Aktualisiert 04.05.2012 11:30

Protest mit Gleitschirm«Luftangriff» auf AKW

Wie verwundbar Atomkraftwerke bei Terrorangriffen sind, bewies ein Greenpeace-Aktivist in Frankreich: Von einem Motor-Gleitschirm warf er zwei Rauchbomben über der Anlage ab und landete auf dem Gelände.

von
dga

<i>(Quelle: <a href="http://www.greenpeace.org/international/en/news/Blogs/nuclear-reaction/greenpeace-once-again-exposes-security-failur/blog/40213/" target="_blank">greenpeace.org</a>)</i>

Wenige Tage vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace durch eine spektakuläre Aktion die Sicherheitsrisiken französischer Atomkraftwerke angeprangert.

Ein Aktivist überflog am Mittwoch mit einem Motor-Gleitschirm das Atomkraftwerk im ostfranzösischen Bugey. Über einem der Reaktoren angelangt, warf er zwei Rauchbomben ab und landete offensichtlich unsanft auf dem Gelände des AKW, wie im obigen Video zu sehen ist.

Ob der Gleitschirmpilot mit einem geplanten Flugmanöver auf dem AKW-Gelände landete, ist unklar. Klar ist, dass der Mann anschliessend eine weitere Rauchbombe zündete. Der Aktivist und eine weitere Person wurden schliesslich festgenommen.

Betreiber sieht kein Sicherheitsrisiko

«Das Ziel dieser Aktion ist, eine Botschaft an die beiden Präsidentschaftskandidaten zu senden, die das Risiko der Atomkraft leugnen», sagte eine Sprecherin von Greenpeace Frankreich. Es sollten die Risiken eines Angriffs von aussen auf ein Atomkraftwerk aufgezeigt werden, etwa ein Flugzeugabsturz.

Der Atomkraftwerkbetreiber, der Stromkonzern EDF, versicherte, dass die Aktion die Sicherheit der Atomanlage nicht in Frage gestellt habe. Die Ende 2011 verstärkten Sicherheitsmassnahmen hätten es erlaubt, den Aktivisten sofort zu entdecken und zu ergreifen.

Laut dem Innenministerium wurde der Motor-Gleitschirm bereits entdeckt und verfolgt, «bevor er überhaupt die Anlage überflogen hat». Es sei klar gewesen, dass es sich um einen Umweltschutzaktivisten handelte.

Präsidentschaftskandidaten halten an Atomstrom fest

Frankreich ist der grösste Atomstromproduzent Europas, drei Viertel des Stroms kommen aus den 58 Atomreaktoren. Die beiden Präsidentschaftskandidaten für die Stichwahl am nächsten Sonntag, der konservative Staatschef Nicolas Sarkozy sowie der Sozialist François Hollande, wollen an der Atomkraft festhalten.

Hollande will allerdings schrittweise umsteuern und in der nächsten Amtszeit das mehr als 30 Jahre alte, besonders umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zur Schweiz und zu Deutschland abschalten. (dga/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.