«Für immer in unseren Gedanken»: London gedenkt der Grenfell-Opfer
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«Für immer in unseren Gedanken»London gedenkt der Grenfell-Opfer

Vor einem Jahr haben 71 Menschen beim schlimmsten Brand in Grossbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren.

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hvw
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Leuchtendes Mahnmal: Zum Gedenken an die Brandkatastrophe wurde die Fassade des Grenfell Tower grün angestrahlt.

Leuchtendes Mahnmal: Zum Gedenken an die Brandkatastrophe wurde die Fassade des Grenfell Tower grün angestrahlt.

Jonathan Brady
Um 0.54 Uhr in der Nacht zum Donnerstag gab es zudem 72 Schweigesekunden – zu dem Zeitpunkt, als die Feuerwehr den ersten Notruf wegen des Brandes in dem 24-stöckigen Gebäude erhalten hatte.

Um 0.54 Uhr in der Nacht zum Donnerstag gab es zudem 72 Schweigesekunden – zu dem Zeitpunkt, als die Feuerwehr den ersten Notruf wegen des Brandes in dem 24-stöckigen Gebäude erhalten hatte.

Jonathan Brady
Am 14. Juni 2017 brach im Londoner Grenfell Tower ein Feuer aus. (14. Juni 2017)

Am 14. Juni 2017 brach im Londoner Grenfell Tower ein Feuer aus. (14. Juni 2017)

AFP/Will Oliver

Grossbritannien hat am Mittwoch der 71 Todesopfer der Brandkatastrophe im Grenfell Tower gedacht. Die «unvorstellbare Tragödie» des Grossbrands in dem Hochhaus bleibe «für immer in unseren Gedanken», sagte Premierministerin Theresa May im Parlament.

Der verheerende Brand im 24-stöckigen Wohnhochhaus Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zum 14. Juni 2017 ausgebrochen. Brandursache war ein defekter Kühlschrank. Über eine nicht brandsichere Fassadenverkleidung breitete sich das Feuer über weite Teile des Wohnturms aus. 71 Menschen und ein ungeborenes Baby starben.

Rosen für die Toten

Zum Gedenken an die schlimmste Brandkatastrophe in Grossbritannien seit Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Fassade des ausgebrannten Hochhauses und der Amtssitz der Premierministerin am Abend grün angestrahlt.

Frühere Mieter hielten gemeinsam ein Abendessen im Schatten des Turmes ab. An einer Gedenkwand wurden 72 weisse Rosen – eine für jedes Todesopfer sowie eine für ein ungeborenes Baby – angebracht.

Am Donnerstag werden die Gedenkfeiern mit Gottesdiensten, Kranzniederlegungen und der Enthüllung eines Mosaiks fortgesetzt. Auch ein Schweigemarsch ist geplant.

Die Hälfte hat keine Wohnung

Auch ein Jahr nach der Tragödie sitzt der Schock noch tief, viele Überlebende sind enttäuscht von der mangelnden Unterstützung der Behörden.

So sieht es im Grenfell Tower aus

Polizei veröffentlicht Aufnahmen des ausgebrannten Grenfell-Towers. (Video: Tamedia/Metropolitan Police)

So sieht es im Grenfell Tower aus: Die Polizei veröffentlicht Aufnahmen des ausgebrannten Hochhauses. (Video: Tamedia/Metropolitan Police)

Mehr als 200 Haushalte verloren durch das Feuer ihr Zuhause, und weniger als die Hälfte zog in dauerhafte Wohnungen, der Rest lebt noch im Hotel oder in provisorischen Unterkünften.

Zum Beispiel die Familie Rasoul: Vater Mohammed und Mutter Munira leben mit ihren beiden Kindern Zahra und Mohammed Junior zu viert in einem einzigen Raum. Der britische Sender BBC hat sie dort besucht.

«Dann drehst du dich um und weinst»

«Wir dachten, bald würde sich etwas ändern», sagt der Vater resigniert. «Aber Tage wurden zu Wochen, Wochen zu Monaten und aus Monaten wurde jetzt ein Jahr.» Erst im November sollen sie in eine neue Wohnung ziehen können.

Die Mutter muss ihr Essen in der örtlichen Moschee zubereiten, da sie im Hotelzimmer keine Kochmöglichkeit haben. «Wir wissen nicht, wann wir wieder normal leben können», sagt sie. «Wenn die Kinder fragen, antwortest du. Wenn du nicht antworten kannst, drehst du dich um und weinst.» (hvw/sda)

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