Freispruch: Londoner U-Bahn-Terror bleibt ungesühnt

Aktualisiert

FreispruchLondoner U-Bahn-Terror bleibt ungesühnt

Drei wegen Beteiligung an den Londoner U-Bahn-Anschlägen vom Juli 2005 angeklagte Männer sind freigesprochen worden. Damit dürfte nie jemand für den schweren Terrorakt verurteilt werden.

Das Gericht in London sah den Vorwurf einer Verschwörung mit den Selbstmordattentätern als nicht erwiesen an. Zwei der drei Angeklagten wurden am Dienstag allerdings wegen des Besuchs eines Terrorcamps schuldig gesprochen. Ein erster Prozess gegen Mohammed Shakil, Sadeer Saleem und Waheed Ali war im August vorigen Jahres ohne Urteil zu Ende gegangen, weil sich die Geschworenen nicht einigen konnten. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin einen neuen Prozess beantragt.

Die drei Männer stammen aus dem nordenglischen Leeds und standen mit dem Kopf der Anschläge, Mohammed Siddique Khan, in Kontakt. Sie räumten ein, die vier Attentäter gekannt zu haben. Ihnen war vorgeworfen worden, bei einem Kurzbesuch in der britischen Hauptstadt sieben Monate vor den Attentaten mögliche Ziele ausgekundschaftet zu haben. Die Männer gaben die Reise zu, stellten diese aber als Freizeitaktivität dar.

Bericht wird veröffentlicht

Bei den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Bus am 7. Juli 2005 wurden 52 Fahrgäste und die vier Täter getötet. Britische Anti-Terror-Experten glauben nun gemäss «Guardian», dass nie jemand wegen der Terrorattacke verurteilt werden wird, obwohl sie von mehr als 20 involvierten Personen ausgehen und die Untersuchung mit Kosten von rund 200 Millionen Franken die aufwändigste in der jüngeren britischen Geschichte war.

Im nächsten Monat soll zudem ein bislang zurückgehaltener Bericht des parlamentarischen Geheimdienstausschusses veröffentlich werden. Er soll laut «Guardian» darlegen, wie der Geheimdienst MI5 und die Polizei von West Yorkshire Hinweise ignorierten, mit denen möglicherweise zwei der Selbstmordattentäter hätten gestoppt werden können

(pbl/sda/ap)

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