Wunder von Gladbach: Lucien Favre, ein Heiland im Hoch
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Wunder von GladbachLucien Favre, ein Heiland im Hoch

Der Ex-FCZ-Trainer Lucien Favre hat Borussia Mönchengladbach vor dem Abstieg aus der deutschen Bundesliga bewahrt. Der Romand wird nun als grosser Held gefeiert.

Der Traditionsverein erreicht im Relegations-Rückspiel in Bochum ein 1:1 und sicherte sich nach dem 1:0 im Hinspiel den Klassenerhalt.

Marco Reus erlöste den Bundesligisten mit seinem Ausgleich in der 72. Minute. Der 21-jährige Gladbacher Aufsteiger der Saison, dessen Einsatz wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel bis kurz vor Spielbeginn ungewiss war, traf mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze in die nahe Ecke. Die Vorlage zu Reus' elftem Treffer in der laufenden Saison hatte Igor de Camargo geliefert. Der Belgier hatte am letzten Donnerstag mit seinem Treffer in der Nachspielzeit zum 1:0 die Gladbacher in dieser Relegation letztlich entscheidend in Front gebracht.

Schwacher Start

Der Abend im mit knapp 30'000 Zuschauern ausverkauften Rewirpower-Stadion in Bochum hatte für Favre und sein Team alles andere als ideal begonnen. Wie bereits im Hinspiel entpuppte sich der Dritte der 2. Bundesliga als ebenbürtiger Gegner und setzte die Gladbacher von Beginn weg unter Druck. Marcel Maltritz setzte mit seinem Kopfball an die Latte (3.) ein erstes Ausrufezeichen, zwanzig Minuten später hatten die Bochumer den Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert. Der Norweger Havard Nordtveit hatte einen Querpass von Bochums Captain Christoph Dabrowski ins eigene Tor gelenkt. Erst nach dem 0:1 wachte der Bundesligist auf und bekam das Spiel besser unter Kontrolle. Bei einem Kopfball von Mohamadou Idrissou an die Latte kurz vor der Pause hätte der Ausgleich bereits fallen können.

Favre vollbrachte mit dem Klassenerhalt ein kleines Fussball-Wunder. «Das ist phantastisch. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. Wir haben immer daran geglaubt», sagte der Romand. Als er Mitte Februar den abgeschlagenen Tabellen-Letzten übernommen hatte, betrug der Rückstand auf den Relegationsplatz sieben Punkte. Als «Helferli» war der frühere FCZ-Meistertrainer von der «Bild»-Zeitung bei seinem Amtsantritt abschätzig betitelt worden. Favres akribische Arbeit zeigte aber sofort Wirkung. Der 53-Jährige, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2013, setzte bei der Mannschafts-Organisation und -Taktik den Hebel an und stabilisierte das Team in der Defensive - ohne die Offensive zu vernachlässigen. «Die Spieler haben schnell verstanden, was ich will», so Favre. Die Gladbacher holten in der Bundesliga unter der Führung des Schweizers 20 Punkte in 12 Spielen - zehn davon in den vier letzten Partien. Und auch in der Relegation gegen einen ebenbürtigen Gegner fand der ehemalige Internationale, der im Herbst 2009 bei Hertha Berlin entlassen worden war, die richtige Taktik.

Ruhe vor der Jahreshauptversammlung

Bei der Borussia, die den dritten Abstieg in der Vereingsgeschichte nach 1999 und 2007 vermeiden konnte, dürfte damit vor der Jahreshauptversammlung am Sonntag etwas Ruhe einkehren. Eine Oppositionsgruppe mit Stefan Effenberg an der Spitze plant den Sturz von Präsident Rolf Königs, der nach dem Klassenerhalt aber wieder etwas fester im Sattel sitzen dürfte. Bochum verpasste das Kunststück, zum sechsten Mal nach einem Abstieg aus der Eliteklasse direkt wieder aufzusteigen.

(Video: YouTube/Nostalgiefohlen)

VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach 1:1 (1:0)

Hinspiel: 0:1 (0:0). - Mönchengladbach

Rewirpower-Stadion. - 29'615 Zuschauer.

Tore: 24. Nordtveit (Eigentor) 1:0. 72. Reus 1:1.

Bemerkungen: 3. Kopfball von Maltritz (Bochum) an die Latte. 41. Kopfball von Idrissou (Gladbach) an die Latte. (si)

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