Aktualisiert 01.04.2010 15:42

ArbeitskampfLufthansa-Piloten zu Schlichtung bereit

Der für Mitte April angekündigte Pilotenstreik bei der Lufthansa könnte doch noch abgewendet werden.

Im laufenden Tarifstreit bei der grössten deutschen Fluggesellschaft hat sich die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) zu einem Schlichtungsverfahren bereiterklärt und damit einen Vorschlag der Lufthansa akzeptiert. Zunächst wolle man nun die Modalitäten klären, sagte VC-Sprecher Jan Krawitz am Donnerstag. Mit Beginn der Schlichtung seien die Piloten bereit, eine Friedenspflicht einzuhalten.

Wann das Schlichtungsverfahren beginnen kann und wer es leiten soll, war aber zunächst unklar. Die Pilotenvereinigung erklärte, «unverzüglich» in die Verhandlungen einsteigen zu können. Die Lufthansa begrüsste die Erklärung, forderte aber, dass die Gewerkschaft zuvor ihre Streikdrohung zurückzieht. Der angedrohte Streik sollte nach den bisherigen Plänen am Dienstag, 13. April, 00.00 Uhr, an allen deutschen Stationen beginnen und bis Freitag, 16. April, 23.59 Uhr, dauern.

Schadenersatzdrohung in Höhe von 48 Millionen Euro

Bereits Ende Februar waren rund 4000 Lufthansa-Piloten zu einem viertägigen Streik aufgerufen, der aber nach einem Tag nach einer Verhandlung vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gestoppt wurde. Dennoch verursachte der Ausstand nach Angaben das Unternehmens einen Schaden von 48 Millionen Euro. Am Mittwoch drohte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer mit einer Schadenersatzforderung in gleicher Höhe, sollte der angekündigte Streik tatsächlich durchgeführt werden.

In dem Tarifstreit geht es um den Vergütungs- und Manteltarifvertrag für das Cockpitpersonal der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Besonders umstritten sind Regelungen aus dem Konzerntarifvertrag, die festlegen, welche Flugzeuge von wem geflogen werden müssen.

Derzeit darf auf Maschinen mit mehr als 70 Sitzplätzen nur Personal eingesetzt werden, das nach dem höheren Tarif der Kerngesellschaft Passage bezahlt wird. VC wirft dem Konzern aber vor, schon seit einigen Jahren zu versuchen, diese Bestimmung zu umgehen, um mehr Flugzeuge bei Auslandstöchtern mit schlechterer Bezahlung einzusetzen.

Die Lufthansa-Führung schlug den Piloten am Mittwoch in einem Brief vor, die Fragen der Vergütung und der Arbeitsbedingungen in einer Schlichtung zu klären. Über eine Neuregelung des besonders umstrittenen Konzerntarifvertrags solle hingegen in einer Arbeitsgruppe verhandelt werden. Sollte dies bis Jahresende nicht gelingen, würde sich die Lufthansa nicht mehr an den Vertrag gebunden fühlen.

VC hält letztes Angebot für unzureichend

Letzteren Punkt lehnte die VC in ihrer Mitteilung vom Donnerstag ab. Ein gemeinsam geschlossener Tarifvertrag verliere seine Wirksamkeit nicht durch die einseitige Erklärung einer der vertragsschliessenden Parteien. Das letzte Angebot hatten die Piloten als unzureichend zurückgewiesen: Es bestehe aus einer 21-monatigen Nullrunde und einer deutlichen Verschlechterung des Manteltarifvertrages.

2001 hatte der frühere Aussenminister Hans-Dietrich Genscher den damaligen erbitterten Tarifstreit um die Forderung der Piloten nach bis zu 35 Prozent mehr Geld geschlichtet. Tageweise legten die Piloten ihre Arbeit nieder, für Tausende Passagiere ging gar nichts mehr. Nach dem Schlichtungsverfahren unter Genschers Leitung erhielten die Piloten über zehn Prozent mehr Geld. (dapd)

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