ins Gefängnis muss.

Italienische Kinderschutzorganisationen sprachen von einem «abscheulichen» Urteil. «Es sollte nicht im Ermessen des Gerichts liegen, ob eine 13-Jährige solch eine Affäre willentlich eingeht oder nicht. Das Gesetz sollte junge Mädchen, die zu jung für solche Entscheidungen sind, vor skrupellosen Erwachsenen schützen», sagte Antonio Marziale, Präsident einer Kinderschutzorganisation.

Laut italienischen Medienberichten rechtfertigte die römische Richterin Simonetta Matone den Entscheid ihrer Kollegen aus der nordostitalienischen Region Venezien. Die Gesetze müssten in solchen Fällen immer genau abgewogen werden. «Jede Beziehung ist eine Beziehung und wie erwachsen der minderjährige Partner ist, muss von Experten abgeklärt werden.»

Trotz solcher Beschwichtigungen löste das milde Urteil einigen Unmut in Italien aus und erhält einige Publizität in den europäischen Medien.

(Quellen: «Il Messaggero»/«The Independent»)

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