Aktualisiert 06.04.2015 10:06

Germanwings-Absturz

«Lubitz war kein Täter, sondern ein Opfer»

Co-Pilot Andreas Lubitz riss beim Flugzeugabsturz 149 Menschen mit in den Tod. Ein US-Arzt sieht in ihm dennoch keinen Täter. Lubitz sei unschuldig, seine Krankheit habe das getan.

von
pat
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Andreas Lubitz (27) war der Co-Pilot der Germanwings-Maschine, die am 24. März 2015 in den französischen Alpen in eine Felswand krachte.

Andreas Lubitz (27) war der Co-Pilot der Germanwings-Maschine, die am 24. März 2015 in den französischen Alpen in eine Felswand krachte.

Das Haus der Familie Lubitz in Montabaur (Rheinland-Pfalz) wird am 26. März 2015 von Polizisten bewacht.

Das Haus der Familie Lubitz in Montabaur (Rheinland-Pfalz) wird am 26. März 2015 von Polizisten bewacht.

Keystone/AP/Michael Probst
Die Familie befindet sich derzeit auf dem Weg zur Unglücksstelle.

Die Familie befindet sich derzeit auf dem Weg zur Unglücksstelle.

Keystone/AP/Michael Probst

«Es war nicht Andreas Lubitz, der das getan hat, es war seine Krankheit» – mit dieser Aussage nach der Germanwings-Tragödie in den französischen Alpen sorgt der US-Neurologe Robert M. Sapolsky für Empörung.

Sapolsky ist Professor für Neurologie an der renommierten Stanford-Universität. In einem Beitrag für die «LA Times» schreibt er: «Der Germanwings-Absturz hatte 150 Opfer, nicht 149.»

Lubitz habe aufgrund seiner Depressionen keinen Einfluss auf seine Entscheidung gehabt, er sei deshalb unschuldig, so Sapolsky weiter. Der Germanwings-Co-Pilot litt unter schweren Depressionen und war für den Tag des Absturzes eigentlich krankgeschrieben.

Arzt warnt vor Pauschalurteilen

Die Krankheit sei biologischen Ursprungs: «Eine Depression ist wie alle psychischen Erkrankungen eine Störung. Sie bringt den Betroffenen in einen Zustand, bei dem das Wesen aufgrund biologischer Veränderungen nicht wiederzuerkennen ist.»

Er warnt vor Pauschaulurteilen. Die meisten Menschen, die unter Depressionen litten, würden nicht zu aggressiven Handlungen neigen, schreibt er weiter. «Wenn die beispiellose Tat von Andreas Lubitz Menschen, die unter Depressionen leiden, dazu bringt, ihre Krankheit zu verstecken, zu verleugnen oder zu ignorieren, wird die Zahl der Unschuldigen, die umkommen, 150 klein erscheinen lassen», so der Arzt.

Empörte Leser

Bei den Lesern der «LA Times» stiessen die Worte des Neurologen auf Unverständnis. So ist etwa in den Kommentaren zum Artikel zu lesen: «Wir alle kennen Menschen, die an Depressionen leiden, jedoch haben nur wenige von ihnen die Fähigkeit, einen Massenmord zu begehen.» Zahlreiche andere werfen Sapolsky vor, die Tat zu verharmlosen. Lubitz sei kein Opfer, sondern ein Massenmörder.

Lubitz hat die Lufthansa bereits im Jahr 2009 als Flugschüler über eine «abgeklungene, schwere depressive Episode» informiert, nachdem er seine Pilotenausbildung für mehrere Monate unterbrechen musste. Er galt vor mehreren Jahren als suizidgefährdet.

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