«Time-out» mit Klaus Zaugg: Lugano - oder wenn der Trainer zum Depp wird
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggLugano - oder wenn der Trainer zum Depp wird

So viel Talent war noch nie unter dem Strich klassiert. Nicht einmal 2007, als die ZSC Lions ins Playout mussten. Oder 2008, als es Lugano erwischte. Die Tessiner schaffen dieses «Kunststück» jetzt erneut. Der Grund ist klar.

von
Klaus Zaugg

Der HC Lugano des Herbstes 2009 ist die teuerste und beste Mannschaft, die je unter den Strich gefallen ist. Und es ist ein logischer Sturz. Die Krise begann schon vor der Saison. Genau: Am 26. August 2009.

An diesem 26. August hat das Management des HC Lugano vermeldet, der Vertrag mit Petteri Nummelin - er wird am 25. November 37 - seit vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2013 verlängert worden. Dieser Vertragsverlängerung ging ein von Nummelins Berater schlau gestreutes Gerücht voraus, sein Schützling habe Millionenangebote aus Russland.

Ein kluges Management hätte darauf nicht einmal reagiert. Der finnische Kultverteidiger hatte ja sowieso noch einen Kontrakt bis 2011.

Mannschaft «uncoachbar»

Der Tag dieser unsinnigen Vertragsverlängerung, dieser 26. August, ist der Tag, an dem Lugano untergegangen und Trainer Kenta Johansson zum Depp gemacht worden ist. Denn an diesem 26. August haben die Spieler einmal mehr erkannt, dass sie machen können, was sie wollen. Dass sie alle Macht haben.

Wenn die Spieler die Macht haben, wird die Mannschaft «uncoachbar». Ein Alptraum für jedes Hockeyunternehmen. Der Trainer kann dann heissen wie er will, er ist auf verlorenem Posten. Weil die Spieler wissen, dass sie immer am längeren Hebel sitzen. Erschwerend kommt für Kenta Johansson hinzu, dass er, wie viele skandinavischen Trainer, auf die Eigenverantwortung der Spieler setzt.

Lugano hat das Talent, um die Meisterschaft zu gewinnen und das Management für den Abstieg in die NLB. Aus dieser Mischung ergeben sich spektakuläre Playouts. Es sei denn, Kenta Johansson wagt es, durchzugreifen. So wie Raimo Summanen bei den Lakers.

Vorbild Lakers

Es gibt nämlich noch so ein Datum in dieser Saison, das einen Wendepunkt markiert. Der 26. September 2009. An diesem Tag haben die Lakers den EHC Biel mit 6:0 vom Eis gefegt. Und der Kanadier Stacy Roest sass auf der Tribune.

Nur ein im besten Sinne des Wortes verrückter Trainer wagt dieses Risiko: Raimo Summanen setzte den ausländischen Spieler in einer heiklen Phase nicht ein, der seit sechs Jahren König von Rappi ist und spielte freiwillig nur mit drei Ausländern. Seit Einführung der Playoffs (1985/86) hat kein anderer Coach je den Mut gehabt, so konsequent mangelhafte Leistung zu bestrafen.

Ein Zeichen setzen

Hätten die Lakers gegen Biel verloren, wäre Summanen in Teufels Küche geraten. Er wagte alles und gewann alles: Die Mannschaft reagierte auf diese Bestrafung der kanadischen Diva positiv. Seit diesem 26. September ist der Trainer bei den Lakers das unantastbare Alphatier. Nicht bloss in der Kabine. Sondern im ganzen Hockeyunternehmen. Die Spieler wissen, was es geschlagen hat. An diesem 26. September ist Summanens Position vorerst zementiert worden.

Wann fliegt Raimo Summanen? Diese Frage habe ich diese Saison schon einmal gestellt. Das war zu einem Zeitpunkt, als der im besten Hockeysinne verrückte finnische Feuerkopf noch nicht bei den Lakers gelandet war. Das Datum seiner Landung ist der 26. September.

Deine Meinung