Aktualisiert 09.08.2011 18:05

Gewalt in EnglandLondon hält nichts von Wasserwerfern

Während die Krawalle auf weitere Gebiete übergreifen, werden die Rufe lauter, Wasserwerfer, Gummischrot oder Tränengas einzusetzen. Laut Innenministerium passt das aber nicht zu Grossbritannien.

von
ske

In Ländern wie Frankreich, Griechenland oder der Schweiz ist klar: Kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen, Krawallen und Zerstörung, setzt die Polizei relativ rasch Wasserwerfer, Gummischrot oder Tränengas ein. Nicht so in Grossbritannien. Am dritten Tag in Folge greifen die Ausschreitungen auf mehrere Stadtteile Londons über. Häuser und Autos brennen, Schaufenster werden eingeschlagen und Einwohner dürfen ihre Häuser nicht mehr verlassen. Tausende Polizisten sind im Einsatz – einzig und allein mit Schild, Schlagstock und Schutzhelm ausgerüstet. Viel mehr haben sie dem wütenden Mob nicht entgegenzusetzen, denn nach Wasserwerfern, Gummischrot und Tränengas sucht man auf der britischen Insel vergeblich.

Dass der Polizei wenig Mittel zur Verfügung stehen, um den Randalierern beizukommen, zeigt sich bei den jüngsten Ausschreitungen deutlich. Für britische Medien ist klar: Die Polizei verliert die Kontrolle über Londons Strassen. Dies ist betroffenen Anwohnern und mehreren Parlamentsmitgliedern Grund genug, lautstark zu verlangen, dass die Polizei härtere Waffen einsetzen dürfe.

Ruf nach Wasserwerfern wird lauter

Ken Livingstone, der ehemalige Bürgermeister Londons, setzte sich besonders für Wasserwerfer ein, um die Krawallmacher zu vertreiben. «Wenn man das Ausmass der Zerstörung und Brandstiftung sieht, wäre das Thema Wasserwerfer sicherlich eine Hilfe», zitiert ihn die britische Zeitung «The Guardian».

Die britische Polizei hatte dieses Mittel bislang aber noch nie auf dem Festland eingesetzt. Wasserwerfer waren immer nur in Nordirland angewandt worden, um den dortigen Mob unter Kontrolle zu bringen. Patrick Mercer, ein Parlamentsmitglied der Torys wundert sich darüber: «Es ist merkwürdig, dass wir diese Mittel gegen Iren einsetzen, aber wenn Engländer ausscheren und sich scheusslich benehmen, dann verhätscheln wir sie. Wenn die Polizei Wasserwerfer will, sollten sie diese auch einsetzen dürfen.» Auch auf Twitter wird das Thema Wasserwerfer diskutiert. Aaron Peters ist zum Beispiel überzeugt, dass die Polizei bei derartigen Ausschreitungen ohne Wasserwerfer geradezu chancenlos sei.

Keine Wasserwerfer auf britischen Strassen

Dass in England alle Mittel verpönt sind, die andernorts zur normalen Polizeiausstattung gehören, hat seine Gründe. Grossbritannien soll nämlich schlicht und einfach kein Land sein, in welchem es zu Strassenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten kommt. Wasserwerfer haben daher bei der britischen Regierung einen schweren Stand. Vergangenen Herbst hatte das Innenministerium bereits angesichts der Studentenproteste angekündigt, alle Optionen für die Polizei in Betracht zu ziehen.

Nur 24 Stunden später krebste Innenministerin Theresa May zurück und sagte: «Ich denke nicht, dass irgendjemand Wasserwerfer auf britischen Strassen sehen will, denn wir haben hier eine andere Haltung zur Art des Überwachens. Es hängt vom Vertrauen zwischen Polizei und Öffentlichkeit ab.»

Innenministerium bleibt hart

Sicher ist, dass Wasserwerfer auch weiterhin nicht eingesetzt werden sollen. Innenministerin Theresa May hat am Dienstagmorgen auf Sky News dieses Mittel trotz wachsendem Druck abgelehnt. «In Grossbritannien arbeitet die Polizei in Übereinstimmung mit den Gemeinschaften», zitiert «The Telegraph». Vielmehr hofft May darauf, dass die Randalierer sich bald der Konsequenzen ihrer Taten bewusst würden.

Doch selbst wenn Wasserwerfer vom Innenministerium noch bewilligt werden sollten, stünden den Behörden in Grossbritannien gar keine zur Verfügung, schreibt «The Telegraph». Diese müssten nämlich erst aus Nordirland aufs Festland gebracht werden. Premierminister David Cameron setzt stattdessen auf Manneskraft – 16 000 Polizisten sollen jetzt in Londons Strassen für Ruhe sorgen.

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