Aktualisiert 24.04.2020 20:13

Corona-Krise

Lufthansa fordert Rekord-Hilfe auch aus der Schweiz

Die Lufthansa will 10 Milliarden Euro Staatshilfe unter anderem aus der Schweiz. Ein Lufthansa-Grounding bedeutet aber nicht, dass auch die Maschinen der Swiss am Boden bleiben.

von
fpo
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Die Corona-Krise beschert der Lufthansa einen happigen Verlust.

Die Corona-Krise beschert der Lufthansa einen happigen Verlust.

Ralph Orlowski
Der bereinigte Betriebsverlust EBIT vergrösserte sich im ersten Quartal auf 1,2 Milliarden Euro.

Der bereinigte Betriebsverlust EBIT vergrösserte sich im ersten Quartal auf 1,2 Milliarden Euro.

AP/Michael Probst
Im Vorjahr hatte die Swiss-Mutter nur ein Defizit von 336 Millionen Euro ausgewiesen.

Im Vorjahr hatte die Swiss-Mutter nur ein Defizit von 336 Millionen Euro ausgewiesen.

Reuters/Ralph Orlowski

Die Lufthansa ist durch die Coronakrise tief in die roten Zahlen geflogen. Das erste Quartal schloss das grösste deutsche Luftfahrtunternehmen mit einem Verlust von 1,2 Milliarden Euro ab (20 Minuten berichtete). Weil der Flugbetrieb weiterhin auf unbestimmte Zeit lahmgelegt ist, erwartet der Konzern für das zweite Quartal einen erheblich höheren Verlust.

«Die Lufthansa verliert eine Million Euro pro Stunde», sagte der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr. Dazu kommt die Rückerstattung der Flugtickets, die wegen Corona nicht mehr genutzt werden. Die Bargeldreserven der Lufthansa in Höhe von rund 4 Milliarden Euro dürften also nicht mehr lange ausreichen.

10-Milliarden-Rettungspaket

Um die Zahlungsfähigkeit zu sichern, verhandelt die Lufthansa-Gruppe derzeit mit Regierungen über Staatshilfen, wie es in einer Mitteilung heisst. Auch mit der Schweizer Regierung führt die Gruppe Gespräche, da ihr auch die Swiss gehört.

Die Lufthansa zeigt sich zuversichtlich, dass die Gespräche schon nächste Woche erfolgreich beendet werden. Geplant ist ein Rettungspaket in Höhe von 10 Milliarden Euro plus Kredite, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Österreich, Belgien und die Schweiz sollen zusammen etwa 1 bis 1,5 Milliarden Euro stemmen. Die Höhe der Geldtöpfe sei aber noch in Verhandlung, sagte eine Quelle.

Es wäre ein Rekordbetrag für die Rettung eines Luftfahrtunternehmens. Zum Vergleich: American Airlines erhielt in einem ersten Paket umgerechnet fast fünf Milliarden Euro an Hilfen. Weitere Geldpakete könnten aber folgen.

Geld soll in der Schweiz bleiben

Belgiens Regierung wollte sich gegenüber Reuters nicht äussern. Österreich erklärte, dass die Lufthansa staatliche Beihilfen beantragen könne. Die Schweizer Bundespräsidentin und Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga sicherte der Schweizer Luftfahrtbranche bereits vor gut zwei Wochen Unterstützung zu (20 Minuten berichtete).

Die Höhe der Beiträge wollte Sommaruga damals nicht kommentieren. Vom Bund garantierte Mittel müssen nach Ansicht des Bundesrats aber «in einem angemessenen Verhältnis zum Engagement der Muttergesellschaften stehen» und ausschliesslich zur Sicherstellung der schweizerischen Infrastrukturen verwendet werden.

Der Bundesrat verlangt, dass das Geld für die Luftfahrt in der Schweiz bleibt. Er will ausser der Swiss und weiteren Betrieben in der Luftverkehrsbranche insbesondere den drei Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel helfen.

Denn auch die Flughäfen sind in der Krise. Dem Flughafen Zürich fehlen derzeit praktisch sämtliche Einnahmen, wie CEO Stephan Widrig Mitte April zu 20 Minuten sagte: (20 Minuten berichtete). «Wir verlieren derzeit pro Monat einen zweistelligen Millionenbetrag.» Denn die Fixkosten könne man kaum kürzen – sie seien an die Infrastruktur gebunden.

Rund 190'000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Schweizer Luftfahrtindustrie. Sollten Staatshilfen ausbleiben, wäre eine Reduktion des Angebots die Folge – mit einschneidenden Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Schweiz, befürchtet Christoph Regli. Der Pilot und Leiter des Aviatik-Lehrgangs an der ZHAW sagt zu 20 Minuten: «Als Exportnation ist die Schweiz auch von einer funktionierenden und vor allem auch vorhandenen Luftfahrtanbindung abhängig.»

Folgen eines Lufthansa-Groundings

Was geschieht mit der Lufthansa, sollte sie keine Staatshilfe erhalten? Der Aviatik-Experte Sepp Moser sagt zu 20 Minuten: «Die Rechnung ist einfach. Schafft es die Lufthansa nicht, die nötigen Mittel aufzubringen, um den Betrieb aufrecht zuhalten, dann kann es zum Grounding kommen.»

Ein Lufthansa-Grounding bedeute aber nicht sofort, dass auch die Maschinen der Swiss auf dem Boden bleiben. «Kommt der deutsche Konkursverwalter zum Schluss, dass der weitere Betrieb der Swiss Sinn macht, dann fliegen die Maschinen weiter. Die Airline verfügt über alle nötigen Lizenzen und Bewilligungen», sagt Moser. Die Hoffnung sei in diesem Fall, dass ein guter Käufer gefunden wird.

Ein Besitzerwechsel und auch ein mögliches Ende der Swiss würden Moser nicht stören. Er verstehe nicht, wieso die Schweiz sich mit der Swiss noch immer so verbunden fühlt. «Wie viele andere Unternehmen auch, wird sie nämlich schon längst aus dem Ausland kontrolliert. Auch wenn sie das Schweizer Kreuz auf der Heckflosse trägt. Es geht um Tatsachen und nicht um Emotionen.»

Käme es zum Swiss-Grounding, dann hätte das allerdings auch Konsequenzen für den Flughafen Kloten. Die Tore schliessen kann er nämlich nicht so einfach. «Hier spielen rechtliche und wirtschaftlich Aspekte eine wichtige Rolle», sagt Moser. Der Flughafen habe Konzessionen. «Als interkontinentaler Airport muss er zum Beispiel rund um die Uhr als Notfall-Flughafen zur Verfügung stehen. Zudem gibt es Verträge mit anderen Unternehmen, die eingehalten werden müssen. Hier spreche ich in erster Linie von der Bodenabfertigung, Catering und technische Betreuung für andere Airlines.»

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