Neue Details zum Deal: Loredana zahlt 609’000 Franken an Petra Z.
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Neue Details zum DealLoredana zahlt 609’000 Franken an Petra Z.

Recherchen bringen neue Details zum Deal zwischen der Rapperin und Petra Z. ans Licht. Loredana soll ihre Schuld im Strafverfahren eingestanden haben und müsse der Walliserin zur Wiedergutmachung 609’000 Franken bezahlen.

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20 Minuten

Das Video entstand diesen August, ein Jahr nachdem 20 Minuten den Fall Loredana publik gemacht hatte. Nun haben Loredana und Petra Z*. einen Deal geschlossen.

Darum gehts

  • Nachdem Petra Z. der Rapperin Loredana vorwarf, sie um 700’000 Franken gebracht zu haben, einigten sich die beiden aussergerichtlich.
  • Jetzt werden weitere Details des Deals bekannt: 609’000 Franken soll Loredana zur Wiedergutmachung an die Walliserin bezahlt haben.
  • Für die Rapperin soll das einen «massiven finanziellen Einschnitt» bedeuten.

Plötzlich waren sie wieder Freunde: Bilder zeigten Loredana und Petra Z.* beim Kaffeetrinken, später postete die Rapperin sogar einen Screenshot eines Videoanrufs der beiden auf Instagram. Es war eine überraschende Wende, schliesslich bestritt Loredana die Vorwürfe von Petra Z. stets vehement und stellte sie als Lügnerin dar. Im Strafverfahren gegen die Rapperin zeigte sie hingegen bereits zu Beginn Reue und Einsicht. Das offenbart die zwölfseitige Einstellungsverfügung der Luzerner Staatsanwaltschaft, die der Redaktion CH Media vorliegt.

Bereits Ende August machte 20 Minuten publik, dass die beiden einen Deal ausgehandelt haben. Kurz darauf teilte die Staatsanwaltschaft offiziell mit, dass das Verfahren gegen Loredana eingestellt worden sei. Die genauen Hintergründe blieben bislang aber offen.

Loredana entschuldigte sich bei Petra Z.

Jetzt wird klar, welchen Betrag Loredana bezahlt hat und weshalb die Staatsanwaltschaft den Deal abnickte. Laut CH Media hat die Rapperin schon in der ersten Einvernahme die Darstellung von Petra Z. in den Grundzügen bestätigt. Zuerst habe sie zwar noch versucht, ihren Bruder als Haupttäter darzustellen. Dann habe sie aber realisiert, dass dies nicht glaubwürdig sei, und die Tat vorbehaltlos anerkannt.

Während Loredana in der Öffentlichkeit ihre Unschuld betonte, entschuldigte sie sich im Strafverfahren bei Petra Z., sie sei sich des Unrechts ihres Handelns bewusst und übernehme dafür die Verantwortung, heisst es gemäss der Zeitung in der Einstellungsverfügung.

So viel Geld erhielt Petra Z.

Für die Einigung mit Petra Z. griff Loredana tief in ihre Tasche: 609’000 Franken zahlt Loredana der Walliserin als Wiedergutmachung und Entschädigung für Anwaltskosten. Dazu kommen die Verfahrenskosten von 13’000 Franken. Damit bezahlt die Rapperin der Walliserin mehr als die von der Staatsanwaltschaft ermittelte mögliche Deliktsumme von 350’000 Franken, aber weniger als die von Petra Z. geforderten 700’000 Franken, die ihr Loredana abgeknöpft haben soll.

Laut der Einstellungsverfügung zahlt die Rapperin diese Wiedergutmachung «keineswegs gewissermassen aus der Portokasse». Vielmehr bedeuteten die 609’000 Franken für sie einen «massiven finanziellen Einschnitt», selbst wenn sich die finanzielle Situation von Loredana «deutlich stabilisiert» habe. Das Strafverfahren dürfte Loredana von weiteren Delikten abhalten, meint der leitende Staatsanwalt.

«Grossen psychischen Druck» ausgeübt

Auf Petra Z. habe die Rapperin «grossen psychischen Druck» ausgeübt, schreibt die Staatsanwaltschaft. Sie geht von gewerbsmässigem Betrug aus. Obwohl der Deliktbetrag als hoch erscheine, stuft die Staatsanwaltschaft die Tat nur als mittelschwer ein. Entlastend sei das «unbedarfte» Verhalten von Petra Z. Sie überwies gemäss der Verfügung trotz Warnung der Walliser Kantonspolizei weiter Geld an Loredana.

Die Staatsanwaltschaft hat laut Verfügung eine hypothetische Strafe «von nicht mehr als zwei Jahren» für angemessen gehalten. Da Loredana gegenüber den Strafverfolgungsbehörden jedoch stets Einsicht gezeigt habe, ist die Voraussetzung für eine bedingte Strafe gemäss der Staatsanwaltschaft gegeben gewesen. Loredana wäre also ohne Wiederholungstat kaum hinter Gittern gelandet.

Ausschaffung abgewendet

Obwohl die Rapperin im Strafverfahren offenbar ihre Schuld eingestanden hat, gilt Loredana dank der Einstellung des Verfahrens offiziell als unschuldig und bleibt straffrei. Damit muss die Kosovarin auch keine Angst vor einer Ausschaffung mehr haben. Wäre sie hingegen des gewerbsmässigen Betrugs verurteilt worden, wäre sie – sofern kein persönlicher Härtefall vorgelegen hätte – nach Kosovo abgeschoben worden.

*Name der Redaktion bekannt

Der Fall Loredana

Loredana und ihr älterer Bruder Berat* sollen dem Walliser Ehepaar Petra* und Hans Z.* laut dessen Aussagen zusammen über 900’000 Franken abgeknöpft haben: der Bruder rund 200’000 und Loredana rund 700’000 Franken. Die Walliserin hat Anzeige gegen Loredana und ihren Bruder eingereicht. 20 Minuten deckte den Fall im August 2019 auf.

Die Anzeige gegen Loredanas Bruder wurde jedoch fallengelassen. Grund: Die Zahlungen in Höhe von rund 200’000 Franken seien freiwillig erfolgt. Ausserdem habe Petra Z. die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen missachtet.

Gegen die Rapperin Loredana führte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung, wobei in Bezug auf eine Deliktsumme von 350’000 Franken und nicht von 700’000 Franken ermittelt wurde. Gegenüber dem Paar soll sich Loredana als Anna Landmann, Tochter von Staranwalt Valentin Landmann, ausgegeben haben. Sie habe gegenüber Petra Z. beteuert, dass sie ihr und ihrem Ehemann helfen wolle, das Geld von Berat zurückzubekommen. Stattdessen soll die Rapperin Petra Z. unter Druck mehrere Hunderttausend Franken abgeknöpft haben.

Die ganze Chronologie des Falls finden Sie hier.

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