90. Geburtstag: London feiert Mandela mit einem Mega-Konzert

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90. GeburtstagLondon feiert Mandela mit einem Mega-Konzert

Nelson Mandela feiert derzeit in London seinen 90. Geburtstag vor: Erst traf er die Queen und dann diverse Stars bei einem Wohltätigkeits-Dinner. Heute steigt ihm zu Ehren ein Mega-Konzert.

Sein Name steht für Frieden und Versöhnung. Einst war er die Symbolfigur der südafrikanischen Anti-Apartheid-Bewegung, der berühmteste politische Gefangene der Welt und schliesslich der erste schwarze Staatspräsident am Kap. Am 18. Juli wird Nelson Mandela 90 Jahre alt. Zu seinen Ehren findet am 27. Juni im Londoner Hyde Park ein grosses Geburtstagskonzert statt, zu dem sich viel Prominenz angesagt hat. Auch Mandela selbst will kommen.

Mandela flirtet mit Queen Elizabeth

Den Auftakt zum Festreigen machte Mandela am 25. Juni mit einem Besuch bei der britischen Königin Elizabeth II. In freundschaftlich-lockerem Ton sagte der noch 89-jährige Mandela zur sieben Jahre jüngeren Queen: «Jedes Mal, wenn ich Sie treffe, sehen Sie jünger aus.» Die Monarchin erwiderte im Plauderton: «Es ist sehr schönes Wetter heute - extra für sie arrangiert.» Die Queen hatte Mandela in den Buckingham-Palast geladen, wo sie sich auf Sofas gegenübersassen und plauderten - er in einem goldschimmernden Hemd, sie in einem hellblau gemusterten Kleid. Den Friedensnobelträger und die Königin verbindet seit Jahren eine Freundschaft.

Am Abend stand ein Benefiz-Dinner im Londoner Hyde Park auf dem Programm. Robert De Niro, Will Smith, Uma Thurman und viele andere Hollywood-Stars haben den weiten Weg über den Atlantik auf sich genommen, um dem Polit-Star zu gratulieren. Die US-Talkshowmoderatorin Oprah Winfrey lobte den ANC-Mann stellvertretend für alle: «Das Besondere ist, dass Sie 27 Jahre im Gefängnis verbringen, raus kommen und das tun, was alle für unmöglich zu tun gehalten haben - Präsident des Landes werden und die Art und Weise verändern, wie die Menschen über Afrika empfinden, und dann werden Sie 90. Ich kenne niemanden, der das mehr verdient oder um den wir uns im wahrsten Sinne des Wortes zu seinen Füssen versammeln sollten, um danke für alles zu sagen, was er der Welt gegeben hat.»

Den Höhepunkt der Feiern bildet ein Geburtstagskonzert im Hyde Park am 27. Juni. Stars wie die Band Queen, Annie Lennox und Razorlight sollen über drei Stunden lang spielen. Ausserdem werden sich der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und Hollywood-Grössen wie Will Smith und Robert De Niro ebenfalls dem Publikum zeigen. Die Erlöse des Konzerts gehen an die Anti-Aids-Kampagne 46664 – die Zahl ist Mandelas frühere Häftlingsnummer. An seinem eigentlichen Geburtstag, dem 18. Juli, wird Mandela vermutlich in seiner südafrikanischen Heimat sein.

Das Lebenswerk Mandelas

Was Mandela vollbrachte, wird oft als das südafrikanische Wunder gepriesen. Denn mit seinem unermüdlichen Einsatz für Versöhnung zwischen Schwarzen und Weissen hat er das Land vor einem Bürgerkrieg bewahrt. «Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft vertreten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Möglichkeiten zusammenleben», sagte Mandela schon 1964, als er im sogenannten Rivonia-Prozess wegen Sabotage und Aufruhr vor Gericht stand. «Es ist ein Ideal, für das ich leben will und das ich zu erreichen hoffe. Doch wenn es sein muss, bin ich auch bereit, dafür zu sterben.»

Rund 27 Jahre sass Mandela für seine Überzeugungen im Gefängnis, die meiste Zeit davon auf der berüchtigten Zuchthausinsel Robben Island vor Kapstadt. Als sich die politischen Verhältnisse unter dem damaligen südafrikanischen Staatspräsidenten Frederik Willem de Klerk änderten, geschah das für viele Unfassbare: Am 11. Februar 1990 verliess Mandela als freier Mann das Gefängnis.

Die meisten schwarzen Südafrikaner sahen damals in ihm eine Art Messias - obwohl oder gerade weil es verboten war, während seiner Haft Fotos von ihm zu veröffentlichen oder ihn zu zitieren. Schon in der ersten öffentlichen Ansprache nach seiner Freilassung wandte sich Mandela aber gegen eine Überhöhung seiner Person. Er sei «ein gewöhnlicher Mensch, der unter aussergewöhnlichen Umständen zu einem politischen Führer geworden ist», sagte der damals 71-Jährige der Menschenmenge auf dem Rathausplatz in Kapstadt.

Lebenslange Zuchthausstrafe

Als Sohn eines Xhosa-Häuptlings wurde Nelson Rolihlahla Mandela am 18. Juli 1918 in der Transkei, der heutigen Provinz Ostkap, geboren. Er studierte Jura an der für Farbige bestimmten Universität Fort Hare, wurde aber 1940 als Anführer eines Studentenstreiks ausgeschlossen. Mandela ging nach Johannesburg und machte nach einem Fernstudium 1942 sein Jura-Examen. Zusammen mit seinem Weggefährten Oliver Tambo gründete er die Jugendliga des African National Congress (ANC) und eröffnete Südafrikas erste Kanzlei schwarzer Anwälte.

Nach dem Verbot des ANC gründete Mandela 1961 den militanten Flügel «Umkhonto we Sizwe» (Speer der Nation) und ging in den Untergrund. Ein Jahr später wurde er verhaftet und 1964 zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. Mit seiner Freilassung aus dem Gefängnis begann Mandelas politische Karriere. Als Präsident des ANC nahm er an Mehrparteiengesprächen über die Zukunft Südafrikas teil, erhielt zusammen mit De Klerk 1993 den Friedensnobelpreis und stand als erster Schwarzer ein Jahr später an der Spitze des Staates.

Weder Rachegefühle noch Verbitterung

Rachegefühle schien Mandela nie zu hegen, er wirkte nach mehr als einem Vierteljahrhundert in Haft noch nicht einmal verbittert. Er gab den Südafrikanern - Schwarzen wie Weissen - ihren Stolz zurück und führte sein Land aus der internationalen Isolation heraus.

«Die Unterdrückten und die Unterdrücker gleichermassen zu befreien», so beschrieb er das alles überragende Ziel seiner Präsidentschaft. Als er im Juni 1999 das Zepter an Thabo Mbeki abgab, sprach man im In- und Ausland mit Bedauern vom Ende der Ära Mandela. «Ihr Erbe ist eines der grossartigsten des 20. Jahrhunderts», schrieb der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan an den scheidenden Präsidenten. Der Wandel Südafrikas vom Apartheid-Regime hin zu einem demokratischen Staat sei nicht allein sein Verdienst, hat Mandela immer wieder betont. Im Gespräch mit einem Journalisten sagte er kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Präsident: «Ich habe Glück mit den Menschen in diesem Land gehabt.»

(phi/AP/SDA/Wenn)

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