Nachweis im Blut: Long-Covid-Patienten leiden offenbar an Autoimmunerkrankung

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Nachweis im BlutLong-Covid-Patienten leiden offenbar an Autoimmunerkrankung

Long-Covid-Betroffene zeigen im Blut Anzeichen einer Autoimmunerkrankung: Laut kanadischen Forschenden bilden sich Antikörper, die sich gegen eigene Zellen und das eigene Gewebe richten.

Was die Behandlung der verschiedenen Long Covid angeht, gibt es noch viel zu erforschen. Gegen schwere Erschöpfungszustände könnte laut US-Forschenden eine Aromaöl-Therapie helfen.

20min/Daniel Schnüriger

Darum gehts

Zwischen fünf und 50 Prozent der von Covid-19 genesenen Personen entwickeln Long Covid (siehe Box). Wie viele es genau sind, lässt sich derzeit nicht beziffern. Denn bisher herrscht Uneinigkeit darüber, wie Long Covid definiert und diagnostiziert werden soll. Auch wie gut die Impfungen vor den Langzeitfolgen schützen, lässt sich nicht eindeutig sagen. In einer kürzlich erschienenen Übersicht über neun der wichtigsten Studien zu dem Thema kamen die Autorinnen zwar zu dem Schluss, dass es klare Hinweise dafür gibt, dass Langzeitfolgen nach Covid-19 seltener auftreten, wenn man vollständig geimpft ist. Aber ein abschliessendes Fazit sei nicht möglich, weil die Ergebnisse der einzelnen Studien zu unterschiedlich seien.

Weitgehend offen ist auch, wie es zu Long Covid kommt und was zu den Symptomen führt. Zumindest etwas Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie von kanadischen Forschenden, die im «European Respiratory Journal» veröffentlicht ist. Laut dieser zeigen Long-Covid-Patientinnen und -Patienten Anzeichen einer Autoimmunerkrankung im Blut: Es bildeten sich offenbar Antikörper, die gegen das eigene Gewebe gerichtet seien, so das Team um Manali Mukherjee von der McMaster-Universität in Ontario und Chris Carlsten University of British Columbia in Vancouver.

Rund 200 Long-Covid-Symptome

Auf der Suche nach Antikörpern, die den Körper angreifen

«Obwohl Long Covid mittlerweile auch von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheitsbild anerkannt wird, wissen wir noch wenig über dessen Ursachen und darüber, wie wir den Patienten eventuell helfen können», sagte Mukherjee in einer Mitteilung. «Ich bin Atemwegsforscherin mit einem Hintergrund in der Erforschung des Immunsystems, und als ich selbst Long-Covid-Symptome erlebte, begann ich, mich über die Rolle des Immunsystems bei dieser Erkrankung zu wundern.» Um mehr darüber herauszufinden, rekrutierten die Forschenden 106 Personen, die zwischen August 2020 und September 2021 an Covid-19 erkrankt waren. Zum Vergleich wurden auch 22 gesunde und 34 Personen, die an einer anderen Infektion der Atemwege gelitten hatten, hinzugezogen.

Bei den meisten Teilnehmenden, die zuvor an Covid-19 erkrankt waren, verschwanden die Autoantikörper mit der Zeit. Bei einigen blieben sie jedoch bestehen: Bei diesen sei es wahrscheinlicher, dass sie weiterhin an Symptomen wie etwa Müdigkeit und Kurzatmigkeit litten und medizinische Hilfe benötigten, so die Forschenden.

Bei den meisten Teilnehmenden, die zuvor an Covid-19 erkrankt waren, verschwanden die Autoantikörper mit der Zeit. Bei einigen blieben sie jedoch bestehen: Bei diesen sei es wahrscheinlicher, dass sie weiterhin an Symptomen wie etwa Müdigkeit und Kurzatmigkeit litten und medizinische Hilfe benötigten, so die Forschenden.

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Die Teilnehmenden an der Studie wurden nach drei, sechs und zwölf Monaten eingehend befragt und untersucht. Auch Blut wurde ihnen abgenommen und auf sogenannte Autoantikörper untersucht. Das sind Antikörper, die sich gegen eigene Zellen oder eigenes Gewebe richten und von denen bekannt ist, dass sie zu Autoimmunkrankheiten beitragen.

Unterschiedliche Entwicklungen

Das Ergebnis: Fast 80 Prozent der von Covid-19 Genesenen wiesen drei Monate und sechs Monate nach der Infektion zwei oder mehr dieser Antikörper im Blut auf. Erst nach einem Jahr ging dieser Anteil auf 41 Prozent zurück. In den beiden Kontrollgruppen gab es hingegen kaum bis keine Hinweise auf eine solche Immunreaktion. Mukherjee erklärt in einer Mitteilung, dass bei der Mehrheit der Patientinnen und Patienten in der Studie «die Autoantikörper, selbst wenn sie kurz nach der Infektion auftraten, nach zwölf Monaten verschwunden» waren.

Bei einigen Personen blieben die Autoantikörper jedoch bestehen: Bei diesen sei es wahrscheinlicher, dass sie weiterhin an Symptomen wie etwa Müdigkeit und Kurzatmigkeit litten und medizinische Hilfe benötigten. «Unsere Daten untermauern die Ergebnisse anderer Gruppen und liefern eine starke Plausibilität dafür, dass es sich bei Long Covid um eine systemische Erkrankung handelt», so Carlsten. Die Forschenden wollen nun Long-Covid-Betroffene über einen Zeitraum von zwei Jahren untersuchen, um zu sehen, wie sich ihre Autoantikörperwerte langfristig verändern.

Bist du von Long Covid betroffen?

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Long Covid?

Hier findest du Hilfe:

Long Covid Kids Schweiz, Selbsthilfegruppe für betroffene Kinder und Jugendliche und deren Eltern

Altea, Long-Covid-Netzwerk Schweiz

Long Covid Schweiz, Verein von Betroffenen für Betroffene

Verband Covid Langzeitfolgen, Anlaufstelle für rechtliche Fragen rund um Long Covid

Rafael, interaktive Informations- und Austauschplattform vom Unispital Genf (französisch)

Health4Future, digitale Plattform zur Erschliessung von Long Covid

Wissen-Push

(heute.at/fee)

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