Überraschende Pläne: Lüthi fährt 2010 in der «Königsklasse» MotoGP
Aktualisiert

Überraschende PläneLüthi fährt 2010 in der «Königsklasse» MotoGP

«Wir wollen 2010 in der Klasse MotoGP fahren.» Erstmals hat Lüthis Manager Daniel Epp gegenüber 20 Minuten Online exklusiv die Zukunftspläne für seinen Piloten Tom Lüthi offenbart.

von
Klaus Zaugg
Assen

Die 250ern-Klasse verschwindet am Ende dieser Saison und wird durch die Viertakter-Serie Moto2 (600 ccm, 4 Zylinder) ersetzt. Epp: «Die interessiert uns eigentlich nicht. Es ist die Lehrlingskategorie für die Königsklasse. Warum sollten wir bei den Lehrlingen antreten, wenn wir die Möglichkeit haben, ganz oben, in der Klasse MotoGP zu fahren? Es gibt ja von den Anforderungen her kaum Unterschiede.»

Wirtschaftliche Interessen

Hinter diesem Entscheid stehen handfeste wirtschaftliche Interessen: Lüthi ist kein verlässlicher Podest- oder gar Siegfahrer bei den 250ern und wird es auch in der Nachfolgekategorie Moto2 nicht sein. Dafür hat er einfach zu wenig Biss. Mit seinen Leistungen bietet er den Sponsoren auf Dauer zu wenig. In der «Königsklasse» aber zählt - durchaus ähnlich wie in der Formel 1 - das Mitfahren mehr als das Resultat.

Wenn die Sponsoren die Gewissheit haben, in der gleichen Liga wie Valentino Rossi präsent zu sein, spielt es keine Rolle mehr, ob Lüthi auf dem 7., 8. oder 11. Rang hinterher fährt. «In Spanien und Italien hat MotoGP eine Bedeutung, die nahe an die Formel 1 herankommt», sagt Epp. «Und wir haben Partner, die an einer Präsenz in diesen Ländern sehr stark interessiert sind.»

Eigenes Team mit Bikes von Honda

Epp wird ein eigenes Team aufbauen und managen. Gespräche mit Honda für die Lieferung von zwei MotoGP-Bikes sind am Laufen. «Wir haben mit Honda die 125er-WM gewonnen und unsere Kontakte zu den Japanern sind nach wie vor sehr gut.» Auch vom GP-Organisator DORNA hat Epp grünes Licht bekommen - er ist mit Lüthi als Fahrer in der Königsklasse willkommen, die auch nächste Saison aus höchstens 20 oder 21 Piloten bestehen wird.

Im internationalen Fokus

Der Kostenaufwand, so Epp, sei für die Klasse MotoGP schwer abzuschätzen. Er rechnet mit rund vier Millionen Franken. «Das ist finanzierbar.» Mit dem Aufstieg in die «Königsklasse» wird aus einem bisher nationalen ausgerichteten Team eines mit internationaler Präsenz. Bei den 125ern und bei den 250ern (bzw. nächste Saison der Klasse Moto2) bleibt die Ausstrahlung weitgehend auf die Schweiz beschränkt.

Die Klasse MotoGP aber bietet den Sponsoren eine Plattform auch in Spanien, England, Italien oder Deutschland. Epp: «Und das ist im Interesse unserer aktuellen Geldgeber, die international ausgerichtet sind» Er ist daher zuversichtlich, dass er diese Geldgeber (unter anderem Emmi und Interwetten) für den Einstieg in die «Königsklasse» begeistern kann.

Moto2 als Notlösung

Aber weshalb hat er für 2010 auch einen Platz in der 250er-Nachfolgeklasse Moto2 reserviert? «Das wäre bloss die Notlösung, ein Plan B, wenn alle, wirklich alle Stricke reissen sollten.»

Aber davon geht der Macher Epp nicht mehr aus und er sagt gegenüber 20 Minuten Online auch: «Die Karriere von Tom Lüthi geht nach dieser Saison auf jeden Fall weiter.» In seinem Wesen und Wirken ist Epp schon von Kopf bis Fuss auf die Klasse MotoGP eingestellt. Und wahrscheinlich auch sein Fahrer. Das ist die wahrscheinlichste Erklärung für Lüthis miserable Trainingsresultat beim GP von Holland in Assen, den er als 15. des Trainings aus der vierten Reihe heraus in Angriff nimmt. Bisher war er bei den 250ern im Training nie weiter hinten als auf Position 14 klassiert.

Deine Meinung