London: Ein Drittel weniger Verkehr
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London: Ein Drittel weniger Verkehr

Rund 60 000 Autofahrten täglich werden in der Londoner Innenstadt weniger gezählt, seit die Stauabgabe vor einem Jahr eingeführt wurde.

Das ist ein Rückgang um knapp ein Drittel. Auch die Verspätungen sind laut den Behörden um ein Drittel gesunken, die durchschnittliche Fahrzeit ist 14 Prozent schneller geworden, und 1,1 Millionen mehr Menschen als früher steigen in die roten Doppeldeckerbusse, um innerhalb Londons von A nach B zu kommen. Ob die Abgabe sich aber auch wirtschaftlich rentiert, ist fraglich.

«Wo immer man in der Welt hinkommt, heisst es stets: 'Das ist sehr gut, das hat funktioniert'», lobte der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone sein Projekt in einem Gespräch mit der BBC am Wochenende. «Es würde mich wundern, wenn es in New York nicht etwas ähnliches geben wird.»

Beratungen über Ausdehnung

So gut funktioniert das Londoner Mautsystem demnach, dass diese Woche darüber beraten wird, ob es auch im nördlichen Stadtteil Camden sowie in Kensington im Südwesten eingeführt wird.

Bislang reicht das rund zwanzig Quadratkilometer grosse gebührenpflichtige Gebiet vom Tower of London im Osten bis zum Hyde Park im Westen, von King's Cross im Norden bis nach Elephant and Castle im Süden. Wer hier mit seinem Auto fahren will, zahlt 5 Pfund (knapp 12 Franken) - oder riskiert saftige Strafen von bis zu 120 Pfund.

Hunderte Kameras erfassen die Kennzeichen der Fahrzeuge und gleichen sie mit einer Datenbank der Zahler ab. Ausgenommen sind nur Busse, Motorräder, schadstoffarme Autos und bestimmte Berufsgruppen; für Anwohner gibt es einen Rabatt.

Weniger Einnahmen als erhofft

Der Verkehr verringerte sich, aber die erhofften Einnahmen blieben aus, weil offenbar viele Londoner vom Auto auf andere Verkehrsmittel umstiegen: Statt der erwarteten 130 Millionen Pfund (191 Millionen Euro) kam gerade einmal die Hälfte davon in die Stadtkassen.

Das Geld hatte der Bürgermeister für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs eingeplant. «Während die Londoner Stauabgabe insofern erfolgreich war, als sie den Verkehr vermindert hat, ist sie aus wirtschaftlicher Sicht eindeutig kein Erfolg», sagt Tim Green vom Automobilclub Road Users' Alliance.

Widersprüchliche Schlüsse

Die Londoner Handelskammer beklagt, dass die Stauabgabe der Wirtschaft in der Innenstadt einen «beträchtlichen» Dämpfer verpasst habe. 42 Prozent der befragten Händler machen die Citygebühr demnach für einen Umsatzrückgang verantwortlich - und ein Viertel der Händler spiele mit dem Gedanken, sich ausserhalb der Gebührenzone anzusiedeln.

Die Interessengemeinschaft «London First» veröffentlichte dagegen am Montag eine Umfrage unter 500 Firmen, derzufolge 65 Prozent der Befragten keinen Einfluss der Gebühr auf ihr Geschäft erkennen können. Dieses Ergebnis wird von einer weiteren Untersuchung gedeckt, die vom Londoner Verkehrsamt in Auftrag gegeben wurde und diese Woche veröffentlicht werden soll.

(sda)

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