Aktualisiert 18.07.2011 13:15

Starker FrankenLonza-Mitarbeiter müssen länger arbeiten

Weil der Gewinn am Standort Visp stark unter Druck steht, verlängert Lonza die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. Für die Gewerkschaft ist dies eine «Frechheit».

von
whr
Die Lonza-Mitarbeiter müssen unentgeltlich Mehrarbeit leisten.

Die Lonza-Mitarbeiter müssen unentgeltlich Mehrarbeit leisten.

Der Basler Life-Science-Konzern Lonza erhöht auf den 1. Juli befristet auf 18 Monate die Arbeitszeit für alle Mitarbeiter am Standort Visp von durchschnittlich 41 auf 43 Stunden. Der Gewinn am Standort Visp stehe stark unter Druck, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Die sinkende Profitabilität des Lonza Werks Visp sei primär auf die massive Stärke des Schweizer Frankens, auf eine aggressive Preispolitik von Konkurrenten und steigende Rohstoff- und Energiepreise zurückzuführen, heisst es im Communiqué weiter.

Negative Rahmenbedingungen kompensieren

Für das Jahr 2011 erwartet die Lonza einen negativen Währungseinfluss von rund 60 bis 70 Mio. Franken, wovon das Werk in Visp stark betroffen sei. Zudem sei kurz- und mittelfristig keine wesentliche Verbesserung der Rahmenbedingungen zu erwarten.

Mit der befristeten Erhöhung der Soll-Arbeitszeit auf 43 Stunden für alle Mitarbeiter des Werks in Visp könnten kurzfristig die negativen Rahmenbedingungen teilweise kompensiert werden, schreibt Lonza. Die hohe Auslastung der Anlagen könne damit ohne zusätzliches Personal bewältigt werden, womit ein weiterer Kostenanstieg verhindert werde.

Kaderlöhne unter Beschuss

Die Saläre von Verwaltungsrat und Konzernspitze, 2010 waren das insgesamt rund 10 Millionen Franken, gerieten an der Generalversammlung der Lonza-Aktionäre unter Beschuss. Nur gerade 57 Prozent stimmten für den Vergütungsbericht, wie die Ethos-Stiftung am Mittwoch mitteilte.

Dennoch gibt sich der Konzern zuversichtlich, dass die Mitarbeitenden in Visp die befristete Arbeitszeiterhöhung mittragen werden. Der Schritt sei entscheidend für mögliche künftige Investitionen und somit für das Gedeihen der Lonza in Visp.

Vertragsbruch

Für die Gewerkschaft Unia ist der Fall klar: Lonza bricht den geltenden Kollektivarbeitsvertrag. Zudem habe das Chemie-Unternehmen diesen Vertrag vorzeitig auf Ende Jahr gekündigt. Das ändere aber nichts am «krassen Vertragsbruch». Der Schritt sei ein Affront gegen den Vertragspartner Unia und die Belegschaft. Tatsächlich entspreche die Arbeitszeiterhöhung einer Lohnsenkung um 5 Prozent.

Die einseitige Ankündigung der Lonza sei eine «Frechheit». Der Konzern wälze ein übliches Geschäftsrisiko einfach auf die Belegschaft ab. Der Betrieb könne sich vor Aufträgen kaum retten. Statt Personal einzustellen, müsse die Belegschaft mehr arbeiten, um dem Unternehmen trotz ungünstigem Wechselkurs den Profit zu sichern.

Die Unia verlangt von Lonza, die Arbeitszeitverlängerung zurück zu nehmen, sofort in Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag einzutreten und sich an den geltenden Vertrag zu halten

(whr/sda)

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