BAG plant Kampagne – Long-Covid-Betroffene sollen Ungeimpfte überzeugen
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BAG plant KampagneLong-Covid-Betroffene sollen Ungeimpfte überzeugen

Das Bundesamt für Gesundheit sucht für eine Kampagne auch Betroffene von Long Covid. Mit der Informationsoffensive soll die Impfquote gesteigert werden.

von
Pascal Michel
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Wer schwer an Covid-19 erkrankt, hat ein höheres Risiko, auch an Langzeitfolgen zu leiden.

Wer schwer an Covid-19 erkrankt, hat ein höheres Risiko, auch an Langzeitfolgen zu leiden.

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Zwischen zehn und 20 Prozent der Menschen, die sich mit Covid infiziert haben, entwickeln länger anhaltende Symptome wie Erschöpfung, Atembeschwerden oder Muskelbeschwerden.

Zwischen zehn und 20 Prozent der Menschen, die sich mit Covid infiziert haben, entwickeln länger anhaltende Symptome wie Erschöpfung, Atembeschwerden oder Muskelbeschwerden.

20min/Marvin Ancian
Dafür hat sich der Begriff «Long Covid» etabliert.

Dafür hat sich der Begriff «Long Covid» etabliert.

20min/Jacqueline Straub

Darum gehts

  • Der Bund hat für 100 Millionen Franken eine Impfoffensive lanciert.

  • In einer Teil-Kampagne kommen Menschen zu Wort, die an Corona erkrankt sind.

  • Neben Menschen, die im Spital waren, sollen auch Betroffene von Long Covid über ihre Erfahrungen berichten.

  • Dies soll Ungeimpfte überzeugen.

Zwischen zehn und 20 Prozent der Menschen, die sich mit Covid infiziert haben, entwickeln länger anhaltende Symptome wie Erschöpfung, Atembeschwerden oder Muskelbeschwerden. Dafür hat sich der Begriff «Long Covid» etabliert.

Der Aktivist Che Wagner hat die Folgen einer Long-Covid-Erkrankung unmittelbar bei seiner Partnerin, die sich nach einer Infektion im Herbst 2020 nur noch mit dem Rollstuhl fortbewegen konnte, erlebt. Linderung brachte die Impfung. Mittlerweile sind die Symptome verschwunden.

Die Botschaft, dass Long Covid jeden treffen und dass die Impfung schwere Beeinträchtigungen verhindern kann, will Wagner mit seinem Verein «Allianz Long Covid» schweizweit bekannt machen.

Ein Teil der Impfoffensive

Wagner hat dafür intensiv lobbyiert. Der grösste Erfolg, den er bisher verbuchen konnte, waren zwei parlamentarische Vorstösse. Eine Motion und ein Postulat sollen die Datenerhebung zu Langzeitfolgen verbessern und gesetzliche Grundlagen für Long-Covid-Therapien schaffen.

An der Kampagnen-Front hatte er weniger Erfolg. Noch im Winter 2020 sah das BAG keinen Bedarf, die Bevölkerung über Long Covid aufzuklären. Stattdessen folgten unter anderem Jux-Kampagnen für die junge Zielgruppe, die auf Kritik stiessen.

Nun sind Wagner und seine Allianz beim Bund durchgedrungen. Das BAG nimmt im Rahmen der Impfoffensive die drohenden Langzeitfolgen einer Covid-Infektion mit einer Teil-Kampagne ins Visier. Derzeit laufen entsprechende Vorbereitungen, weshalb sich das BAG zu Details noch nicht äussern kann.

Betroffene erzählen in Videos

Geplant sind sechs bis acht Video-Interviews mit Menschen, die wegen Covid-19 im Spital landeten sowie mit Infizierten, die an Long Covid litten und leiden, heisst es in einem Newsletter der «Allianz Long Covid». Damit wolle man über die Auswirkungen von Covid-19 bei einem schweren Verlauf informieren, Betroffenheit auslösen und die Impfquote erhöhen.

«Long Covid ist ein beträchtliches Risiko, auf das bisher viel zu wenig hingewiesen wurde», sagt Che Wagner zu 20 Minuten. Er begrüsst deshalb, dass das BAG nun «endlich» das Thema aufgreift. Die Allianz will dem Bund nun Direktbetroffene für die Videos vermitteln.

Frauen besonders betroffen

Wagner hofft, dass solche emotionalen Statements besonders die Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen noch von der Impfung überzeugen kann. Seine Partnerin war 26 Jahre alt, als sie an Covid und später an schwerwiegenden Langzeitsymptomen erkrankte. «Die wichtigste Botschaft ist: Mit der Impfung hätte sie Long Covid wahrscheinlich nie so schlimm getroffen», sagt Wagner. Gerade Frauen seien eine wichtige Zielgruppe der Kampagne, sagt Wagner, da diese laut Studien öfter von Langzeitfolgen einer Corona-Infektion betroffen seien.

Ex-Taskforce-Mitglied und Neurowissenschaftler Dominique de Quervain begrüsst die Offensive. «Covid-19 führt auch bei mildem Verlauf und jüngeren Menschen häufig zu neurologischen Symptomen, wie Geruchsstörungen, starke Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, welche viele Monate anhalten können.» Das Risiko für diese und andere Long-Covid-Symptome könne durch die Impfung drastisch reduziert werden.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der aktuellen Covid-Taskforce erklären auf Anfrage, es sei überaus wichtig, die Öffentlichkeit für dieses Thema noch stärker zu sensibilisieren. «Da bisher die möglichen Langzeitfolgen von Sars-Cov-2 zu wenig dokumentiert sind, ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich die Forschung weiterhin intensiv damit befasst und sich alle engagieren, dass wichtige Daten dazu erhoben werden. Die daraus neu gewonnenen Erkenntnisse führen dazu, dass wir Long Covid besser verstehen und so den Betroffenen besser helfen können.»

Betroffene im Schnitt 45 Jahre alt

Über die genaue Verbreitung von Long Covid sowie eine klare Definition der Symptome wird in der Forschung noch debattiert. Klar ist, dass Infizierte mit schwerem Krankheitsverlauf ein höheres Risiko haben, an Long Covid zu leiden. Laut BAG spüren 80 Prozent jener, die einen schweren Verlauf hatten, noch zwei Monate danach Symptome. Bei Menschen mit mildem Verlauf sind es sechs Wochen. «Das Durchschnittsalter von Personen mit Langzeitfolgen von Covid-19 liegt bei 45 Jahren», so das BAG. Je mehr bestehende chronische Vorerkrankungen eine Person habe, desto häufiger würden Langzeitfolgen auftreten.

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