Luftfahrt: Lufthansa kündigt radikale Kostensenkung an
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LuftfahrtLufthansa kündigt radikale Kostensenkung an

Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa will angesichts drohender roter Zahlen ihre Kosten radikal senken und auch massiv Stellen streichen. Die Kostenbasis im Passagiergeschäft soll bis Ende 2011 um 1 Mrd. Euro reduziert werden. Die Konzerntochter Swiss werde aber verschont.

Die bislang ergriffenen Sparmassnahmen reichten nicht aus, um auf den Einbruch der Nachfrage und die hohen Treibstoffpreise zu reagieren, erklärte der neue Lufthansa-Vize Christoph Franz am Donnerstag in einem Brief an die Mitarbeiter der Passagier-Sparte.

Unter anderem soll in der Verwaltung mittelfristig bis zu ein Fünftel der Stellen eingespart werden. Details zum Sparprogramm, das den Namen «Climb 2011» trägt, will die Lufthansa erst in den kommenden Wochen bekanntgeben.

Auf die Lufthansa-Tochter Swiss habe das Programm keine Auswirkungen, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

«Mit Augenmass»

Betriebsbedingte Kündigungen seien derzeit nicht geplant, stellte eine Konzernsprecherin klar. Das Sparprogramm solle «mit Verantwortungsbewusstsein und Augenmass» umgesetzt werden. Laut dem früheren Swiss-Chef Franz verdient die wichtigste Lufthansa-Sparte im laufenden Jahr nicht mehr ihre eigenen Kosten.

Dieser Negativtrend aus dem ersten Quartal setze sich auch bei den Halbjahreszahlen fort, die am 30. Juli veröffentlicht werden sollen. Die Durchschnittserlöse je Passagier gehen gemäss Franz weitaus stärker zurück als die Zahl der Fluggäste.

Weniger Flugzeug-Bestellungen

Auch ihre Flugzeugbestellungen will die Lufthansa unter die Lupe nehmen. So müsse der Zeitplan für die Flugzeugauslieferungen ab dem kommenden Jahr infrage gestellt werden, schreibt der ehemalige Swiss- Chef Franz. Grund dafür seien die rückläufigen flüssigen Geldmittel aus dem operativen Geschäft.

In den Jahren 2008 bis 2014 hat die Lufthansa-Passagiersparte den Angaben zufolge insgesamt 160 neue Flieger mit einem Gesamt- Listenpreis von 16 Mrd. Euro zu finanzieren. Aufgrund der hohen üblichen Rabatte beim Flugzeugkauf sind die Listenpreise aber nicht mit den tatsächlichen Kosten gleichzusetzen.

Neben dem geplanten Stellenabbau in der Verwaltung kündigte Franz an, dass die Lieferanten «innerhalb und ausserhalb des Konzerns» auch einen Beitrag leisten müssten. Über die konkreten Massnahmen werde derzeit beraten. (sda)

Börse reagiert positiv

Die Börse reagierte positiv auf die Sparpläne. An der Frankfurter Börse legten die Lufthansa-Aktien zu. Es war erwartet worden, dass die Lufthansa wegen der Flaute noch mehr sparen muss.

Der Einbruch bei den Geschäfts- und Ferienreisen sowie ein deutlich geringeres Frachtaufkommen machen derzeit allen Fluggesellschaften zu schaffen. Bei der Lufthansa ging die Zahl der Passagiere im ersten Halbjahr um 8 Prozent zurück.

Anders bei der Swiss: Die Schweizer Lufthansa-Tochter steigerte die Zahl der Passagiere von Januar bis Juni im Vergleich zur Vorjahresperiode um 1 Prozent.

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