Belarus – Lukaschenko bezeichnet EU-Staatschefs als Wahnsinnige
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BelarusLukaschenko bezeichnet EU-Staatschefs als Wahnsinnige

Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko wirft der polnischen Regierung Provokation vor. In einem Fernsehinterview schiesst der 67-Jährige scharf gegen die Europäische Union.

von
Angela Rosser
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In einem Interview mit einem belarussischen TV-Senders schiesst Alexander Lukaschenko scharf gegen die EU.

In einem Interview mit einem belarussischen TV-Senders schiesst Alexander Lukaschenko scharf gegen die EU.

REUTERS
Er weist den Vorwurf, eine Flüchtlingskrise zu orchestrieren von sich und wettert gegen die EU: «Und ihr Bastarde, Wahnsinnige, wollt, dass ich euch vor Migranten schütze?»

Er weist den Vorwurf, eine Flüchtlingskrise zu orchestrieren von sich und wettert gegen die EU: «Und ihr Bastarde, Wahnsinnige, wollt, dass ich euch vor Migranten schütze?»

AFP
Für das hohe Aufkommen an Flüchtenden macht er international organisierte Schleuser-Netzwerke verantwortlich.

Für das hohe Aufkommen an Flüchtenden macht er international organisierte Schleuser-Netzwerke verantwortlich.

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Darum gehts

  • In einem Interview weist Lukaschenko die Vorwürfe, den Flüchtlingsstrom zu orchestrieren, von sich.

  • Nicht er, sondern die EU würden die Grenzen destabilisieren.

  • Sollten Fehler passieren, droht Lukaschenko mit dem Einschreiten der Atommacht Russland.

Auf die Vorwürfe der EU und Polen, Lukaschenko würde Migrantinnen und Migranten aus Krisenregionen einfliegen um sich an den westlichen Regierungen zu rächen, reagiert der belarussische Machthaber mit klaren Worten. Er dreht den Spiess um und wirft der Europäischen Union vor, einen «Hybrid-Krieg» zu führen, schreibt «Die Welt». «Und ihr Bastarde, Wahnsinnige, wollt, dass ich euch vor Migranten schütze?», sagt er in einem Interview mit einem belarussischen TV-Sender. Zuvor hatten die Staatschefs der EU ihm den erwähnten «Hybrid-Krieg» angelastet. Ein «Hybrid-Krieg», bezeichnet eine Kriegsform, bei der auch nicht-militärische und verdeckte Mittel angewendet werden. Lukaschenko wird somit vorgeworfen, mit seiner Flüchtlingspolitik die EU destabilisieren zu wollen.

Schleuser-Netzwerke seien verantwortlich

Für das hohe Aufkommen an Flüchtenden macht er international organisierte Schleuser-Netzwerke verantwortlich. Das seien aber keine Staatsbürgerinnen und -bürger von Belarus. Und zu den Flüchtenden findet er ebenfalls klare Worte: «Das sind keine armen Leute, die kommen, sie haben ein Loch bei uns entdeckt», führt der letzte Diktator Europas weiter aus. Für den Strom an flüchtenden Menschen seien Länder wie die USA und andere westliche Staaten zur Verantwortung zu ziehen. Sie hätten in Ländern wie Afghanistan und Irak Krieg geführt. Diese Menschen würden nun verschiedenste Routen nutzen, um sich in Europa ein besseres Leben aufzubauen.

Diese Menschen würden lediglich nicht in Belarus bleiben wollen und deshalb nach Europa gehen, führte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensaja am Dienstagabend aus. «Wer führt also diese Krise herbei, baut Zäune mit Stacheldraht und konzentriert Truppen an der Grenze?», fragte der Botschafter weiter.

Lukaschenko bringt Atommacht ins Spiel

Nach den Sanktionen der EU gegen Belarus, wie dem Verbot vom Überfliegen des EU-Luftraums, polterte Lukaschenko, er werde niemanden mehr aufhalten. Auch den Drogenschmuggel werde er nicht mehr bekämpfen. Unterschwellig droht Lukaschenko in dem TV-Interview sogar mit einem Atomkrieg als Antwort auf drohende Provokationen an der Grenze. «Falls wir hier, was Gott behüte, auch nur den geringsten Fehler begehen, wird das sofort Russland mit hineinziehen – die größte Atommacht der Welt!»

EU droht mit Sanktionen

Wie «Bild» schreibt, habe in der Nacht auf Mittwoch der deutsche Aussenminister Heiko Maas (55) mit weiteren Sanktionen gedroht. Die EU sei «nicht erpressbar». «All diejenigen, die sich an der gezielten Schleusung von Migrantinnen und Migranten beteiligen, werden wir sanktionieren», schreibt das Aussenministerium in einer Mitteilung.

Polnische Grenzbewohner fürchten Krieg

Die polnischen Grenzbewohner und -bewohnerinnen fürchten sich vor einem Krieg. «Helikopter fliegen jeden Tag, es gibt jede Menge Truppen und Polizisten. Immer wieder fahren Autos mit Blaulicht vorbei», sagt Janusz Pawłowski (68) ein Rentner. Die Wirtin, Katarzyna Sosińska (51), sagte zum polnischen Magazin «Fakt», dass sie kaum mehr schlafen könne. «Ich wache nachts immer wieder auf und gucke, was an der Grenze passiert. Ich hoffe, dass es keinen Krieg gibt».

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