22.09.2020 18:55

Nach BetrugsvorwurfLoredana und Petra Z. haben einen Deal ausgehandelt

Rapperin Loredana soll dem Walliser Ehepaar Petra* und Hans Z.* rund 700’000 Franken abgeknöpft haben. Jetzt haben sich die zwei Parteien aussergerichtlich geeinigt.

von
20 Minuten

Das Video entstand diesen August, ein Jahr nachdem 20 Minuten den Fall Loredana publik machte. Vergangene Woche haben Loredana und Petra Z*. jetzt einen Deal geschlossen.

Darum gehts

  • Petra Z. wirft Rapperin Loredana vor, sie um 700’000 Franken gebracht zu haben.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelte aufgrund einer Deliktsumme von 350’000 Franken.
  • Jetzt haben Loredana und Petra Z. eine aussergerichtliche Einigung erzielt.

Die deutsche «Bild» zeigt am Dienstag Bilder von Loredana und Petra Z. Die beiden Frauen trafen sich laut der Zeitung am Wochenende in der Schweiz. Der Grund dürfte folgender sein:

Loredana und Petra Z. haben einen Deal. Wie 20 Minuten weiss, haben sich die Deutschrapperin und die Walliserin kürzlich aussergerichtlich geeinigt. Zuvor ermittelte die Staatsanwaltschaft Luzern wegen Verdachts auf Betrug mit einer möglichen Deliktsumme von 350'000 Franken gegen die Rapperin. Im Juni wurde Loredana einvernommen, danach hätte die Staatsanwaltschaft entschieden, ob Anklage erhoben wird.

Dazu wird es jetzt wohl nicht kommen, mit dem Deal dürfte eine Anklage vom Tisch sein. Petra und ihr Mann Hans Z. warfen der Rapperin vor, sie um 700’000 Franken gebracht zu haben. Für Loredana gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Nach der Einvernahme von Loredana sagte Petra Z. im Juni zu 20 Minuten, dass sich ihr Anwalt sicher sei, dass es zur Anklage kommen werde – «Ausser es kommt vorher zu einer Einigung des Geldbetrags. Für mich steht jedoch fest: Ich will das gesamte Geld retour.»

Auf Social Media zeigen sich Rapperin Loredana und Petra Z. am Dienstagabend versöhnt: Ein von Loredana gepostetes Bild auf Instagram zeigt die zwei in einem Videocall. Beide strahlen, Petra Z. winkt freudig in die Kamera.

Ist das ein Schuldeingeständnis?

Ein Deal mitten in einem laufenden Verfahren ist keine Seltenheit – und macht laut dem Basler Anwalt und Strafrechtsexperte Andreas Noll oft auch Sinn. «Ein Verfahren ist eine langwierige und kostenintensive Angelegenheit, mühsam und anstrengend.» So komme es generell viel günstiger, wenn man sich privat einige und oft sei auch das Resultat fairer, weil die Betroffenen selber mitwirken können. «Ein Gerichtsurteil kennt man nie im Voraus. Deshalb obliegt dieses einer gewissen Beliebigkeit», sagt Noll. So bestehe immer das Risiko, dass man den Prozess verliere für beide Parteien. Eine aussergerichtliche Einigung könne aber nicht mit einem Schuldeingeständnis gleichgesetzt werden, da eine beschuldigte Person zum Zeitpunkt der Verhandlung unschuldig sei, sagt Andreas Noll. «Im Prinzip lässt sich eine unschuldige Person auf eine Strafe ein.»

Rapperin Loredana könnte mit dem Deal einer happigen Strafe entkommen: Als kosovarische Staatsangehörige droht ihr bei einer Verurteilung die Ausschaffung. «Bei gewerbsmässigem Betrug ist eine Landesverweisung obligatorisch», sagt Anwalt Noll. Es sei jedoch eine Ermessensfrage, ob ein Betrug gewerbsmässig sei und von der Einschätzung des Einzelfalls abhängig.

Wie Loredanas Fall beurteilt worden wäre, bleibt ein Rätsel. Klar ist: Das Risiko einer Ausschaffung schwächte ihre Verhandlungsposition und könnte ein Grund gewesen sein, weshalb es überhaupt zu einer Einigung kam.

Loredana: «Wollte was sagen»

Am Montag postete Loredana einen kryptischen Text in ihre Instagram-Story: «Ich wollte was sagen, aber durfte nichts erzählen.» Mit diesen Worten dürfte sie wohl auf die Einigung mit Petra Z. anspielen: «Dieser Satz ist nicht nur eine Line, sondern die Beschreibung meines Lebens in den letzten 18 Monaten», erklärt sie in einem späteren Instagram-Post. Neben dem Song «Intro», aus dem der Satz stammt, gab sie zudem das Releasedatum ihres neuen Albums «Medusa» bekannt.

Erst seit Montag ist ihr Instagram-Account überhaupt wieder aktiviert. Anfangs September löschte sie diesen ohne Vorankündigung, nachdem der Hashtag «#BoykottLoredana» an Fahrt aufnahm.

Diese Botschaft postete Loredana in ihrer Instagram-Story.

Diese Botschaft postete Loredana in ihrer Instagram-Story.

Dass Loredana wie sie schreibt nichts erzählen darf, deutet darauf hin, dass die zwei Parteien Stillschweigen über ihren Deal vereinbart haben. Auch Petra Z. will sich auf Anfrage nicht äussern. Ob und wie viel Geld Loredana an Petra Z. bezahlt hat, bleibt deshalb unklar.

*Name der Redaktion bekannt

Der Fall Loredana

Loredana und ihr älterer Bruder Berat* sollen dem Walliser Ehepaar Petra* und Hans Z.* laut dessen Aussagen zusammen über 900'000 Franken abgeknöpft haben. Der Bruder rund 200’000 und Loredana rund 700’000 Franken. Die Walliserin hat Anzeige gegen Loredana und ihren Bruder eingereicht. 20 Minuten deckte den Fall im August 2019 auf.

Die Anzeige gegen Loredanas Bruder wurde jedoch fallengelassen. Grund: Die Zahlungen in Höhe von rund 200'000 Franken seien freiwillig erfolgt. Ausserdem habe Petra Z. die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen missachtet.

Gegen Rapperin Loredana führte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung, wobei in Bezug auf eine Deliktsumme von 350'000 Franken und nicht von 700’000 Franken ermittelt wurde. Gegenüber dem Paar soll sich Loredana als Anna Landmann, Tochter von Star-Anwalt Valentin Landmann, ausgegeben haben. Sie habe gegenüber Petra Z. beteuert, dass sie ihr und ihrem Ehemann helfen wolle, das Geld von Berat zurückzubekommen. Stattdessen soll die Rapperin Petra Z. unter Druck mehrere Hunderttausend Franken abgeknöpft haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Weitere Details zum Fall finden Sie hier.

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694 Kommentare
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KöpfchenCH

23.09.2020, 17:51

Wo ist der Kopf von Medusa?

Klarö

23.09.2020, 17:51

Medusa wurde der gekööpft.

eine Frage

23.09.2020, 15:55

Was ist nun, wollte sie etwas sagen oder ein Märchen erzählen?