Angeklagt: Lubangas Anwälte beklagen Instrumentalisierung
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AngeklagtLubangas Anwälte beklagen Instrumentalisierung

Die Anwälte des früheren kongolesischen Milizführers Thomas Lubanga betrachten den Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) als politisches Manöver. Der kongolesische Präsident Joseph Kabila wolle sich auf diesem Weg nur eines Rivalen entledigen.

Die leitende Anwältin Catherine Mabille erklärte am Dienstag in Den Haag, der Prozess sei wegen der Zurückhaltung vertraulicher Beweismittel unfair. Lubanga soll Kindersoldaten zum Töten, Plündern und Vergewaltigen gezwungen haben.

Am zweiten Prozesstag erklärte Biju-Duval, die Staatsanwaltschaft klammere die Hauptverantwortlichen aus. Der Prozess gegen Lubanga sei nur eine Hilfestellung für Kabila. Mabille beklagte die bruchstückhafte Veröffentlichung von Beweismaterial. Entlastende Beweise würden zurückgehalten und die Verteidigung müsse versuchen, die Puzzlestücke zusammenzusetzen, sagte Mabille.

Der Prozess gegen den 48-jährigen Lubanga sollte bereits im Juni vergangenen Jahres beginnen, verzögerte sich aber wegen des Disputs über die Verwendung vertraulicher Beweise. Die Vereinten Nationen und Nicht-Regierungsorganisationen haben zahlreiche Beweise unter der Bedingung vorgelegt, dass sie nicht Lubangas Anwälten und in einigen Fällen selbst Richtern nicht gezeigt werden. Verhaftet wurde Lubanga 2005. Ein Jahr später wurde er nach Den Haag überstellt.

Erstmals Zeugensagen vor internationalem Gericht

Das Verfahren gegen Lubanga ist das erste Mal, dass sich ein Kriegsherr vor einem internationalen Tribunal wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten verantworten muss. Chefankläger Luis Ocampo-Moreno sagte in seinem Eröffnungsplädoyer am Montag, Lubangas Miliz habe Hunderte von Kindern unter 15 Jahren als Soldaten und Sexsklaven missbraucht und traumatisiert. Die Kinder litten noch heute unter den traumatischen Erlebnissen dieser Verbrechen.

Am Mittwoch sollten in dem Prozess die ersten Zeugen aussagen. An dem internationalen Verfahren nehmen erstmals auch Opfer teil. 93 ehemalige Kindersoldaten werden von acht Anwälten vertreten.

(dapd)

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