Aktualisiert 29.10.2007 19:19

Loriots «bessere Hälfte» ist tot

Die Hamburger Schauspielerin Evelyn Hamann ist nach einer schweren Krankheit gestorben. Die Schauspielerin, die ihr Publikum zunächst jahrelang als Sketch-Partnerin von Vico von Bülow (Loriot) und danach als «Adelheid» ihr Serienpublikum unterhielt, erlag einem Krebsleiden.

Als «bessere Hälfte» von Loriot ist Evelyn Hamann zur Ikone der TV-Unterhaltung geworden. Ob als Frau Hoppenstedt beim Jodeldiplom, sich bei englischen Zungenbrechern verhaspelnde Fernsehansagerin, vor allem aber als Fräulein Hildegard, deren Partner beim Heiratsantrag eine Nudel im Gesicht klebt - mit ihrem komisch-ernsten Gesichtsausdruck brachte Hamann als Sketch-Partnerin von Vicco von Bülow Jung und Alt zum Lachen. Doch auch als Verbrecher jagende Sekretärin in der ARD-Reihe «Adelheid und ihre Mörder» zog sie ein Millionenpublikum vor die Fernseher. In der Nacht auf Montag starb die Schauspielerin im Alter von 65 Jahren nach einer schweren Krankheit.

Die künstlerische Ader wurde der Hamburgerin schon in die Wiege gelegt: Der Vater der am 6. August 1942 geborenen Evelyn war Konzertmeister, die Mutter Sängerin und Musikpädagogin. Bereits während ihrer Schauspielausbildung spielte Hamann am Thalia Theater in Hamburg, später an Bühnen in Göttingen und Bremen.

Der Durchbruch im Fernsehen gelang ihr als kongeniale Partnerin von Vicco von Bülow, mit dem sie von 1976 bis 1979 in der Reihe «Loriot» zu sehen war. Dabei hatte Loriot zunächst für seine Sketch-Reihe «eine blonde, pummelige Hausfrau» vorgeschwebt. Nachdem Hamann ihm vorgespielt hatte, sagte er: «Liebe Frau Hamann, wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen täglich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann fülliger?» Doch die hagere Brünette überzeugte ihn so sehr, dass er sich mit der Bemerkung «Gut, dann eben nicht pummelig» für sie entschied.

Hamann selbst bezeichnete dies als «Geschenk des Himmels». Bei den gemeinsamen Sketchen habe sie von Loriot jene Detailversessenheit gelernt, die für wirkliche Komik unerlässlich sei, sagte sie einmal. Die Schauspielerei heisse nicht umsonst Schauspielkunst. «Die Inszenierung von Humor erfordert Strenge, Kunstfertigkeit und Disziplin», betonte die medienscheue Hanseatin in einem ihrer seltenen Interviews. Loriot lobte sie als hervorragende, sehr professionelle Schauspielerin.

Doch sie glänzte nicht nur als Loriot-Partnerin, sondern verwandelte sich in Hunderte verschiedene Frauenfiguren und -typen. In der «Schwarzwaldklinik» spielte Hamann an der Seite von Klausjürgen Wussow dessen altjüngferliche Haushälterin, stand für die Serien «Der Landarzt» und «Das Traumschiff» vor der Kamera. Seit 1992 verkörperte sie in der ARD-Reihe «Adelheid und ihre Mörder» die kuriose Hobby-Detektivin Adelheid Möbius - eine Sekretärin, die mit ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden ihre Kollegen übertrumpft.

Glaubwürdig normale Menschen darstellen

Bei ihren Rollen kam es Hamann nach eigenen Worten darauf an, auf glaubwürdige Weise normale Menschen darzustellen. «Für mich ist wichtig, dass sich der Zuschauer denkt: Ja, so eine Frau kenne ich wirklich.» Oft zeigte die Hamburgerin auf humor- und liebevolle Art Frauen, die das Schicksal gebeutelt hat. In ihren zahlreichen «Geschichten aus dem Leben» scheute sie weder Perücken noch Maske und Kostüme, um mit enormer Genauigkeit im Detail ihre Figuren zu verkörpern.

Für ihre schauspielerischen Leistungen wurde Hamann mit dem Telestar, dem Bayerischen Fernsehpreis, der Goldenen Kamera, dem Goldenen Löwen und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Für ihre Rolle der Mörder jagenden Adelheid wurde sie sogar zur Ehrenkommissarin der bayerischen Polizei ernannt.

Ihr Privatleben schirmte Hamann vor der Öffentlichkeit ab. Bekannt ist nur, dass sie kurze Zeit verheiratet war, ansonsten aber die Gesellschaft ihrer Katzen vorzog und im Hamburger Stadtteil Harvestehude lebte. Die Schauspielerei spielte für sie eine wichtige Rolle: «Ich bin mit wirklich schönen Aufgaben betreut und beschenkt», sagte Hamann in einem Interview. (dapd)

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