Aktualisiert 05.03.2004 14:32

Lotsen-Mord: Weiterhin kein Geständnis

Mit der Tötung des Skyguide-Fluglosten hat der 48-jährige Hauptverdächtige gemäss eigenen Aussagen nichts zu tun.

Nach Ansicht der Zürcher Bezirksanwaltschaft hat jedoch die bisherige Auswertung der Spuren den Tatverdacht erhärtet.

Die Bezirksanwaltschaft befragte am Freitagvormittag den mutmasslichen Täter, der sich weiterhin in der psychiatrischen Klinik Rheinau ZH befindet. Den Tatverdacht habe der Angeschuldigte nicht entkräften können, schreibt die Zürcher Bezirksanwaltschaft in einem Communiqué. Dem 48-jährigen Mann aus Ossetien wurden die bisherigen Erkenntnisse der Spurenauswertung vorgelegt.

In den nächsten Tagen wollen die Untersuchungsbehörden weitere Einvernahmen mit dem Angeschuldigten durchführen und zusätzliche Spurenauswertungen vornehmen. Gemäss Communiqué gibt es zurzeit keine konkreten Hinweise auf eine Beteiligung von Drittpersonen am Tötungsdelikt vom 24. Februar in Kloten. Dennoch werden die Ermittlungen auch in diese Richtung weitergeführt.

Anwaltsbesuche in der Klinik

Der Hauptverdächtigte ist am Freitagvormittag zum dritten Mal von seinem amtlichen Verteidiger besucht worden. Der 48-Jährige habe erneut gesagt, dass er mit der Tötung des Fluglotsen nichts zu tun habe, erklärte der Zürcher Anwalt Markus Hug auf Anfrage. Er sei in einem guten Zustand, habe aber weiterhin psychische Probleme wegen der Tragödie von Überlingen, bei der er seine Frau und beide Kinder verlor.

Nach Einschätzung von Hug dürfte sein Mandant die Klinik in den nächsten Tagen verlassen und in ein normales Untersuchungsgefängnis verlegt werden. Über die Verlegung entscheiden die Psychiater auf Grund der Suizidgefahr. Deswegen ist der Russe in der Klinik.

Hug steht in regem Kontakt mit dem Büro des Anwalts Michael Witti in Berlin. Zusammen mit dem Hamburger Anwalt Gerrit Wilmans kümmert sich Witti um die Vertretung des Hauptverdächtigen. Witti wollte in dieser Woche seinen Mandanten in der Schweiz besuchen, musste jedoch gemäss Hug krankheitshalber darauf verzichten.

Begräbnis und Gedenkminuten

Zu Ehren des getöteten 36-jährigen Fluglosten haben seine Skyguide-Kollegen am Freitagnachmittag auf den Schweizer Flughäfen eine Gedenkminute eingelegt. Zur gleichen Zeit ist das Opfer in seiner Heimat in Dänemark beigesetzt worden.

Während der Gedenkminute um 13.09 Uhr gab es keine Starts auf den Flughäfen von Zürich, Genf, Bern und Lugano. Von der Aktion waren Landungen und Überflüge nicht betroffen. Auch in anderen Ländern, darunter Dänemark, Frankreich und Deutschland, legten Fluglotsen die Arbeit für kurze Zeit nieder.

Mit der symbolischen Aktion wurde nicht nur des getöteten Fluglotsen gedacht, sondern auch der 71 Opfer der Flugzeugtragödie von Überlingen vom Sommer 2002. Mit der Gedenkminute wurde auch die Verbundenheit mit den Familien der Hinterbliebenen demonstriert.

Der vor zehn Tagen erstochene Fluglotse ist in der Nähe von Kopenhagen beigesetzt worden. Vertreten war die Schweizer Flugsicherung durch CEO Alain Rossier, weiteren Mitgliedern der Geschäftsleitung sowie einigen Arbeitskollegen, wie Skyguide- Kommunikationschefin Rosemarie Rotzetter auf Anfrage sagte.

(sda)

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