Ölpest: London bereitet die Rettung von BP vor

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ÖlpestLondon bereitet die Rettung von BP vor

Ein Zusammenbruch von BP hätte fatale Folgen für Grossbritannien. So viel hängt vom Öl-Multi ab, dass die Regierung bereits einen Rettungsplan ausarbeitet.

von
jcg
In den USA werden Forderungen laut, den Besitz von BP zu beschlagnahmen.

In den USA werden Forderungen laut, den Besitz von BP zu beschlagnahmen.

Während im Golf von Mexiko das Öl weiter sprudelt, bastelt die britische Regierung an einem Rettungsschirm für BP: Vertreter des britischen Wirtschafts- und des Finanzministeriums führten Gespräche über die Zukunft des Ölmultis und schmiedeten Notfallpläne, berichtete die «Times». Die Regierung stelle sich auf «alle Eventualitäten» ein, heisst es in der Dienstagsausgabe unter Berufung auf Insider. Weitere Details wurden nicht genannt. Denkbar wäre im Extremfall eine Verstaatlichung analog zur Rettung britischer Banken im Zug der Finanzkrise. BP war selbst bis 1987 ein staatlicher Konzern.

Das Finanzministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äussern. Das Wirtschaftsministerium konnte für eine Stellungnahme zunächst nicht erreicht werden.

Ein Zusammenbruch des Ölkonzerns hätte für Grossbritannien unabsehbare Folgen. Alleine im Vereinigten Königreich beschäftigt BP über 10 000 Mitarbeiter und zahlte im vergangenen Jahr Steuern in der Höhe von 5,8 Milliarden Pfund (9,3 Milliarden Franken). Auch ein grosser Teil der britischen Energieinfrastruktur gehört dem Konzern, so unter anderem das Forties Pipeline System, das mehr als 50 Öl- und Gasplattformen in der Nordsee verbindet. Dazu kontrolliert BP strategisch wichtige Infrastrukturbauten im Ausland, so die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, die Europa unter Umgehung Russlands mit den grossen Öl- und Gasfeldern in Aserbeidschan und am Kaspischen Meer verbindet.

Ein attraktiver Übernahmekandidat

Auch für die britischen Rentenempfänger hat die Ölpest desaströse Folgen. Viele britische Pensionsfonds halten Aktien des einst grössten Konzerns des Königreichs. Diese haben seit Beginn der Katastrophe Mitte April beinahe die Hälfte ihres Werts verloren. Das macht BP für eine Übernahme attraktiv. Bereits hat Total Interesse an Teilen von BP angemeldet. Auch ExxonMobile sowie Shell gelten als mögliche Käufer. BP soll deshalb für eine Kapitalspritze bereits im mittleren Osten vorstellig geworden sein.

Um BP vor riesigen Kompensationszahlungen zu schützen, reisen Premierminister David Cameron and Energieminister Chris Huhne am 20 Juli nach Washington. Dort wollen sie auf höchster Ebene über die Zukunft von BP zu beraten. Der britische Energieriese hat nach eigenen Angaben bislang mehr als drei Milliarden Dollar für die Bewältigung der Ölpest aufgebracht, inklusive 147 Millionen Dollar an Entschädigungszahlungen.

Das Öl erreicht Texas

Derweil sind Ölklumpen erstmals auch an einem Strand im US-Bundesstaat Texas entdeckt worden. Untersuchungen hätten ergeben, dass es sich um Öl aus dem Leck der untergegangenen Plattform «Deepwater Horizon» handelt, teilte ein Sprecher am Montag (Ortszeit) mit. Die Klumpen seien nahe der Küstenstadt Galveston an Land gespült worden. Damit sind mittlerweile alle US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko von der Ölpest betroffen.

Die Ölplattform war am 20. April nach einer Explosion gesunken. Aus dem Leck in rund 1600 Metern Tiefe treten seitdem jeden Tag schätzungsweise bis zu neun Millionen Liter Öl aus. (jcg/sda)

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