Schweizer Studie: LSD hilft todkranken Patienten

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Schweizer StudieLSD hilft todkranken Patienten

Ein Schweizer Psychiater hat zwölf Patienten legal LSD verabreicht. Jetzt hat er die Ergebnisse seiner zweijährigen Studie veröffentlicht und zieht eine positive Bilanz.

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Der Solothurner Psychiater Peter Gasser erhielt 2007 vom Bundesamt für Gesundheit die Bewilligung, Patienten, die im Sterben liegen, mit LSD zu behandeln. Am Dienstag hat er erstmals zusammen mit drei weiteren Autoren im «Journal of Nervous and Mental Disease» Ergebnisse seiner Studie veröffentlicht. Das Experiment war das erste in über 40 Jahren, wie «The New York Times» schreibt. Das Ziel: Die Patienten sollen die Angst vor dem Tod besser verarbeiten können. Zwölf Kranke – die meisten mit Krebs im Endstadium – erklärten sich deshalb dazu bereit, zur Gesprächstherapie zusätzlich eine Dosis LSD einzunehmen. Während die Droge wirkte, wurden sie von den Experten überwacht. «Ich habe ihnen gesagt, dass jede Sitzung in meinem Büro stattfinde, in einer sicheren Umgebung, und ich sei ein Teil davon», so Gasser. «Ich sagte ihnen, ich könne nicht garantieren, dass sie sich nicht extrem elend fühlen würden, aber falls dies passieren sollte, werde es wieder vorbeigehen.»

Und seine Warnung war nicht unberechtigt. Die meisten Patienten hätten während des Trips geweint, viele von ihnen hätten sich gewunden. Ein 67-Jähriger habe erzählt, dass er seinen lange verstorbenen Vater im All getroffen habe. Dieser habe ihm zustimmend zugenickt, schreibt die amerikanische Zeitung. Während das LSD wirkte, hätten die Patienten lange mit Gasser über ihre Gefühle gesprochen. «Ich hatte so was wie eine mystische Erfahrung, die eine Weile andauerte. Der grösste Teil war für mich pures Elend wegen all jener Erinnerungen, die ich für Jahrzehnte verdrängt hatte», sagt einer der Patienten. «Ich wusste nicht, dass ich am Reden war, bis mich Dr. Gasser darauf aufmerksam machte.» Er habe vorher kaum jemals über seine Gefühle gesprochen.

Kaum Nebenwirkungen

Das Ergebnis dieser aussergewöhnlichen Therapiemethode könnte halluzinogenen Drogen den Weg zurück in die Wissenschaft ebnen. Denn nach zwei Monaten wöchentlicher Therapie ging es den acht Patienten, die eine volle Dosis erhalten hatten, wesentlich besser. Und dieser Zustand hielt ein Jahr lang an. Die restlichen vier hatten eine geringere Dosis erhalten und zeigten eine negative Entwicklung. Nach den Tests hätten sie jedoch die Möglichkeit gehabt, die volle Dosis zu probieren.

Dennoch bleibt Gasser vorsichtig: «Die Studie war zu klein, um beweiskräftig zu sein.» Doch könnten die Ergebnisse als erster Erfolg angesehen werden. Denn das LSD habe keine ernsten Nebenwirkungen gezeigt – mit Ausnahme der therapeutisch wertvollen Gefühlsausbrüche. Auch die Patienten empfanden die Behandlung laut einem Teilnehmer als lohnenswert: «Ich würde sagen, ich bin seit der Studie emotionaler geworden, und ich meine damit nicht immer glücklich. Aber ich glaube, es ist besser zu leben, als nur zu funktionieren.»

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