Aktualisiert 16.02.2004 14:17

Lufthansa bleibt trotz Boykott gelassen

Mehrere hundert Reisebüros haben am Montag eine Boykottaktion gegen Lufthansa gestartet. Aus Protest gegen den geplanten Wegfall der Provisionen an Reisebüros sollen bis Mittwoch möglichst keine Lufthansa-Tickets verkauft werden.

Nach Angaben des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter Verbandes (DRV) haben rund 660 Reisebüros in einer Verbandsumfrage bis Ende voriger Woche angekündigt, die neuen Verkaufsverträge der Lufthansa nicht zu unterschreiben. Die Frist war am Samstag abgelaufen.

Lufthansa habe noch zahllose unterschriebene Verträge bekommen und sehe der Boykottaktion gelassen entgegen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Bis Freitag habe die Airline rund zwei Drittel ihres bisherigen Ticketumsatz gesichert gehabt.

Das Internet-Reiseportal Opodo, an dem Lufthansa und andere Fluggesellschaften beteiligt sind, warb am Montag demonstrativ in grossen Tageszeitungen mit halbseitigen Anzeigen. Unter der Überschrift «Kein Lufthansa-Ticket im Reisebüro bekommen?» hiess es, online lasse sich 24 Stunden am Tag buchen.

Stinksauer

«Die Reisebüros sind stinksauer auf Lufthansa», sagte DRV- Sprecher Christian Boergen. Eine genaue Erhebung über das Ausmass des Boykotts werde der DRV nicht machen. Die Protestaktion sei keine offizielle Aktion des Verbandes. Der DRV bereite aber eine Klage vor dem Landgericht Köln gegen Lufthansa vor.

Viele kleine Reisebüros fürchten um ihre Existenz. In den USA habe die Umstellung des Provisionsmodells mehr als 55 000 Jobs bei Reisebüros gekostet.

Lufthansa hat sich bislang vom Protest nicht beeindrucken lassen. Die Pläne sehen vor, vom 1. September an die bisherigen Provisionen zwischen fünf und neun Prozent des Ticketpreises einzubehalten. Die Reisebüros sollen stattdessen für Verkauf und Beratung ein Serviceentgelt auf den Preis aufschlagen.

Deutliche Einsparungen

Lufthansa spart dadurch nach Branchenangaben mehr als 100 Mio. Euro. Das neue Preismodell sei in anderen Ländern längst üblich und biete für Reisebüros eine Menge Chancen, argumentiert die Kranich- Airline. Weitere Fluggesellschaften haben bereits angekündigt, dem Beispiel der Lufthansa zu folgen.

Vor allem grössere Geschäftsreisebüroketten haben die neuen Lufthansa-Verträge unterschrieben. Allerdings sei dies in vielen Fällen wie etwa bei den Reisebüros des Touristikkonzerns TUI unter Protest und unter rechtlichen Vorbehalten geschehen, sagte DRV- Sprecher Boergen.

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss hatte Anfang Jahr in einem ähnlichen Fall nach Boykottdrohungen von Reisebüros eingelenkt. Sie hatte Internet-Buchern Tickets um 25 Fr. billiger verkaufen wollen, als den Reisebüros. Preisunterschiede bestehen jetzt nur noch bei den beiden billigsten Buchungsklassen.

(sda)

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