Aktualisiert 04.05.2020 17:16

Walliser Ehepaar

«Loredana, bitte sag jetzt die Wahrheit»

Im Juni soll Rapperin Loredana einvernommen werden. Ihr wird vorgeworfen, ein Walliser Paar um viel Geld gebracht zu haben. Für die Betroffenen ist der lang ersehnte Termin ein Lichtblick.

von
20 Minuten

Darum gehts

  • Rapperin Loredana soll ein Walliser Ehepaar um rund 700’000 Franken betrogen haben
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt aufgrund einer Deliktsumme von 350’000 Franken
  • 20 Minuten deckte den Fall vor einem Jahr auf, nun ziehen die Betroffenen Fazit

«Ich habe keine Angst mehr», sagt Petra Z*. zu 20 Minuten. Deutlicher entspannter als noch vor einem Jahr sitzt die Walliserin in ihrer Küche, sie lächelt. Auch ihr Gesicht sieht voller, gesünder aus, nicht mehr aschfahl und knochig. Die Traurigkeit, die beim letzten Besuch von 20 Minuten den ganzen Raum erfüllte, scheint verschwunden zu sein . «Es ist endlich jemand da – unser Anwalt – der sich um alles kümmert. Die Ermittlungen laufen. Das gibt uns Hoffnung, dass wir das Geld zurückbekommen.»

Petra Z. und ihr Mann Hans Z.* werfen Loredana vor, sie um rund 700000 Franken gebracht zu haben. 20 Minuten deckte den Fall vor rund einem Jahr auf (siehe Box «Der Fall Loredana»). Letzten Mai fand eine Hausdurchsuchung bei der Rapperin statt. Loredana wurde daraufhin festgenommen, befragt und gleich wieder freigelassen. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Verdachts auf Betrug ein. Ermittelt wird in Bezug auf eine mögliche Deliktsumme von 350'000 Franken. Für Loredana gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Der Fall Loredana

Loredana und ihr älterer Bruder Berat* sollen dem Walliser Ehepaar Petra Z.* und Hans* laut dessen Aussagen zusammen über 900'000 Franken abgeknöpft haben. Der Bruder rund 200000 und Loredana rund 700000. Die Walliserin hat Anzeige gegen Loredana und ihren Bruder eingereicht.

Die Anzeige gegen Loredanas Bruder wurde jedoch fallen gelassen. Grund: Die Zahlungen in Höhe von rund 200'000 Franken seien freiwillig erfolgt. Ausserdem habe Petra Z. die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen missachtet.

Gegen Rapperin Loredana führt die Staatsanwaltschaft weiterhin eine Untersuchung, wobei in Bezug auf eine Deliktssumme von 350'000 Franken und nicht von 700000 Franken ermittelt wird. Gegenüber dem Paar soll sich Loredana als Anna Landmann ausgegeben haben, Tochter von Star-Anwalt Valentin Landmann. Sie habe gegenüber Petra Z. beteuert, dass sie ihr und ihrem Ehemann helfen wolle, das Geld von Berat zurückzubekommen. Stattdessen soll die Rapperin Petra Z. unter Druck mehrere Hunderttausend Franken abgeknöpft haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Weitere Details zum Fall finden Sie hier.

Einvernahmen mehrmals verschoben

Auf juristischer Ebene ist laut dem Paar seither nicht viel passiert: «Noch am Abend der Festnahme boten mir Loredanas früherer Anwalt und ihr Management zuerst 200’000 Franken und dann 350’000 Franken an», erinnert sich Petra Z. «Doch ich lehnte ab. Loredana schuldet mir mindestens das Doppelte.» Kurz darauf seien die Konten der Rapperin – auf denen sich mehrere Hunderttausend Franken befinden sollen – gesperrt worden. Danach sei den ganzen Sommer nichts geschehen, bis Petra Z. im Herbst ihre Handys abgeben musste. «Es wurde untersucht, was noch alles drauf ist. Zuerst waren die Handys in Luzern und dann bei der Bundespolizei in Bern. Erst nach rund acht Wochen erhielt ich sie zurück.» Ob und was genau darauf gefunden worden ist, wisse sie nicht.

Petra Z. und Loredana

Petra Z. und Loredana

Im Dezember sei Petra Z. mitgeteilt worden, dass im Februar 2020 erste Einvernahmen stattfinden sollten. Doch daraus wurde nichts. Petra Z. vermutet: «Loredana wollte kurz darauf ihre ‹King-Lori›-Tour starten, weshalb die Einvernahmen verschoben wurden.» Die Einvernahmen wurden für April 2020 festgesetzt, fanden jedoch wieder nicht statt. «Es hiess, dass es mit der Corona-Krise zu tun hat», sagt Petra Z. Einen Lichtblick gebe es für sie jedoch: «Die Einvernahmen sind nun für Juni geplant.»

Das sagt Loredanas Anwalt

Herr Fingerhuth*, wie geht es Loredana?

Loredana leidet sehr unter den Vorwürfen. Sie wünscht sich eine Einstellung des Verfahrens.

Was ist seit der Festnahme auf juristischer Ebene passiert?

Nichts.

Warum?

Die Ermittlungen wurden durch die Corona-Krise gebremst.

Wie geht es wann weiter?

Mitte Juni 2020 finden wieder Befragungen statt. Wie bereits erwähnt, sind wir der Auffassung, dass das Verfahren eingestellt werden muss. Wenn tatsächlich eine Anklage erhoben wird, ist, so denke ich, mit einer Verhandlung frühestens im Frühling 2021 zu rechnen.

Der frühere Anwalt von Loredana wollte einen Vergleich erzielen. Steht dieses Angebot noch?

Wie bereits erwähnt, ist das Verfahren für Loredana eine grosse Belastung. Als Anwalt versuche ich, alle Möglichkeiten für eine Einstellung des Verfahrens auszuloten und dabei ist selbstverständlich auch ein Vergleich eine Option.

*Thomas Fingerhuth ist ein Strafverteidiger aus Zürich und Loredanas Anwalt.

Leben am Existenzminimum

Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft Luzern versichert, dass «die Untersuchung aktiv geführt» wird. Er bestätigt, dass demnächst eine Befragung mit Loredana stattfinden werde. Kopp: «Wie das Verfahren weiterläuft, hängt auch von dieser Befragung ab.»

Das Ehepaar ist zuversichtlich, dass die Staatsanwaltschaft Luzern den Fall aufklären wird. Es hofft aber, dass es bald zügiger vorwärtsgeht. «Wir wissen, dass es sehr kompliziert ist und dass es auch viel Material gibt», sagt Petra Z. «Aber ohne einen Entscheid haben wir kein Geld. Wir werden weiterhin am Existenzminimum leben müssen.» Auch an die Rapperin wendet sich die Walliserin: «Du hast immer gesagt: ‹Ich schwöre bei Gott, bei meiner Tochter und meiner Familie: ich sage die Wahrheit.› Loredana, bitte sag jetzt die Wahrheit.»

Gelernt habe das Paar, dass man niemandem richtig vertrauen könne, sagt Petra Z. Sie wolle anderen gern etwas mit auf den Weg geben: «Wenn euch jemand droht oder nötigt, geht direkt zur Polizei. Auch ich hätte das viel eher machen sollen.»

*Namen der Redaktion bekannt

So verlief 2019 für Loredana

Beruflich hat die Rapperin im letzten Jahr abgesahnt: Sie veröffentlichte mehrere Singles, die Millionen Klicks erzielten. Mitte September veröffentlichte sie ihr Debütalbum «King Lori». Ihre Singleauskopplung «Kein Plan» zusammen mit Rapper Mero erreichte im September 2019 zum ersten Mal Platz eins der deutschen Singlecharts.

Ende 2019 setzte Loredana sich bei einer Publikumsabstimmung in der Kategorie «Best Swiss Act» gegen die übrigen Nominierten Faber, Stefanie Heinzmann, Monet 192 und Ilira durch und staubte den MTV Europe Music Award 2019 ab. Kurz darauf – im Januar 2020 – veröffentlichte Loredana den Song «Kein Wort», den sie gemeinsam mit der deutschen Rapperin Juju performt. Der Song wurde sofort zum Hit und brach mit über zwei Millionen Streams den Rekord des meistgestreamten Songs weiblicher Künstlerinnen am Release-Tag.

Deutlich schlechter lief es privat: Kurz nachdem der Fall im Mai publik wurde, verstarb ihr Vater. Im Herbst wurde bekannt, dass sich Loredana und der kosovarische Rapper Mozzik getrennt haben. Beide gaben bisher den Grund für die Trennung nicht bekannt, jedoch gab es eine Menge Anspielungen. Seither kümmert sich vorwiegend Loredana um die gemeinsame Tochter Hana.

Es wird gemunkelt, dass Loredana inzwischen etwas mit Rapper-Kollege Zuna hat. Beide bestreiten die Beziehung jedoch vehement. In einem Interview mit 20 Minuten nahm Rapper Mozzik erstmals Stellung zu den Betrugsvorwürfen gegenüber Loredana: «Zuerst habe ich gedacht, Loredana hat nichts damit zu tun. Dann aber … ich habe die Augen dieser Frau gesehen, ihre Gestik und so … ich habe ihr ein bisschen geglaubt. Mein Kopf glaubt Loredana, mein Herz ein bisschen der Frau.»

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