Aktualisiert 27.11.2009 09:12

Brasilien macht Druck

Lula will den «Gringos» ans Portemonnaie

Für die Rettung des Regenwaldes am Amazonas sollten nach Ansicht des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva die «Gringos» bezahlen. Diese seien ja auch für die Zerstörungen verantwortlich.

Die reichen westlichen Industrienationen hätten in der Vergangenheit viel grössere Umweltzerstörungen begangen als die Holzfäller und Bauern, die jetzt im tropischen Regenwald rodeten, erklärte Silva am Donnerstag auf einer Konferenz, die grössere finanzielle Hilfen von den Industriestaaten forderte.

«Ich will nicht, dass uns irgendein Gringo auffordert, einen Bewohner des Amazonas vor Hunger unter einem Baum sterben zu lassen», sagte Silva. «Wir wollen (den Wald) erhalten, aber für die Erhaltung sollen sie den Preis zahlen, weil wir unseren Wald nicht so zerstört haben wie sie ihren vor einem Jahrhundert.» Das Wort Gringos wird in Brasilien nicht nur für US-Amerikaner, sondern auch generell für Bewohner der nördlichen Hemisphäre verwendet.

Die reichen Länder müssten dazu zwischen 0,5 und ein Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) zur Verfügung stellen, hiess es in einer in der Nacht zum Freitag in Manaus verabschiedeten Erklärung.

Mehr Hilfe der Industriestaaten

«Die Armen müssen unterstützt werden, ohne dass sie ihre Souveränität aufgeben», betonte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zum Abschluss des Amazonas-Anrainer-Gipfels, an dem auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy teilnahm.

Um die Anstrengungen für eine Reduzierung der Treibhausgase zu erhöhen, sei es notwendig, dass die industrielle Welt ihre finanziellen und technologischen Hilfen für die Entwicklungsländer «deutlich und ausreichend» erhöhe, hiess in der Deklaration.

«Deshalb bekräftigen wir den Vorschlag der Gruppe 77 und Chinas, wonach die entwickelten Länder zwischen 0,5 und ein Prozent ihres BIP für Klimaschutzmassnahmen der Entwicklungsländer zur Verfügung stellen.» Dies sei entscheidend, um beim UNO-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen ein Ergebnis zu erreichen.

Sarkozy betonte, es sei wichtig, dass jedes Land Vorteile sehe und niemand das Gefühl habe, getäuscht zu werden. An dem Gipfel in Manaus nahmen deutlich weniger Präsidenten als geplant teil. Die Staatschefs Kolumbiens und Venezuelas, Álvaro Uribe und Hugo Chávez, sagten ihr Kommen kurzfristig ab. Die Hintergründe für die Absagen blieben zunächst unklar, allerdings dürfte die eskalierende Krise zwischen beiden Ländern ein Grund gewesen sein.

Damit waren nur drei der Amazonas-Anrainer mit Präsidenten vertreten. Neben Lula und Sarkozy war auch der Präsident der Republik Guyana, Bharrat Jagdeo, anwesend. Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru, Surinam und Venezuela liessen sich durch Minister oder hochrangige Beamte vertreten. (sda/dapd)

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