Aktualisiert 15.05.2020 08:11

Covid-19

London könnte bald keinen Corona-Fall mehr haben

London hat nur noch wenige neue Corona-Fälle. Nun werden weitere lokale Lockerungen geplant. In wenigen Wochen könnte die Stadt Corona-frei sein.

von
Sven Forster
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Fast zwei Monate lebten die Briten mit einer strengen Ausgangssperre.

Fast zwei Monate lebten die Briten mit einer strengen Ausgangssperre.

KEYSTONE
In London ging die Anzahl der Corona-Fälle stark zurück.

In London ging die Anzahl der Corona-Fälle stark zurück.

Sven Forster 
Aufgrund der strengen Ausgangsbeschränkungen wirkte die Stadt wie ausgestorben.

Aufgrund der strengen Ausgangsbeschränkungen wirkte die Stadt wie ausgestorben.

Sven Forster

Darum gehts

  • London hat nicht mehr viele Corona-Fälle.
  • Die Regierung prüft weitere lokale Lockerungen.
  • Fast zwei Monate lebten die Briten mit einer strengen Ausgangssperre .

Knapp neun Millionen Menschen leben in London. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise infizierten sich Tausende am Tag mit dem Coronavirus. Ein strenger Lockdown wurde eingeführt – mit Erfolg. Die Zahl sank, die Stadt wirkte wie ausgestorben.

In den letzten 24 Stunden gab es in London nur 24 neue Corona-Fälle. Untersuchungen der Universität Cambridge zeigen, dass die R-Reproduktionsrate der Hauptstadt auf 0,4 gesunken sei. Vor dem Lockdown lag dieses Zahl noch bei 2,8.

Weitere Lockerungen für London

Lange Zeit galt London als der Infektionsherd des Königreichs. Mittlerweile stehen die Hauptstädter besser da als andere Teile des Landes. Der durchschnittliche R-Wert liegt in Grossbritannien bei 0,75. Ein neues Model der Forscher zeigt, dass London in wenigen Wochen bald keinen Fall mehr haben könnte.

Nun werden mögliche regionale Lockerungen geprüft. Bim Afolami, ein konservativer Abgeordneter, sagt zum «Telegraph»: «Wenn man sich andere Länder anschaut, haben sie oft regionale Ansätze gewählt. Wenn es aus gesundheitspolitischer Sicht sinnvoll ist, müssen wir es in Betracht ziehen.» Auch die ehemalige Ministerin für Umwelt, Theresa Villiers, ist dieser Meinung: «Diese Zahlen sind gute Nachrichten. Sie zeigen, dass die Lockdown-Massnahmen gegriffen haben, und ich denke, sie sprechen für eine weitere Lockerung in London.» Die Politikerin ergänzt: «Es sei entscheidend, Wege zu finden, damit sich die Wirtschaft erholt. London sei schliesslich das Zugpferd der britischen Wirtschaft.»

Die britische Wirtschaft ist wegen der Corona-Krise im Rekordtempo eingebrochen. Das Bruttoinlandprodukt schrumpfte im März wegen der Massnahmen gegen die Ausbreitung der Epidemie mit 5,8 Prozent zum Vormonat so stark wie noch nie, wie das Statistikamt am Mittwoch in London mitteilte. Im gesamten ersten Quartal gab es mit 2,0 Prozent den stärksten Rückgang seit der Finanzkrise Ende 2008.

Meiste Corona-Tote in Europa

Erste Lockerungen wurden bereits landesweit durchgeführt. Nach fast zwei Monaten strikter Ausgangsbeschränkungen sind am Mittwoch in England zahlreiche Menschen zu ihren Arbeitsstätten zurückgekehrt. Wer nicht von zu Hause aus seiner Beschäftigung nachgehen kann, soll der Regierung zufolge wieder in den Unternehmen arbeiten. Dies gilt vor allem für Angestellte in Industriebetrieben. Premierminister Boris Johnson hatte am Sonntag in einer Rede dazu aufgerufen, aber möglichst U-Bahn und Busse zu meiden.

Die Lockerung der Massnahmen stiess in Grossbritannien auf starke Kritik. Das Vorgehen sei verfrüht und vieles unklar, hiess es. Die Landesteile Schottland, Wales und Nordirland gehen einen strikteren Weg. Nach offiziellen Angaben hat Grossbritannien die meisten Corona-Toten in Europa. Die Angaben in den unterschiedlich erhobenen Statistiken schwanken zwischen etwa 33’000 und mehr als 50’000 Toten.

Premierminister Johnson, der selbst an Covid-19 erkrankt war und einige Tage auf der Intensivstation lag, steht seit Wochen wegen der Corona-Massnahmen seiner Regierung in der Kritik. So wird ihm unter anderem eine zu späte Reaktion auf die Virus-Ausbreitung vorgeworfen. Ein landesweiter Lockdown wurde erst ab 23. März verhängt.

R-Faktor

Der R-Fakor gilt als wichtiges Indiz für die Entwicklung des Coronavirus. Er sagt aus, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt. Liegt R bei 1, ist das nur eine Person, liegt R unter 1, geht die Zahl der Infizierten insgesamt zurück. Je niedriger der R-Faktor ist, desto weniger Menschen können sich anstecken.




(SDA)
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32 Kommentare
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Plattfööt

16.05.2020, 07:48

Und nochmal für die, die es nicht checken: Wir wurden nicht eingesperrt!!!

sämii

16.05.2020, 07:46

siehe Montenegro - sehr vorbildlich gehandelt. die haben auch keine Fälle mehr und öffnen sogar demnächst die Grenzen für Urlaub.

giorgio1954

16.05.2020, 06:03

Millionen Menschen sind einfacher zu führen als eine kleine Schafherde. Corona war der Beweis, wie man das macht.